Barcelona macht sich schön

Schon der Name dieser Stadt klingt in unseren Ohren. Sie ist der Inbegriff mediterranen Lebens. Millionen Touristen zieht es jährlich nach Barcelona. Doch es ist nicht alles Gold was glänzt. Problemzonen gibt es überall in der Stadt.

Der Sage nach wurde Barcino von Hamilkar Barkas, dem Vater von Hannibal, aus Karthago gegründet. Später bauten die Römer die Stadt zu einer Festung aus. Noch heute gibt es Überreste der römischen Stadtmauern im alten Zentrum. Im 5. Jahrhundert wurde die Stadt von den Goten erobert, im 8. von den Mauren. 801 wurde sie von Ludwig I. zurückerobert. Und schließlich 985 von Al-Mansur, dem Kalifen von Córdoba, aus dem heutigen Andalusien, in Besitz genommen.

Im Mittelalter war Barcelona Hauptstadt des Königreiches Aragonien und eine wichtige See- und Handelsmacht im westlichen Mittelmeer. Das Erbe all dieser Kulturen macht auch heute Barcelona noch aus: seine Identität, sein Alltagsleben, sein Essen, seine Architektur und seine Kunst.

Revitalisierung als Olympia-Stadt

Ende des 19. Jahrhunderts entstand in Barcelona eine eigene Form des Jugendstils, die modernisme genannt wird. Ihr prominentester Vertreter ist Antoni Gaudí, der in Barcelona gelebt und gearbeitet hat. Doch mit der Franco-Diktatur, die 1975 endete, schlitterte Barcelona in ein Tief. Bis es sich, Ende der 1980er Jahre, um die Ausrichtung der Olympischen Spiele bewarb. Und als sie 1992 tatsächlich Olympia-Stadt wurde, waren die Augen der Welt auf sie gerichtet.

Die Stadtväter der katalonischen Hauptstadt hatten einen unvergleichlichen städtebaulichen und organisatorischen Kraftakt hingelegt, um Barcelona ins rechte Licht zu rücken. Und es ist auch gelungen. Seither hat sich nahezu alles verändert. Manche sprechen von der Welthauptstadt der Architektur, manche von Europas Hauptstadt der Weltmusik, andere wiederum von einer Design-Hochburg; und viele Kreative aus allen Teilen der Welt wollen nach Barcelona wegen seiner Multikulturalität.

Welthauptstadt der Eigenwerbung?

Barcelona versteht es wie kaum eine andere Stadt sich hoch zu stilisieren. Jahrelang prangte von Plakaten der Schriftzug "Barcelona - Posa't Guapa!" (Barcelona mach dich schön). Aber wo Licht ist, da ist auch Schatten. Viele Menschen haben von der Erneuerung der 1,7 Millionen Metropole überhaupt nicht profitiert. Und die Stadtplanung hat nicht nur bauliche Schneisen in die Stadt geschlagen, sondern auch soziale Gräben aufgerissen.

Kulturelle Clashes findet man allerorts in Barcelona. Und die ökonomische Kluft klafft ordentlich auseinander. Zwischen den Wohlstandsbürgern und den Immigranten, den Promotion-Agenten und den Gitanos (Roma und Sinti). Nach der urbanistischen Metamorphose fordern nun immer mehr Menschen in Barcelona eine soziale Transformation. Eine Herausforderung, die Barcelona bestehen wird müssen, um einzulösen, was es verspricht.

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Diagonal, Samstag, 5. August 2006, 17:05 Uhr

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