Gustav Peichl ist 80

Dem international erfolgreichen Architekten, der als "Ironimus" die österreichische Zeitgeschichte in der "Presse" und in der "Süddeutschen" karikiert, ist anlässlich seines Geburtstags eine Ausstellung im Karikaturmuseum Krems gewidmet.

Seit mehr als fünfzig Jahren macht Gustav Peichl politische Karikaturen. "Die Dinge wiederholen sich ununterbrochen", erzählt er im APA-Gespräch. "Manchmal, wenn ich etwas zeichne, holt eine meiner Mitarbeiterinnen etwas ganz ähnliches aus dem Archiv. Das kann fünf, zehn, zwanzig oder auch dreißig Jahre alt sein." Genervt ist er von solchen Wiederholungen nicht. "Natürlich macht es mich wahnsinnig, aber was würde ich machen, wenn ich nicht wahnsinnig wäre? Das ist ja was Schönes!" Drei Wochen vor seinem 80. Geburtstag am 18. März zollt er aber auch seinem Alter Tribut: "Man wird pflegeleichter, ich will mich nicht mehr ärgern und ich will mich auch nicht mehr anstrengen. Ich mache nur noch, was mir Freude macht." Die Karikaturen für die die nächste Ausgabe von "Presse" und "Süddeutsche Zeitung" wurden kurz vor dem Interview verschickt.

Sich auch nach fünfzig Jahren immer wieder etwas Neues einfallen zu lassen, fällt Peichl nicht schwer. "Ich mache mich frei damit, meine Zeichnungen über Zustände ersetzen mir den Psychiater." Und schließlich kommen auch von der Politik immer wieder ungeahnte Höhen und Tiefen. "Das ist ja ein Unikat, wie da jetzt eine Regierungspartei mit der Opposition gegen die andere Regierungspartei vorgeht", kommentierte er seine jüngste Karikatur für die "Presse". Wie lange die Koalition noch hält? "Ich glaube, dass es auf jeden Fall Neuwahlen gibt, weil, die können ja nicht weiter, aber mein Problem ist, dass sich auch dann nichts ändern wird." Seine jüngste stellt Kanzler Alfred Gusenbauer dar, dem es nicht gelingt, ein Osterei auszubrüten.

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Das wahre Österreich

Für einen, der schon die erste Große Koalition miterlebte, hat die Vergangenheit als Lehrmeisterin einen hohen Stellenwert. Themen wie die Schulordnung habe er schon in Verbindung mit Sinowatz gezeichnet, ein Blick in seinen Sammelband "Das wahre Österreich" könnte so manchen Politiker heute vielleicht vor dem einen oder anderen Fettnäpfchen bewahren. "Ich bin ja wirklich ein Oldie", sagte Peichl, der in den 1940er Jahren schon Stalin karikierte. "Meine Lieblinge sind natürlich die, mit denen ich angefangen hab. Raab, Figl, Kreisky, für den man die politische Karikatur hätte erfinden müssen, wenn es sie nicht schon gegeben hätte." Wichtig sei nur ein interessantes Gesicht: "Und Politiker sind meistens interessante Persönlichkeiten - ein guter Politiker ist aber erst einer, wenn er sich auch gut karikieren lässt."

Und eine gute Karikatur ist eine, bei der man auf den ersten Blick sieht, was los ist. "Da sehe ich eine Verwandtschaft mit der Architektur", so Peichl, "die Vereinfachung in der Arbeit ist in beiden Disziplinen wichtig, je einfacher ein Grundriss ist, desto besser funktioniert er." Gemeinsam sind ihnen auch die Fehlschläge. "Immer wenn ich etwas fertig habe, bin ich stolz darauf und froh, und die Leute ziehen ein und schimpfen, oder sie lesen Zeitung und schimpfen, alles wunderbar, aber dann, irgendwann, komm ich darauf, dass etwas anders besser gewesen wäre. Wer das bei seiner Arbeit nicht zugibt, der lügt einfach."

Milde ist relativ

"Ich halte mich für einen guten Menschenkenner mit Irrtümern", gibt sich Peichl relativierend. Das feine Gespür für Menschen steckt im Architekten wie im Karikaturisten - und wird ausgeprägter mit dem Alter. "Seriös gemeint, aber nicht seriös gesagt, wird man weise." Und milde? "Ich war immer der Meinung, dass ich milde bin", winkt er ab. "Nur andere haben das bezweifelt." Sich, oft gar nicht so milde, zu Wort zu melden, wenn ihm etwas nicht passt, will er jedenfalls nicht aufgeben - vor allem wenn es um die architektonische Landschaft Wiens und Österreichs geht.

"Es herrschen die Investoren. Die machen Geld, das ist ihr Beruf. Aber die Gestaltung ist dann zweitrangig." Vor allem über Pläne wie die Verbauung des Eislaufvereins ("Das wäre ein Wahnsinn") oder die Wohnhäuser anstelle ehemaliger Heurigenwirte in Grinzing ("Die Geschäftemacher riechen das, wenn die keine Nachkommen haben.") kann sich Peichl, ganz gegen seine Vorsätze, noch ziemlich aufregen. "Die bauen und bauen und bauen, und dann verkaufen sie - und die Architektur, die kommt zu kurz."

Lustig ist wichtig
Auch sein eigenes, 1960 als eine seiner ersten Arbeiten erbautes Haus steht in der Grinzinger Himmelstraße, "mitten zwischen den Weinreben" und ist bis heute sein Lieblingswerk. "Das ist in allen Magazinen und Architekturführern drinnen. Und im Sommer kommen dann die japanischen Studenten in Massen und rufen 'Peichl, Peichl'", erzählt er, scheinbar hin und her gerissen zwischen Witz und Wut. "Es ist ja lustig für mich", entschließt er sich dann. Und lustig - das ist ganz wichtig, auch beim Bauen. "Deshalb mag ich auch das Karikaturmuseum so gern."

Neue architektonische Vorhaben lassen nicht auf sich warten. Sein Büro Peichl und Partner wurde eben erst mit der Renovierung des Schloss Esterhazy in Eisenstadt beauftragt, sein Büro hängt bereits voller Pläne und Grundrisse von dem neuen Museum, das ins Untergeschoß des Schlosses kommen soll und in dem neben der Sammlung Esterhazy auch Teile der burgenländischen Landesausstellung Platz finden sollen. "Das Burgenland war immer am Ende des Darms, man muss das Pannonische beleben, auch künstlerisch. Dass der Herr Serafin dort die Seefestspiele macht, ist zu wenig, da gehört gehobene Kultur hin."

Vor einem Kulturschock zur EURO 2008 hat Peichl keine Angst. "Ich brauch kein Fußballfan sein, aber ich hab in der Jugend im FC Antel gespielt", erzählt er. "Wir haben das allerdings mehr für die Gaudi gemacht, als fürs Spielen, so wie man heute mehr wegen dem Apres-Ski Skifahren geht." Auch wenn er so zurückblickt, weiß sich Peichl in seinem Büro mitten in der Stadt, mit dem Handy, über das ihm neueste Nachrichten von dem Mordfall in Krems mitgeteilt werden, in der Sakkotasche und der frischen Ironimus-Karikatur im Kopierer am Zahn der Zeit. Auch wenn er von Computern nur als "so Kisten" spricht. "Ich möchte modern sein, aber nicht modisch", lautet eines seines langjährigen architektonischen Credos. Und jetzt, für ihn selbst: "Ich werde älter, aber ich versuche, nicht alt zu werden."

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Links
Karikaturmuseum Krems - Ironimus
Peichl und Partner