Charles Herzfeld

Von 1965 bis 1967 leitete Charles Herzfeld die Advanced Research Projects Agency. Dort begann die Umsetzung der Pläne für ein Arpanet, dem Vorläufer des Internet. Durch Herzfelds Unterstützung bekam das Projekt auch die notwendige finanzielle Förderung.

Geboren wurde Charles Herzfeld 1925. Als die Nazis in Österreich einmarschierten, verließ seine Familie Wien und ließ sich im damals noch neutralen Budapest nieder. Erzogen in der Tradition der K&K Monarchie, hielt Herzfeld weder etwas von den Nazis noch von den Kommunisten. "Also blieb mir nichts anderes übrig, als wegzugehen."

Als die Nazis drei Jahre später auch Budapest tyrannisierten, war Herzfelds Vater bereits tot. Für Charles Herzfeld und seine Mutter ging die Odyssee über Jugoslawien weiter nach Lissabon, und sie endete schließlich, ein Jahr später, in den USA.

Kariere in Amerika

Ende der 1940er Jahre wurde Charles Herzfeld nach langer Überlegung schließlich amerikanischer Staatsbürger. Er studierte an der katholischen Hochschule in Washington DC und machte seinen Abschluss in physikalischer Chemie an der Universität in Chicago. Als ihn Jack Ruina 1961 zur Arpa - der "Advanced Research Project Agency" - holte, ging es mit seiner Karriere schnell voran: 1961 leitete er das Raketenabwehrprogramm". Zwei Jahre später wurde er stellvertretender Direktor und nach weiteren zwei Jahren - im Jahre 1965 - Chef der Arpa.

Die Arpa betrieb vor allem Grundlagenforschung. Das - so Herzfeld - bedeutete, "dass es im Vergleich zu anderen Projekten billig war. Wir brauchten nur ein paar Millionen, während andere 100 Millionen Dollar verschlangen. Es bedeutete aber auch, dass niemand an uns so richtig interessiert. Wir hatten am Anfang keine Feinde, und das war wichtig".

Die Arpa

Die Arpa wurde 1957 gegründet. Die 1960er Jahre zählen rückblickend sicher zu den spannendsten Jahren dieser Einrichtung, die im Verteidigungsministerium angesiedelt ist und je nach politischer Lage das Wort Defense angehängt bekam. Aus der Arpa wurde Darpa. Es war die Zeit, in der die Pläne von Joseph Carl Robnett Licklider zu einem intergalaktischen Netzwerk langsam Konturen annahmen.

Licklider erkannte schon sehr früh, dass der Computer für weit mehr eingesetzt werden kann, als nur für "Command and Control". Seine Vision beschrieb die Idee der Kommunikation zwischen Mensch und Maschine. Charles Herzfeld hatte zwar von Computern wenig Ahnung, aber genug, um zu verstehen, dass das Projekt von Licklider wichtig war.

Vom Arpanet zum Internet

Als das Verteidigungsministerium am 6. Dezember 1967 19.800 Dollar für die Studie des Designs und der Spezifikation eines Computer Netzwerkes bewilligte, nahm die Welt davon keine Notiz.

So beginnt ein Artikel der "Federal Communications Commission“ zur Geschichte des Internet. Aus dem Arpanet wurde das Internet, und der Rest ist Geschichte.

Charles Herzfeld selbst musste niemanden lang und breit von der Idee überzeugen: "Man muss kein Pilot sein, um zu wissen, dass ein Flugzeug fliegen kann", sagt er.

Start der elektronischen Revolution

Herzfeld musste dem Kongress Bericht erstatten, und er leistete bei den Politikern Überzeugungsarbeit; nicht nur bezüglich des Arpanet, sondern auch für Projekte, bei denen an der Herstellung von sehr reinem Silizium geforscht wurde:

"Es war keine freie Nische, die wir da besetzten. Es gab genug Dinge, die uns angeschafft wurden: Raketenabwehr etwa oder Methoden zur Messung von Atomtests. Da war der Vietnam und einige Grundlagenforschungen, für die wir beauftragt wurden. Etwas war sehr interessant und viel zu wenig bekannt: Es gab etwas, das wir "interdisziplinäres Zentrum für Materialforschung" nannten. Dort wurde Physik, Chemie, Materialkunde, Mathematik und Elektronik zu einem Programm zusammengeschnürt. Es gab zwölf dieser Center, die für die damalige Zeit sehr große Programme durchführten. Zehn bis 20 Millionen Dollar pro Universität und pro Jahr. Da floss wirkliches Geld rein. Ich glaube, ohne diese Programme wäre die elektronische Revolution nicht so schnell vorangeschritten".

Hör-Tipp
Matrix, Sonntag, 19. März 2006, 22:30 Uhr

Download-Tipp
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Link
Defense Advanced Research Projects Agency - DARPA
matrix.ORF.at

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