Das Design und die Folgen

Am 8. September 1966 flimmerte die erste Folge "Star Trek" über die amerikanischen Bildschirme. Die Science-Fiction-Serie hat im heutigen Design ihre Spuren hinterlassen, und auch einige Entwicklungen und Erfindungen wurden von ihr inspiriert.

Aus der Feder des US-amerikanischen Komponisten Alexander Courage stammt die legendäre Titelmelodie der Serie "Raumschiff Enterprise". Er ebnete den Weg für eine handvoll Komponisten wie Ron Jones, Jay Chattaway und Jerry Goldsmith, die im Laufe der Geschichte das akustische Gewand der Serie prägten. Alexander Courage war durch Zufall auch am Sounddesign beteiligt, wie er in einem Interview erzählt:

"Lange Zeit hatten die Sounddesigner keinen Klang, der beim Titelsong das vorüber fliegende Raumschiff begleiten sollte, ich sagte: Gebt mir ein Mikrofon und der Sound wird euch nichts kosten. So bin ich auf die Bühne gegangen, habe auf den Bildschirm geschaut und als das Raumschiff vorbeigeflogen ist, habe ich dieses ssSSss gemacht."

Die Produktionsmittel der Serie waren äußerst beschränkt, was sich nicht nur in der Ausstattung niederschlug. Das Öffnen der Türen im Raumschiff, Signal- und Warntöne auf der Kommandobrücke, alles war mit einfachsten Mitteln produziert worden. Unnachahmlich war der Klang des Beamens, der sich über die Zeit auch mit Hilfe der Technik und des gestiegenen Anspruchs weiterentwickelte. Der ursprüngliche Sound der ersten Staffel wurde erwachsen, der mythische Faktor mit Hilfe von Hi-tech-plugin-Effekten verstärkt.

Raumschiff für Kunst

Neben den Drehbuchautoren, die an erster Stelle die neuartigen Szenarien entwarfen, waren es vor allem die Designer von Paramount, die dem Interieur und den Raumschiffen ihr futuristisches Aussehen verpassten. Die Langzeitwirkung dieser Bilder finden sich bis heute in der Architektur. Das Oskar Niemeyer Art Center für zeitgenössische Kunst im Stadtteil Niteroi in Rio de Janeiro etwa ist der "Enterprise" täuschend ähnlich nachempfunden.

Architekten bedienen sich bei Techniken und Materialien im Baukasten der Industrie. Der Werkstoff Plexiglas hat beispielsweise völlig neuartige Raumkonstruktionen zugelassen. Auch wenn futuristische Architektur auf den ersten Blick eher ungewohnt scheint, die Menschen fühlen sich in dem gewissen Etwas aus einer gegenwärtigen Zukunft sehr wohl. Die Akzeptanz der Leute, diese Gebäude als gut und als schön zu empfinden, rührt unter anderem auch daher, dass man sie aus dem Fernsehen kennt, wo sie als Zukunft wahrgenommen werden.

Inspirationsquelle für Ingenieure

Die Möglichkeit, Neues zu erschaffen, scheint nur begrenzt möglich zu sein, und dennoch hat "Raumschiff Enterprise" nicht nur in der Architektur seine Spuren hinterlassen. Die futuristischen Bildern dienen auch der Inspiration von Gestaltern und Designern.

Es ranken sich Legenden um den Einfluss von "Star Trek" auf die Entwicklung der Mobiltelefonie: Martin Cooper war Chefingenieur bei Motorola. Er fand, so heißt es, am Communicator der "Enterprise" derart Gefallen, dass er in den 1970er Jahren kurzerhand das erste Mobiltelefon erfand.

Marc Rayman war von den unbekannten Weiten des Weltalls und dem Ionenantrieb so fasziniert, dass er Chefproduktionsingenieur bei der NASA wurde und heute tatsächlich Raumsonden wie "Dawn" mit Ionenantrieb zu fernen Asteroidengürteln schickt.

Oder die Erfindung der mobilen Musikabspieltechnik Quicktime und in weiterer Folge des iPod. Steve Perlman zeichnet sich hierfür verantwortlich. Er ist Forschungschef bei Apple.

Zukunft ist Utopie

Raumschiffe haben heute nicht die Form von fliegenden Untertassen, die visionäre Vorstellung von Zukunft bleibt meist eine Utopie, die - wenn überhaupt, dann nur in Ansätzen - zur Gegenwart wird. Doch ganz so ernst sollte man das alles nicht nehmen, meint Thomas Geisler, Mitarbeiter am Institut für Theorie und Design der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Die Einflüsse von Science-Fiction im Design sind sein Steckenpferd:

"Der ganze Kult um 'Enterprise' und die Trekkies beinhaltet eine gewisse Ironie, die diesem Thema generell zu eigen ist. Wenn man das Ganze zu ernst nimmt, führt man es wahrscheinlich auch ad absurdum." Science-Fiction zeigt eben nur eine von vielen Möglichkeiten, wie sich Dinge entwickeln können.

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Diagonal, Samstag, 11. August 2007, 17:05 Uhr

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