Längen und Kürzen

von Nicolas Mahler

... Das wird schon seine Gründe haben...

Das Aufeinandertreffen zweier Gegenpole: Der eine ist jung, engagiert und voller Hoffnungen, er ist beziehungsweise plant, Autor zu werden. Der andere ist abgeklärt, zynisch und ohne jede Illusion, er ist Verleger. Immer wieder besucht der Autor seinen Verleger und bietet ihm seine Manuskriptentwürfe an. Er ist jedoch nicht ganz sicher, ob seine Vorschläge den Punkt treffen. Seine diesbezüglichen Fragen an den Verleger führen jedoch ins Leere: Sein Gegenüber kann ihm nicht einmal sinnvolle Ratschläge erteilen, da er das Abgelieferte maximal überflogen hat; für ihn zählen lediglich mögliche Verkaufszahlen. Dennoch gelingt es dem angehenden Autor, seinem potenziellen Auftraggeber ein paar Euro abzuschwatzen, die dieser seinem "Schützling" in gönnerhafter, fast arroganter Weise vor die Füße wirft.

"Längen und Kürzen" ist eine Abfolge überspitzter Dialoge, in denen Nicolas Mahler den Literaturbetrieb aufs Korn nimmt. Dabei kommt so ziemlich jede Gattung vor: Einmal präsentiert der Autor einen Roman, doch der ist zunächst zu lang geraten, beim nächsten Versuch jedoch wieder zu kurz. Längen, sagt der Autor, könne er jedoch rasch hineinschreiben, das Kürzen sei wesentlich schwieriger. Ein paar Szenen später bietet er statt seiner Romanversuche einen Krimi an. Der hat jedoch den etwas zweifelhaften Titel "Der Hamster kennt den Mörder" und wird ebenso abgelehnt wie die frühzeitig verfasste Autobiografie. Dafür, sagt der Verleger, sei der Autor noch zu jung, und außerdem kämen darin nur zwei oder drei bekannte Persönlichkeiten vor. Auch alle weiteren Versuche, das Theaterstück, die Sammlung mit Gedichten und erst recht der Band mit experimentellen Texten werden verworfen.

In Nicolas Mahlers Stück, in der Regie von Nikolaus Scholz umgesetzt, wird aber keine Moralkeule geschwungen, die wird in diesem "langatmigen Kurzhörspiel" gar nicht erst ausgepackt. Und für den nötigen Unernst sorgt allein schon die Besetzung, die Scholz für dieses Projekt gewinnen konnte: Erwin Steinhauer spricht den Verleger, Rupert Henning den Autor.

Nicolas Mahler wurde 1969 geboren, er ist Autor und Zeichner und ist als solcher u. a. verantwortlich für diverse Cartoons in "Der Standard", "FAZ", "Le Monde", "Tagesanzeiger", "NZZ". Seit 2006 ist er auch dem deutschen Publikum durch seine regelmäßigen Veröffentlichungen in der Satirezeitschrift "Titanic" bekannt. Zusammen mit den Karikaturisten Rudi Klein und Heinz Wolf gründete er 2003 das "Kabinett für Wort und Bild" im Wiener Museumsquartier.

Nach der vorjährigen Produktion "Flaschko - der Mann in der Heizdecke" ist "Längen und Kürzen" Nicolas Mahlers zweite Arbeit für die Ö1 Hörspielabteilung. Nicolas Mahler lebt und werkt in Wien.

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