Elisa Treml, Textil/Kunst & Design

Kunst war der Kosmos ihrer Kindheit: Elisa Treml, Tochter zweier Künstler, Jahrgang 1982, die seit 2003 an der Kunst-Uni Linz studiert. 2005 schuf sie eine Dauer-Installation für die Aula der Fachhochschule. Und kürzlich hatte sie ihre erste Einzelschau.

"Nach der Matura war ich überfordert sofort zu entscheiden, welche künstlerische Richtung ich letztlich einschlagen will. Klar war nur, dass ich ein Kunst-Studium machen wollte. So wählte ich als Übergangslösung zunächst Kunstgeschichte und Ethnologie an der Uni Wien. Schließlich habe mich dann für Industrial Design entschieden, weil es unsere Umwelt massiv beeinflusst. Meine Überlegung dabei war, dass man als Designer zwar Kunst machen kann, aber als Künstler nicht Design machen kann. Diese Richtung hat zwar interessante Aspekte, ist aber vor allem eine planerische Tätigkeit. Und im ersten Studienjahr habe ich entdeckt, dass ich das Bedürfnis nach solcher Arbeit habe, wo ich schon im Tun etwas entwickeln kann. Deshalb habe ich dann zur Richtung Textil/Kunst & Design gewechselt, weil sie sehr vielseitig ist und man viele Freiheiten hat", erzählt Elisa Treml, gebürtige Gmundnerin, Jahrgang 1982, die seit 2003 Textil/Kunst & Design bei Margareta Petraschek-Persson an der Kunstuniversität Linz studiert.

Die Eltern der jungen Künstlerin - der Vater ist Bildhauer, die Mutter Textilkünstlerin - haben sie weder von einem Kunststudium abgehalten noch dazu gedrängt. Aber natürlich ist sie von dieser Atmosphäre geprägt: "Meine Eltern arbeiten sehr viel zu Hause - so war Kunst der Kosmos meiner Kindheit. Spannend war für mich, dass ich immer zwei Meinungen einholen konnte. Es gab für mich daher nie 'das Richtige' oder 'das Falsche' - sondern nur verschiedene Möglichkeiten", so Treml, die nun das fünfte Semester absolviert hat.

Auslandssemester in Portugal

Ab Herbst wird die junge Künstlerin im Rahmen des Erasmus-Programms ein Auslandssemester an der Faculdade de Belas Artes an der Universität von Portugal absolvieren:

"Lissabon ist durch seine Geschichte und seine geografische Lage ein Schmelztiegel europäischer und nordafrikanischer Kultur, dazu kommen die Einflüsse aus den ehemaligen Kolonialgebieten. Es ist also ein spannendes Umfeld. Ich werde dort in einer Bildhauerei-Klasse studieren und mich vorwiegend auf Zeichnen und plastisches Arbeiten konzentrieren."

Sehr unterschiedliche Ansätze

"Bei meinen Arbeiten gibt es sehr unterschiedliche Ansätze. Einerseits sind es Projekte, an die ich konzeptuell herangehe, weil ich Inhaltliches behandeln möchte. Dann gibt es Arbeiten, wo ich eher mit dem Material beginne und offen lasse, was dabei entsteht. Und dann gibt es noch Fälle, wo man für Aufträge oder Wettbewerbe nach fremden Rahmenbedingungen arbeitet", erläutert Treml ihre künstlerische Umsetzung, bei der eine gemeinsame Linie ihrer Schöpfungen für den Außenstehenden nicht unbedingt erkennbar ist.

Hohe Ansprüche an sich selbst

"Schwierig war für mich anfänglich zu akzeptieren, dass ich mich voll auf die bildende Kunst einlasse. Denn ich weiß aus der Erfahrung meiner Eltern, dass man sehr flexibel sein muss, um Fuß fassen zu können. Die Idee oder den Ansatz für eine Arbeit zu finden, ist kein Problem für mich. Schwierig ist es, dass ich mich nicht durch mehrere gleichzeitig entstehende Projekte verzettle. Das größte Problem ist wahrscheinlich, dass ich nicht so leicht zufrieden bin mit einer Arbeit", so Elisa Treml.

Dauer-Installation "Begegnung mit Sidonie"

Eine der wichtigsten Arbeiten Tremls entstand im Vorjahr aufgrund eines Wettbewerbs, bei dem sie den 1. Preis gewann: Die Dauer-Installation "Begegnung mit Sidonie" in der Aula der Fachhochschule für Soziales in Linz. "Das Thema wurde - basierend auf Erich Hackls Buch 'Abschied von Sidonie' - wegen der Ausrichtung der Fachhochschule gewählt. Es war in jeder Hinsicht eine Herausforderung für mich, weil es sich um ein ernstes, schwieriges Thema handelt - und diese Arbeit ja bleibend ist. Ich habe eine raumgreifende Wandgestaltung gemacht, wo ich die insgesamt sechs Bilder ins Dreidimensionale brachte", erklärt Elisa Treml.

Für diese Installation hat die junge Künstlerin ein Foto von Sidonie sowie Kinderzeichnungen verwendet, die großformatig auf Kunststofftextil, das einem öffentlichen Raum adäquat ist, gedruckt wurden. "Ich habe deshalb Kinderzeichnungen genommen, weil Kinder hier stellvertretend für den Menschen in seiner schwächsten Phase stehen. Sidonie ist kein Einzelschicksal - solche Untaten passieren ständig weltweit".

Erste Einzel-Ausstellung

Seit zwei Jahren hat Elisa Treml bereits an mehreren Ausstellungen teilgenommen, so u.a. an der Schau "Natur bewegt" mit einem Solo-Projekt im Donaupark Linz, beim Projekt "Kunstwiese Wörthersee", bei "Made in Upper Austria - textile art & design" im Linzer Museum Nordico (alle 2004), bei "Indigo" im Rahmen der Textildesign-Messe Paris und bei "artenlustgarten" im Botanischen Garten Linz im Vorjahr. Heuer war sie bei "Projekt M", einer Kooperation der Kunst-Uni Linz mit zwei Mühlviertler Webereien, vertreten und hat die Bühnengestaltung für den Sommerempfang des Brucknerorchesters Linz gemacht.

Und im Juni hatte sie bereits ihre erste Einzel-Ausstellung "nah am körper" in der Galerie der Linzer Hochschulgemeinde - aufgrund ihres "Sidonie"-Projekts war man auf sie aufmerksam geworden. "Den Titel habe ich in Verbindung mit 'Sidonie' gewählt, wo es um physische Bedrohung geht. Es wurde auch eine Kurz-Doku zu diesem Projekt gezeigt. Aber auch bei den 'Wortbildern', die sich mit der Kärntner Ortstafelfrage auseinandersetzen, geht es zunächst um psychische, in der Folge aber um physische Bedrohung. Es waren Arbeiten aus den letzten drei Jahren zu sehen", so die erfolgreiche Künstlerin.

Solo- und Gemeinschaftsprojekte

Derzeit bereitet sich die junge Nachwuchskünstlerin vor allem auf ihr Auslandsstudium in Portugal vor.

Und wie lauten ihre beruflichen Zukunftswünsche? "Ich wäre sehr glücklich darüber , wenn ich einerseits Solo-Projekte machen könnte, wo ich mich zurück ziehen kann, und andererseits möchte ich auch mit anderen Künstlern zusammenarbeiten. Das wäre ein interessantes Spannungsfeld", so Elisa Treml.