Programm-Pressekonferenz

Eine Vorreiter-Rolle für den Rabenhof

Eine Art Theaterverbund planen kleinere Bühnen in Wien. Der Rabenhof hat dabei eine Vorreiterrolle. Theater-Chef Thomas Gratzer, der am Mittwoch das Programm bis Saison-Ende präsentierte, kann jedenfalls optimistisch in die Zukunft blicken.

M. Ott zu neuer Struktur / A. Vitasek über Schreiner-Stück

"Rabenhof-Desaster", "kaufmännisches Fiasko" und "künstlerisches Debakel" war im Vorjahr die Rede - wenig schmeichelhaft war die Berichterstattung über das Rabenhof-Theater in Wien-Erdberg. Im Mai 2003 war Thomas Gratzer als Nachfolger von Rabenhof-Chef Karl Welunschek vorgestellt worden. Seit vergangenem Herbst ist er nun künstlerischer Leiter der Bühne. Nachdem der Betreiberverein die Altlasten abgebaut hat, geht der Rabenhof nun optimistisch in den Frühling.

Gratzers erstes Resümee

"Downgesized", doch schuldenfrei - so hatte Thomas Gratzer, im September des Vorjahres den aktuellen Zustand des Hauses in Wien-Erdberg präsentiert. Mit einer "abgeschlankten Struktur", wie es hieß, wurden die kommenden Monate geplant. Der Betrieb im Herbst sei zwar noch nicht voll, aber doch gut angelaufen, erklärte Gratzer bei der Pressekonferenz am Mittwoch: "Der Betrieb war ziemlich trashig. Aber trotz der negativen Berichterstattung hatten wir - bei einem sehr reduzierten Spielbetrieb - 33 Vorstellungen in drei Monaten. Trotzdem gab es 4.863 Besucher, also eine Auslastung von mehr als 60 Prozent." Also ein Zugewinn von etwa 20 Prozent gegenüber dem Frühjahr 2003.

Ott: Synergie-Effekte

Organisatorisch ist für die Zukunft des Rabenhofs eine Trennung der Eigentümerstruktur von der Betriebsstruktur geplant, wie Anwalt Michael Ott, der als Liquidator des bisherigen Theater-Betreibers, des "Vereins der Freunde und Förderer des Theaters im Rabenhof" fungiert, erklärt. Es gehe dabei um Kooperationen kleiner Theater- und Kabarettbühnen, die gemeinsam auf Sponsorensuche gehen könnten und im kaufmännischen Management sowie in Verwaltungs- und Rechtsangelegenheiten Synergien erzielen sollen.

Vorreiter-Rolle für Rabenhof

Eine zugehörige Gesellschaft ist bereits in Gründung und soll in der nächsten Woche ins Firmenbuch eingetragen werden. Der Rabenhof soll in dieser Gesellschaft eine Vorreiter-Rolle haben, so Michael Ott.

Nächste Produktion: Schreiner-Stück mit Vitasek

Als nächste Eigenproduktion präsentiert der Rabenhof ab 28. Jänner Margit Schreiners Männermonolog "Haus, Frauen, Sex" - und zwar mit Andreas Vitasek. Entdeckt habe er das Stück durch das "Literarische Quartett - und sei begeistert gewesen, erzählt Vitasek.

Gratzers Programm-Ausblick

Neben neuen Ausgaben der beliebten TV-Live-Synchronisationen "machek.redet.drüber" und einer Wiederaufnahme des Werner-Schwab-Tributes "Seele brennt!", gibt es am 12. Februar das Finale des "Protest Song Contest". Mit 250 Einsendungen wäre die mit FM4 gestartete Aktion ein "wahnsinniger Erfolg" geworden, freute sich Gratzer. Die nun ausgesiebten 25 besten Protestsongs sollen am 31. Jänner in einer öffentlichen Jurysitzung in der Hauptbücherei auf zehn Finalisten reduziert werden.

"Ben Hur" aus Villach & "Revue des Lasters"

Aus der Neuen Bühne Villach kommt Georg Staudachers Inszenierung von "Ben Hur" (18. Februar) unter dem Motto "Hollywood im Gemeindebau". Danach widmet sich Fritz Ostermayer in einer dreiteiligen "Revue des Lasters" den Themen "Theater" (23. Februar), "Christentum" (22. März) und "Sexutensilien" (26. April). Die Gruppe "Casa del Kung Fu" zeigt ab 17. März "Das geheime Fickleben des Bruce Lee". "Nicht nur Sex, sondern auch Gorillas, Live-Wrestling, eine Kurzoper, aber auch schöne poetische Momente - kurz: Cirque du Soleil on Crack" verspricht Volker Waldeck, Leiter der Truppe, mit der Gratzer künftig verstärkt zusammenarbeiten will.

Cervik in Kroetz "Wunschkonzert"

Ab 2. April spiel Sandra Cervik unter Anatol Sternbergs Regie als Gegenstück zu "Haus, Frauen, Sex" eine eingewienerte Version des stummen Frauenmonologs "Wunschkonzert" von Franz Xaver Kroetz. Im Mai steht dann eine zweite Staudacher-Produktion auf dem Programm: Auf Anregung von Festwochen-Theaterchefin Marie Zimmermann inszeniert er als Festwochen-Koproduktion Franz Molnars "Harmonie" (Premiere: 5. Mai). Darüber hinaus gastieren im Mai und im Juni die Festwochen mit einem Schwerpunkt zu den Februarkämpfen 1934 im Rabenhof.