Wolfgang Rupert Muhr, Filmregie

Begonnen hat er als Schauspieler: Wolfgang Rupert Muhr, Jahrgang 1976, der an der Filmakademie Wien Drehbuch und Regie studiert. Am Film faszinieren ihn die Möglichkeiten des Mediums. Jüngst hat er ein Werk Maurice Ravels erfolgreich visualisiert.

"Ausschlaggebend war für mich, dass ich eine gewisse Unzufriedenheit am Theater verspürte. Die Faszination beim Film ist, Dinge festhalten zu können. Im Gegensatz zum Theater, wo ja jede Vorstellung anders ist, und worin natürlich auch der Reiz liegt. Dennoch finde ich Film sinnlicher, man kann die Dinge gleichsam mit dem Brennglas betrachten. Nehmen wir das Beispiel eines Close up: am üblichen Guckkastentheater habe ich die ganze Zeit nur eine einzige Einstellung. Ich kann mir zwar aussuchen, wo ich hinschaue, bleibe aber in ein und derselben räumlichen Betrachterposition. Oder die Möglichkeiten auf der Tonebene, die es im Film gibt. Das waren für mich wesentliche Punkte, mich schließlich auch für den Film zu entscheiden", erzählt Wolfgang Rupert Muhr, gebürtiger Wiener, Jahrgang 1976, der seit dem Jahr 2000 an der Wiener Filmakademie Drehbuch und Dramaturgie bei Walter Wippersberg und Regie bei Peter Patzak studiert.

Davor hatte der Nachwuchs-Filmer die Schauspielschule am Volkstheater Wien absolviert und hatte bereits Engagements am Volkstheater, dem Theater in der Josefstadt sowie in Deutschland und der Schweiz. Den Zugang zum Medium Film habe ihm sein ursprüngliches Metier sicher erleichtert: "Ich hätte ja gar nicht gewusst, wie ich mit den Menschen umgehen soll, worauf es beim Inszenieren ankommt. Ich möchte das Spielen nicht missen", so Muhr, der das Drehbuch-Studium heuer und das Regiefach 2008 abschließen wird.

Auch Theaterstücke und ...

Die künstlerische Palette Muhrs ist sehr breit - und ganz stark vom Schreiben geprägt, wie er erzählt: "Der Impuls zum Schreiben-Müssen ist bei mir sehr stark und die Wertigkeit des Schreibens steht ganz oben. Denn beim Schreiben ist man ganz auf sich gestellt - und hat nicht diese enorm aufwendige Struktur wie beim Filmemachen. Es ist etwas Wunderbares, der pure kreative Akt." Und er kann auch auf diesem Gebiet bereits einiges vorweisen:

So hat er bereits die Theaterstücke Lemminge im Kopf (1996), die im dietheater Konzerthaus Wien uraufgeführt wurden sowie "Fiat Lux" und das Dramolett "Dezibel entscheiden" (1999), das am Burgtheater aufgeführt wurde, verfasst. "Im Mittelpunkt meiner Stücke steht immer der Mensch. Es geht um das Miteinander von Menschen, es erforschen und verstehen zu wollen - ein Suchen nach der Authentizität, gemischt mit einer Prise Humor und Ironie."

... Hörspiele für Ö1

Das kreative Multitalent hat aber auch zwei Hörspiele verfasst, die bereits in Ö1 ausgestrahlt wurden: "Frau Karlova bittet zu Tisch" (2000) sowie "Station Zebra" (2001):

"Bei diesem Genre liegt die Sinnlichkeit ausschließlich auf der Tonebene. Der Zuhörer schafft aus seiner Imagination Bilder. Ich finde dieses Medium faszinierend, weil so viel der Vorstellungskraft des Zuhörers überlassen ist", erzählt Muhr.

Der Film, ein aufwendiges Medium

"Das schwierigste bei diesem Medium ist für mich der organisatorische Aufwand. Begonnen bei der Finanzierung, beim Materialeinsatz, der auch für unspektakuläre Projekte nötig ist, bis hin zur Abhängigkeit vom Wetter. Und dann die Qual der Wahl in der Postproduktion: Die enormen Möglichkeiten, die das digitale Zeitalter bietet, sind zweischneidig: Einerseits enorm hilfreich für die eigene Vision, andererseits kann man sich leicht in einem Labyrinth an Möglichkeiten verlieren", beschreibt Muhr, der das fiktionale Genre bevorzugt, die Herausforderung des Filmemachens.

Von Dok- bis Kurz-Spielfilm

Seit Beginn seines Studiums sind bereits zahlreiche Filme entstanden, so u. a. "Teamwork" und "Paranoikum" (beide 2000), das Porträt "Lucy McEvil" (2001), "Begun in Hollywood, finished in Vienna" (2001/2002), der Spiel/Real-Dok "Lebewohl, Bruder!" (2003/2004) sowie der Kurzspielfilm "Lovers´ Campus (2004/05).

Der 22-Minuten-Spielfilm "Lovers' Campus" war ein sehr aufwendiges Projekt, wie Muhr berichtet: "Er wurde auf Englisch gedreht und nun ist die DVD mit Untertiteln in acht Sprachen fertig. Dieser Streifen, der vom Streit eines Paares, der ihr Leben nachhaltig verändert, erzählt, ist ein Spiel mit Klischees."

"Chansons Madécasses" für Musikverein

Muhrs jüngste erfolgreiche Arbeit, die im vergangenen März gezeigt wurde, war eine Visualisierung von Maurice Ravels exotisch gefärbten "Chansons madécasses" für den Wiener Musikverein. Das Video verbindet die Klangfarben Ravels in optischer Form zu einem synästhetisches Kunstwerk.

"Einen ganz wesentlichen Anteil an dieser assoziativen Arbeit hat Christian Haake als Kameramann, den ich besonders schätze. Die besondere Herausforderung war es, genau umgekehrt zu arbeiten, als man es sonst tut - denn hier entstand nicht die Musik zum Film, sondern sie war die Vorgabe. Wir haben versucht, die Schwere dieser Musik gegenläufig zu behandeln. Individualismus versus Masse war dabei ein Thema", so Muhr.

Arbeit an Diplom- und Dok-Film

Derzeit arbeitet der Nachwuchs-Regisseur außer an seinem Diplomfilm-Drehbuch an einem Dokumentarfilm, in dem es um das Wiedersehen von drei Geschwistern in ihrem Elternhaus, dessen Zukunft ungewiss ist, geht.

"Es ist spannend zu sehen, wie diese drei Protagonisten in diesem Umfeld zusammentreffen. Ich will darin einen Teil ihres Lebens beschreiben - und damit auch für sie festhalten", erzählt Muhr über sein jüngstes Projekt, das im Sommer beendet sein wird.

Dinge weiter entwickeln

Das Schreiben von Hörspielen, Theaterstücken und Prosa will der vielseitig talentierte Filmemacher, der eine starke Affinität zum fiktionalen Genre hat, nach Abschluss seines Studiums wieder intensivieren.

Und wie lauten die Zukunftswünsche von Wolfgang Rupert Muhr? "Einen guten Diplomfilm zu machen. Die geplante Länge liegt bei hundert Minuten, das Buch geht in eine ganz andere Richtung als bisherige Projekte, weg von der Überhöhung. Und wenn wir dazu die richtigen Produktionspartner bekommen und der Film seinen Weg zu einem Verleih findet, ist die Mission erfüllt. Zumindest diesen einen mehr als tauglichen Langfilm habe ich mir vorgenommen. Weiter schau ich gar nicht."