Komm, sing mit

"Komm, sing mit" nannte Josef Hader seinen musikalischen Animationsversuch, den er mit seinem ehemaligen Schulkollegen Otto Lechner Mitte der 1990er Jahre auf die Bühne brachte. Ein Programm mit Pointen aus Klängen, Worten und Rhythmen.

Alles, was Hader zu blöd zum Reden ist...

Mit dem Akkordeonisten Otto Lechner verband Josef Hader zu diesem 1996 schon eine lange, gemeinsame Geschichte, die im Stiftsgymnasium von Melk begonnen hatte. Dort erprobte Josef Hader seine kabarettistischen und Otto Lechner seine musikalischen Qualitäten. In seinen ersten Programmen wurde Josef Hader auch noch von Otto Lechner am Klavier begleitet.

Musik ist wie Wort

Mitte der 1990er Jahre kreuzten sich die künstlerischen Wege der beiden Jugendfreunde. Ein gemeinsamer Liederabend wurde zusammengestellt, bei dem Herbert Reisinger für die rhythmische Begleitung sorgte. Josef Hader erfreute sich damals an dem Programm, dessen Pointen aus Worten ebenso wie aus Tönen und Klängen zusammengesetzt waren:

"Musik ist für mich ein Mittel, das eigentlich dasselbe transportieren kann wie Wort", meint Hader. "Ich kann mit Musik Begeisterung, Emotionen oder auch Nachdenklichkeit erreichen. Ich kann das alles aber auch mit dem reinen Wort erreichen, weil meine Art von Soloprogramm auch durchaus Emotionen vorsieht und weil ein Soloprogramm schon wieder eine Art von Musik ist. Wenn jemand zwei Stunden alleine auf der Bühne steht und die ganze Zeit redet, dann muss er das gesprochene Wort auch sehr musikalisch anlegen. Man kann auch genau wie in der Musik ganz überraschend - mit vier, fünf Sätzen, wenn sie in einer bestimmten Stimmung gesprochen worden sind - Traurigkeit auslösen. Ich habe bei Musik und Wort das Gefühl, dass man mit beiden auf der Bühne fast alles machen kann."

Musik kann eine Geschichte erzählen

Für Otto Lechner hatte die Musik immer eine besondere Qualität. Im Gegensatz zum gesprochenen Wort bietet für ihn Musik wenig Möglichkeit, nicht wahrhaftig zu sein - oder bessre gesagt: zu lügen. Mit Musik - so meint Otto Lechner, der im vergangenen Jahrzehnt vor allem als Akkordeonist internationalen Ruhm erlangt hat - kann man ganz ehrliche Aussagen treffen.

"Ich pflege ein Ritual und das ergibt sich auch der Tatsache, dass ich blind bin", erzählt Lechner. "Wenn ich Musik für ein Stück mache, dann liest mir der Regisseur das Stück vor und da höre ich schon ziemlich gut, was jemand will. Bilder brauche ich da nicht. Musik kann dann eine eigene Geschichte erzählen, die die Bühnengeschichte ergänzt. Ich sehe keine Gesichter, ich weiß nicht, wie die Leute aussehen, ich bin sehr auf Nebeninformationen angewiesen, die ich halt bekommen - aus kleinen Tonfallveränderungen, Freud'schen Versprechern und sonstigen Dingen. Das sind wichtige Informationen für mich, die brauche ich zum Überleben."

Seinen Weg in die Kleinkunst fand Otto Lechner damals über seine Art, Musik zu interpretieren: "Musik kann viele Qualitäten haben. Ich arbeite – wie Josef Hader - sehr gerne mit einfachen Formen, weil das einfach viel mehr Platz lässt, spontan zu sein. Ich habe in Melbourne einen Preis für Comedy und Cabaret für eines meiner Solokonzerte bekommen. Die Begründung war, dass mein Konzert alles hat, was eine gute Komödie haben sollte. Ich lege großen Wert darauf, dass man hört, wo bei mir meine Ecken und Kanten sind. Wenn ich improvisiere, dann ist es wichtig, dass ich wiedergebe, was sich in mir in diesem Moment abspielt. Und in mir laufen die Gedanken sehr schnell, wenn ich spiele."

Machtspiel mit dem Publikum

Josef Hader war 1996 bereits seit zwei Jahren mit "Privat", seinem absoluten Erfolgsprogramm der 1990er Jahre, unterwegs. Die Liederabende mit Otto Lechner und Herbert Reisinger zählten zu den raren Möglichkeiten, den Kabarettisten auf der Bühne wieder als Teamspieler zu erleben.

"Ich hatte immer große Schwierigkeiten damit, dass ich auf die Bühne gehe und den Menschen sage, wie die Welt ist und wo es lang geht", erzählt Hader. "Das habe ich immer als große Anmaßung empfunden. Wenn ich aber nicht meine Meinung auf der Bühne sage, dann muss ich Vertreter, andere Figuren erfinden, die das für mich auf der Bühne machen und die ich selber spiele. Ich bin ja nicht bescheiden, ich bin eher kokett, daher war es für mich sehr angenehm, auf der Bühne eigentlich genau das Gegenteil zu behaupten, was ich will, das Publikum in Verwirrung zu bringen. Das ist einfach ein schönes Machtspiel. Eigentlich würde ich doch gerne irgend so was machen, was fast so was ist wie Kunst; dass man versucht, Geschichten zu erzählen und Menschen zu zeigen und zwar ganze Menschen."

Hör-Tipp
Contra, Sonntag, 29. Juli 2007, 19:30 Uhr

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