Warten können

Er gilt als der Vater des "Tango Argentino" in Graz. Neben seiner Tätigkeit als Komponist, Musiker und Pädagoge engagierte er sich aus ganzem Herzen für diesen Tanz. Heute vor einem Jahr ist Klaus Johns mit 55 Jahren völlig überraschend gestorben.

Klaus Johns aus "El perverso"

Vor mehr als 20 Jahren kam der gebürtige Hamburger Klaus Johns nach Graz und verliebte sich in die Stadt. Er blieb und studierte bei Andrzej Dobrowolski Komposition. Ab Mitte der 1980er Jahre hat er selbst an der Grazer Musikuniversität unterrichtet.

Klang und Stille

Ruhig, sparsam und reichlich mit Stille durchsetzt - so klingen viele Kompositionen von Klaus Johns. “Ich hatte immer das Gefühl, dass wir in einem klanglichen Überfluss leben und in dieser Flutwelle an musikalischem Angebot untergehen. Das wollte ich unterminieren.“ Daher spielt das Thema Sparsamkeit in Klaus Johns Musik stets eine große Rolle. "Für mich war es immer wichtig, mit möglichst wenig auszukommen und das in jeder Hinsicht: klanglich, rhythmisch, metrisch.“

Freilich gehören zu Klaus Johns Musiksprache auch fließende Strukturen. Trotzdem nimmt der Umgang mit Pausen, bzw. mit der Stille in seinen Stücken einen besonderen Stellenwert ein. "Man kann sagen, dass sich die Rollenverteilung umgekehrt hat. Die Pausen, das Nichts, das möglichst Unhörbare sind fast wichtiger als die Töne. Extrem formuliert kann man durchaus sagen, dass die musikalischen Gestalten dazu dienen, die Pausen aushalten zu können. Es ist nicht so, dass die Pausen die Tönen unterbrechen, sondern dass die Klänge - wenn man sie hört - daran erinnern, dass da überhaupt etwas ist.“

Tangoaficionado

Das Warten-Können ist etwas, das Klaus Johns faszinierte. "Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich mich mit dem Tango beschäftige. Hier geht es auch darum, auf den richtigen Moment warten zu können, z. B. beim Tanzen mit der Figur zu beginnen oder inne zu halten.“

Über zwei Jahrzehnte beschäftige sich Klaus Johns mit diesem Tanz. 1991 richtete er ein Archiv für argentinische Tangos ein. Inzwischen umfasst dieses über 4.000 verschiedene Titel in Form von Aufnahmen, Noten, Texten und Videos. Darüber hinaus hat Klaus Johns bereits mehrere Ensembles gegründet, mit denen er Tangos zur Aufführung brachte. Klaus Johns schrieb auch eigene Tango bzw. arrangierte Tangos anderer Komponisten. Keine Frage aber, dass die Auseinandersetzung mit diesem Tanz auch in seinen Werken ihre Spuren hinterlassen hat.

Außergewöhnliches Gedenkkonzert

Anlässlich des ersten Todestages von Klaus John finden Gedenkkonzerte in Graz und Wien statt. Das Programm, das das Ensemble Reconsil zur Aufführung bringen wird, ist bemerkenswert. 20 Komponistinnen und Komponisten haben in memoriam Klaus Johns neue Werke geschrieben. Am Sonntag, 23. Oktober 2005 kommen Werke u. a. von Beat Furrer, Georg Friedrich Haas, Gerd Kühr und Clemens Gadenstätter zur Uraufführung. Ebenfalls zum ersten Mal wird auch ein unvollendetes Werks von Klaus Johns zu hören sein.

CD-Tipp
Klaus Johns, "Suenos Encallados“, Danza y Movimiento, DZ 3104

Veranstaltungs-Tipp
Ensemble Reconsil Wien zu Klaus Johns erstem Todestag, Sonntag, 23. Oktober 2005, 11:15 Uhr, Aula der Musikuniversität Graz, und Mittwoch, 2. November 2005, 19:30 Uhr, Stadtinitiative Wien

Link
KMVD - Klaus Johns