Japanische Ästhetik und Popkultur-Zitate
Die Räuber
Klassikererwartungen an Schillers "Die Räuber" müssen bei der Rabenhof-Inszenierung revidiert werden: die Geschichte wird von Regisseur Peter Waldeck ins alte Japan verlegt, Kurt Waldeck liefert dazu elektronische Klänge. Am 14. September ist Premiere.
8. April 2017, 21:58
Das Theater im Rabenhof eröffnet seine Herbstsaison mit einer ungewöhnlichen Interpretation von Schillers "Die Räuber". Peter Waldeck, Leiter der Theater- und Performancegruppe "Casa del Kung Fu", ist für Buch und Regie verantwortlich und verspricht innovatives High-Speed-Theater mit fernöstlichem Flair. Sein Bruder Klaus Waldeck, Aushängeschild der heimischen elektronischen Musikszene, sorgt für den passenden Klangteppich. Am Mittwoch, dem 14. September, ist Premiere.
Verlagerung der Geschichte nach Japan
Schwerterklirren, Schmerzensschreie, Kampfgetümmel. Aber nicht in den süddeutschen Wäldern, sondern in der japanischen Ebene von Osaka lässt Regisseur Peter Waldeck seine Interpretation des Schiller-Klassikers spielen. Seine Räuber sind ein Haufen versprengter herrenloser Samurais. Der alte Graf Mohr ist ein edler Shogun im weißen Kimono, und Amalie, die Geliebte Karl Mohrs, ist eine Schattenkriegerin ganz in Schwarz.
Plausible Gründe
Dass der Schauplatz nach Japan verlegt wurde, hat dabei einen ganz plausiblen Grund, so Waldeck: "Die Figuren verhalten sich so gespreizt aufgrund verschiedener Moralkodizes; sie könnten die Situation ja jederzeit auflösen, indem sie zum Schloss zurückgehen und das Ganze klarstellen. Aber sie machen es nicht, weil sie total in ihren Verhaltensmustern gefangen sind. Und diese Strenge findet man heutzutage in der Popkultur eigentlich nur in japanischen Schwertkampffilmen, wo Leute aufgrund von gesellschaftlichen Anforderungen an sich selber einfach stur in den Tod gehen, anstatt das Ganze aufzulösen."
Gen Seto, der einzige echte Japaner auf der Bühne, spielt den alten Grafen Mohr. Auch für ihn ist es stimmig, dass Schillers Sturm-und-Drang-Drama einfach in den Fernen Osten transponiert wurde: "Das ist für mich ganz natürlich und logisch. Denn in der Geschichte Japans gab es auch eine ähnliche Ära; besonders zwischen dem 14. und dem 16. Jahrhundert waren viele Kriege bei uns. Und diese Situation passt genau zum Stück "Die Räuber" von Schiller, denke ich."
Zitate aus der Popkultur
Ein fantasievolles Zitieren verschiedener Einflüsse aus der Pop- und Trash-Kultur sorgt für die komischen Elemente des Stücks. Wenn etwa bei der Schlacht um die Mohrsche Burg Heumarkt-Catcher gegeneinander antreten, wenn der böse Bruder Franz sein Abschiedsständchen auf der Hammondorgel bringt oder wenn Amalie ihrem Karl in einem nicht nur sprechenden, sondern auch noch liebeskranken Auto zu Hilfe eilt.
Durch den Einsatz von Video-Projektionen gewinnt diese Inszenierung zusätzliche Dynamik. So werden Seitenstränge der Geschichte immer wieder in Mangas - japanischen Comicbildern - erzählt, stimmig untermalt vom musikalischen Mastermind Klaus Waldeck.
Insgesamt bietet das Stück, das bis Mittwoch, dem 28. September im Rabenhof zu sehen sein wird, einen wagemutigen Spagat zwischen Pathos und Ironie, zwischen Ernst und Unterhaltung und zwischen Klassikersprache und Pop-Zitat.
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Veranstaltungs-Tipp
Friedrich Schiller, "Die Räuber", MiIttwoch, 14. September bis Mittwoch, 28. September 2005, jeweils 20:00 Uhr, Theater im Rabenhof,
Ö1 Clubmitglieder erhalten ermäßigten Eintritt (20 Prozent).
Link
Theater im Rabenhof
