Heidi Grundmann

Ihre Liebe zur Kunst entdeckte die Hörfunk-Kulturredakteurin schon in jungen Jahren. Mit ihrer Sendung “Kultur Heute“ informierte sie die Hörer über die neuesten kulturpolitischen Entwicklungen und bildende Kunst. Radiokunst transportierte sie in ihrem “Kunstradio“.

Heidi Grundmann

“Für mich ist Radio vor allem deswegen ein unglaublich faszinierendes Medium weil ich gesehen habe, wie unglaublich schnell dieses Medium sich verändert, wie es eben nicht stirbt, was ja eine Zeit lang voraus gesagt worden ist, sondern im Gegenteil, sich immer wieder belebt.“

Heidi Grundmann erblickte am 18. Juli 1938 in Innsbruck das Licht der Welt. Nach der Matura studierte sie dort Psychologie. Ihr Weg zum Radio führte über den Umweg Theater, denn neben dem Studium spielte Grundmann in der Innsbrucker Gruppe “Theater im Zentrum 107“, in der auch einige ORF-Mitarbeiter des Studio Tirols mitwirkten. Über diese Bekanntschaft kam sie 1963 zuerst als Aushilfs-Sprecherin zum Radio und wurde dann schnell fixe Mitarbeiterin. Damit hat sich für Grundmann, die schon immer Radio machen wollte, ein früher Wunsch erfüllt.

Im Dienst der BBC

1967 zog sie nach London, um für den deutschen Dienst der BBC zu arbeiten.

“Ich kann mich noch erinnern, dass ich ein Feature über die Stadt York gemacht habe, im Auftrag dieses deutschsprachigen Dienstes, und dass ich dort unglaublich viele Interviews gemacht habe. Dann bin ich in meiner Wohnung gewesen und habe sie alle transkribiert, in Stücke zerschnitten und am Boden hingelegt. Dann habe ich diese Teile zusammen geschoben und habe danach das Ganze nach diesen aufgeklebten Interviewteilen als Band zusammengesetzt. Das hat mich wahnsinnig interessiert.“

Bildende Kunst über den Äther schicken

Nach zwei Jahren in London kehrte Heidi Grundmann 1969 nach Österreich zurück. Im Jahre 1972 wurde sie fest angestellte Kultur-Redakteurin.

“Ich hab mich dann innerhalb der Kultur-Redaktion spezialisiert, und zwar auf bildende Kunst. Was natürlich schwierig war, weil auch innerhalb des Radios die Vorstellung herrschte, dass man außer Galerierundgängen im Radio nicht viel mehr machen kann zum Thema bildende Kunst. Es hat sich natürlich herausgestellt, dass man sehr viel mehr machen kann.“

“Kultur Heute“

Damit sollte Heidi Grundmann Recht behalten, denn sie bewies, dass mehr möglich war. 1976 gründete sie die Sendung “Kultur Heute“, die regelmäßig zu Entwicklungen in der österreichischen und internationalen bildenden Kunst und Kunst-Politik stattfand.

“Ein Dauerbrenner waren die Pläne für das, was heute das Museumsquartier ist und die Sammlung Ludwig, wo ja auch unglaubliche politische Kämpfe stattgefunden haben. Liesbeth Böhm und ich haben da immer wieder berichtet, und haben eine Sendung entwickelt, die wir in Form eines Märchens gemacht haben. Wir haben die Frau Minister Firnberg als Drachen, der einen Schatz - die Ludwigsammlung - bewachen will, auftreten lassen.“

Leiterin des “Kunstradios“

Im Jahre 1987 kam mit der Sendung “Literatur und Feature“, die Grundmann leitete, ein Quanten-Sprung in der neuen Hörfunk-Abteilung.

Während ihrer Arbeit als Kultur-Redakteurin war Grundmann in den siebziger Jahren in den USA, Australien und Kanada einer Gruppe von Künstlern begegnet, die sich “Radio Artists“ (Radiokünstler) nannten. Sie setzten sich mit dem virtuellen Raum der neuen elektronischen Kommunikations-Medien auseinander. Grundmann ist mit einem dieser Künstler, dem Kanadier Robert Adrian X, verheiratet.

Als Leiterin des “Kunstradios“ realisierte Heidi Grundmann zahlreiche internationale Radiokunst-Projekte, wie etwa “Landscape Soundings/Klanglandschaften“ von 1990.