Der "Revoluzzer" Konstantin Wecker

Die Kunst des Scheiterns

Viele Höhen und Tiefen kennzeichnen den Lebensweg von Konstantin Wecker. Am 1. Juni 2007 feierte er seinen 60. Geburtstag. Zeit um Bilanz zu ziehen. Das tat er in seinem Buch "Die Kunst des Scheiterns. Tausend unmögliche Wege, das Glück zu finden".

Das Existenzielle passiert in Deinem Inneren.

"Ich bin zum Bänkelsänger geboren, zum Vagabunden. Ich gehöre dem fahrenden Volk an, der Gattung der Rinnsteinpoeten, Straßenmusikanten und Kleinkünstler. Es dauerte ein paar Jahrzehnte, bis ich bereit war, dies einzusehen. Natürlich stünde ich gern mit einem klitzekleinen Gedicht in edler Reihe mit Großschriftstellern, doch meine Gedichte sind eben immer nur Lieder. Und wie gern hätte ich große Opern geschrieben."

Dieses überraschende Geständnis macht einer der erfolgreichsten Liedermacher Deutschlands: Konstantin Wecker.

Die Lektionen des Lebens

Konstantin Wecker hat das Buch "Die Kunst des Scheiterns. Tausend unmögliche Wege, das Glück zu finden" geschrieben, das zu seinem 60. Geburtstag am 1. Juni 2007 herausgekommen ist. Von vielen Höhen und Tiefen berichtet der Parade-Revoluzzer Deutschlands. Es ist eine Geschichte von Veränderung und Verwandlung, eine Meditation über die Lektionen des Lebens, eine Anleitung in der Kunst des Scheiterns, wie man nämlich aus Misserfolgen lernen und Positives aus negativen Erfahrungen herausholen kann. "Man kann auch auf einer Leiter, deren Sprossen aus Niederlagen gebaut sind, schön nach oben klettern!"

Rebellion gegen Normen und Regeln

Wecker erregte mit seinen sadopoetischen Gesängen erstmals in den 1970er Jahren Aufsehen, seine Lieder wie "Willy" oder "Genug ist nicht genug" haben den Nerv der Post-68er-Generation getroffen. Sie erzählten vom unangepassten, selbstbestimmten Leben und davon, dass man sich von nichts und niemandem unterkriegen lassen sollte. Gegen Establishment und Spießbürgertum und für Revolution, Lebenslust und freie Liebe sang Konstantin Wecker.

Die Rebellion gegen Normen und Regeln einer genormten und geregelten Welt verschaffte ihm große Erfolge, aber auch Gefährdungen. Später der Absturz: Wecker wurde wegen Kokain-Konsums zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten verurteilt, die Entziehungskur war mühselig, das finanzielle Desaster blieb ebenso nicht aus wie die Häme der Regenbogenpresse.

Veränderte Sicht

Dieser Tiefpunkt war aber auch ein Wendepunkt, beinhaltete eine Chance auf Veränderung und Erneuerung. Neue Texte entstanden, neue Lieder, eine andere Sicht auf Ruhm und Prominenz aber auch der Mut wuchs, sich die eigenen Zweifel und Ängste einzugestehen, schreibt er in seinem Buch.

Wir bauen uns im Laufe unseres Lebens wie Kinder immer wieder Sandburgen, immer wieder eine Festung aus Teilwahrheiten und Lügen, die wir begeistert Ich nennen, nicht ahnend, dass Heerscharen verschiedener, sich oft widersprechender Ichs als wackere, untereinander verfeindete Soldaten in dieser Festung hausen, jeder Einzelne bereit, erbittert für seine Überzeugung zu kämpfen und den anderen abzuschlachten. Es zeigt uns ja gerade das Scheitern, dass die ganze Persönlichkeit, die man so mühevoll aufgebaut hat, auf einen Schlag zusammenbrechen kann. Und: dass hinter all den Fassaden dennoch etwas Unzerstörbares existiert. So verbergen wir uns ständig vor uns und unseren Mitmenschen, und wenn uns plötzlich ein großer Schmerz befällt, sind wir oft unfähig, ihn als Chance wahrzunehmen.

Hör-Tipp
Gedanken, Donnerstag, 1. November 2007, 13:10 Uhr

Buchtipp
Konstantin Wecker, "Die Kunst des Scheiterns. Tausend unmögliche Wege, das Glück zu finden", Verlag Piper

Link
Konstantin Wecker