Otto Tausig im Gespräch

Als Bub lebte Otto Tausig in der Welt der Literatur und des Theaters. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten konfrontierte ihn jäh mit der Realität. Im Gespräch erinnert er sich an Nazi, seine Rückkehr und erzählt von den Ursprüngen seines humanitären Engagements.

Seit Beginn seiner Schauspielerkarriere war er auf die Darstellung komischer Typen spezialisiert. Immer wieder verlieh Otto Tausig diesen Rollen neue komödiantische Facetten, denen es auch an tragischen Untertönen nicht fehlte.

Otto Tausig wurde am 13. Februar 1922 in Wien geboren. Bis 1938 ging er in seiner Heimatstadt zur Schule, von 1939 bis 1945 lebte er in der Emigration in England.

Rettung durch Kindertransport

Seine Mutter, Franziska Tausig, hatte 1938 die Idee gehabt, mit dem Inserat in der Londoner "Times" - "Junger, kräftiger Bursche bittet um Arbeit. Arbeitsgenehmigung dringend notwendig." - den 16-jährigen Jungen doch noch in einem Kindertransport nach England unterzubringen.

Tausigs Eltern emigrierten nach Schanghai, wo sein Vater an TBC starb. Nach neun Jahren sahen Otto Tausig und seine Mutter Franziska einander zum ersten Mal am Wiener Westbahnhof wieder. Es war eine Bewegung vor ihr, an der er sie erkannte. Schüchtern trat er auf sie zu und sagte, sichtlich verlegen, "Entschuldigung, gnädige Frau, sind Sie vielleicht meine Mama?"

In ihrem Buch "Shanghai Passage" notiert Franziska Tausig: "Diese Frage meines Sohnes setzte den Schlusspunkt unter die Geschichte meiner Emigration und den Beginn zu einem neuen Lebensabschnitt in der Heimat."

Endlich Schauspieler

Otto Tausig war im Jahr davor - 1946 - aus britischer Internierungshaft freigekommen und gemeinsam mit seiner Frau über Paris ins zerbombte Wien zurückgekehrt. Das Wohnhaus stand noch, auch die Wohnung existierte, aus der die Nazis die jüdische Familie vertrieben hatte. Ein Schuster mit seiner Frau und drei Kindern lebten jetzt dort. Tausig ging fort, und erhob keinen Anspruch auf die Wohnung.

Schauspieler werden, das wollte Otto Tausig schon in der Schulzeit. Als 13-Jähriger schwänzte er für einen Tag das Gymnasium, und ging in eine Wiener Theaterschule in der Innenstadt, um dort vorzusprechen. Die Jury amüsierte sich über seine Darbietung grandios, empfahl ihm jedoch, besser mit 16 Jahren und einer einstudierten Rolle wieder zu kommen. Das nächste Vorstellungsgespräch gelang ihm - 13 Jahre später - auf Anhieb.

Von der Scala an die Burg

Das Max-Reinhardt-Seminar nahm den jungen Mann auf. Otto Tausig notiert in seiner Biografie, nicht ganz ironiefrei: "Nach zwei Jahren verließ ich die Schule als amtlich geprüfter Schauspieler. Das Leben konnte beginnen."

Sein Debüt gab er am Neuen Theater in der Scala in Wien, wo er auch als Spielleiter und Chefdramaturg bis 1956 tätig war. Seine Schauspielerkarriere brachte ihn an die Volksbühne Berlin, das Deutsche Theater in Ostberlin, das Schauspielhaus Zürich und das Theater in der Josefstadt. Zwischen 1970 und 1983 gehörte Tausig als Ensemblemitglied dem Wiener Burgtheater an.

Seit mehr als vier Jahrzehnten ist Tausig für das Fernsehen tätig. Er setzte in zahlreichen TV-Produktionen, darunter der "Alpensaga" oder in der neu verfilmten Komödie "Hofrat Geiger" schauspielerische Akzente. In mehr als sechs Dutzend Produktionen führte er selbst Regie.

Sein Repertoire ist fast unüberschaubar und vom Anspruch her höchst unterschiedlich. Es umfasst unter anderem Rollen in Hofmannsthals "Schwierigem", Beaumarchais "Der tolle Tag", Handkes "Ritt über den Bodensee", Sobols "Ghetto", Sartres "Kean", Molieres "Tartuffe" sowie Schillers "Wallenstein". Tausig gab auch den Cyrano de Bergerac, war der spanische Ritter vom Mirakel oder Goldonis Truffaldino. Doch sein Hauptfach trägt den Namen "Nestroy", wofür er 1996 auch mit dem Nestroy-Ring der Stadt Wien ausgezeichnet wurde.

Soziales Engagement

Doch neben dem Schauspieler Tausig gibt es den seit Jahren sozial engagierten Otto Tausig: Von amnesty international über eine Demonstration gegen DDR-Raketen in Ostberlin bis zum so genannten Entwicklungshilfe-Klub. Seit einigen Jahren konzentriert sich Otto Tausig auf den Film, um mehr Zeit für seine Entwicklungshilfe-Projekte zu haben.