"Ich bin ein C-Tenor"

Er zählt zu den international gefragten Tenören: Johan Botha, der 1996 an der Wiener Staatsoper debütierte. Er sieht sich aber nicht nur als Wagner-Sänger, sondern pflegt auch das italienische Fach. Der Mix aus beiden Fächern sei wichtig für seine Stimme.

Der aus Südafrika stammende Tenor Johan Botha, der 1999 österreichischer Staatsbürger wurde, begann seine Karriere in Europa im Chor der Bayreuther Festspiele und debütierte 1990 in Kaiserslautern als Solist. 2003 wurde er zum damals jüngsten Kammersänger ernannt.

Botha hat in Südafrika sehr früh mit dem Singen begonnen, wie er erzählt: "Ich hatte im Alter von zehn Jahren eine aus der Tschechoslowakei geflüchtete Gesangslehrerin. Bei meiner ersten Gesangsstunde sagte sie 'Mund auf' und steckte mir ein rohes Ei in den Mund. Ich dachte mir: Na, das fängt ja gut an! Denn ich hasse rohe Eier. Ich musste das Ei eine Stunde lang im Mund halten. Danach nahm sie das Ei wieder heraus und sagte: Diese Stellung des Mundes sollst du dein ganzes Leben nicht mehr vergessen!" Als Kind war Johan Botha ein hoher Sopran, nach dem Stimmbruch wurde er Bassbariton und entwickelte sich erst später zum gefeierten Heldentenor.

Wohnsitz Wien

Johan Botha hat seinen Wohnsitz in Wien - und seine beiden Söhne sind bereits waschechte Wiener: "Ich muss jetzt Wienerisch lernen, damit ich vor meinen Söhnen bestehen kann."

Cavaradossi unter Vorbild Domingo

Im vergangenen Mai sprang Johan Botha in Wien für einen erkrankten Kollegen als Cavaradossi in "Tosca" ein. Der Dirigent war damals Placido Domingo:

"Das ist ein komisches Gefühl. Wenn man als Sänger auf der Bühne steht und vor sich denjenigen Sänger sieht, den man als junger Mensch immer als Vorbild gehabt hat und denkt sich: Komisch, warum singt der nicht!"

Im deutschen und im italienischen Fach zu Hause

Johan Botha fühlt sich im deutschen ebenso wie im italienischen Fach zu Hause:

"Das italienische Fach ist meine große Liebe, denn ich bin damit aufgewachsen. In Südafrika wird aus finanziellen Gründen selten Wagner gespielt. Aber ich liebe alle Opern, die Wagner geschrieben hat, das ist fantastische Musik. Ich versuche aber an allen Häusern, an denen ich singe, auch im italienischen Fach aufzutreten. Denn ich bin ein C-Tenor. Und wenn ich ausgeruht bin, geht es auch noch höher. Warum soll ich nur Wagner und Strauss singen?"

Die richtige Mischung

"Der Mix aus beiden ist für die Geschmeidigkeit meiner Stimme wichtig. Dadurch kann ich auch Wagner richtig singen und muss nicht brüllen. Ich möchte auch mit 60 Jahren noch auf der Bühne stehen."

"Jede Rolle, die ich singe, bedeutet für mich eine neue Herausforderung, und ich versuche, ihr jeden Abend eine neue Dimension zu verleihen."

Über Regisseure

Auch gute Regiearbeit ist für Johan Botha sehr wichtig, wie er betont:

"Die Komponisten haben sich etwas ausgedacht und die Regisseure und Sänger müssen diese Stücke so interpretieren, dass das Publikum diese versteht. Es gibt auch gute Regisseure, die manchmal Fehler machen und ihre Gedanken kommen nicht zum Publikum. Das ist auch ein schwieriger Prozess, die Vorstellungen des Regisseurs auf die Sänger zu übertragen. Es gibt aber auch Regisseure, die kommen ohne Konzept zur Probe und sagen: Machen Sie mal was. Dann sage ich: Gut, dann gehe ich nach Hause! Denn ich bin vorbereitet und kann meine Rolle auswendig. Dann kann ich auch erwarten, dass der Regisseur ein Konzept hat."

Ein international gefragter Tenor

Heute ist Johan Botha auf allen großen Bühnen der Welt gern gesehener Gast. Besonders eindrucksvoll gestaltete er den Apollo in "Daphne" von Richard Strauss und auch den Lohengrin in einer umstrittenen Inszenierung an der Wiener Staatsoper. Als Stolzing in den "Meistersingern" feiert er überall große Triumphe.

Hör-Tipp
Apropos Oper, Sonntag, 5. August 2007, 15:06 Uhr

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