Richie Pettauer über die Zukunft sozialer Netzwerke

So kann’s nicht weitergehen

Bei der dieswöchigen Digitalks-Veranstaltung wurden verschiedene Social Networks auf ihre Alltagstauglichkeit hin untersucht. Netzwerke wie Xing, Facebook, LinkedIn und Co. verschlingen einen großen Teil des Online-Zeitbudgets des Durchschnittsusers.

Der Begriff "Social Network" entwickelte sich im Zuge des Web-2.0-Hypes so rasch zum Terminus Technicus, dass man, Friedrich Kittler paraphrasierend, fast vergessen könnte: "es gibt keine unsoziale Online-Software."

Als "soziale Netzwerke" bezeichnen wir nämlich gemeinhin auch das Geflecht unserer non-virtuellen Beziehung. In einer Gesellschaft, die immer größere Anteile ihrer Unterhaltung digital konsumiert und deren Wertschöpfung sich zugleich in beträchtlichem Maß in die virtuelle Welt verlagert, ist in einem ersten Schritt die Abbildung im und in einem zweiten die Ausweitung solcher Real-World-Netzwerke ins Internet unausweichliche Konsequenz.

Letztendlich waren es die technologischen Entwicklungen der letzten fünf Jahre, die eine neue Generation von Homepages ermöglichten: Scriptsprachen, Ajax-Bibliotheken und Co. dienen nicht dazu, statische Informationen zu präsentieren, sondern machen Webseiten dynamisch und interaktiv.

Social Networks könnte man auch als weitgehend redaktionslose Seiten bezeichnen, die jene digitalen Repräsentationen von Interaktion zu ihrem Hauptinhalt erheben: das Netzwerk bietet Struktur und Werkzeuge, das Massenmedium Social Network entsteht in der Wechselwirkung zwischen technologischem Framework und der gern zitierten Crowd, der Masse.

Die hohe Börsenbewertung vor allem von Facebook führte in den letzten zwölf Monaten zu einer ausgedehnten Goldgräberstimmung: sogar der amerikanische Skistar Bode Miller betreibt keine simple Sportlerhomepage, sondern sein eigenes Social Network.

Dis-Augmentierung und Valorisierung: Zukünftige Trends

Der Fokus von Analysen sozialer Netzwerke liegt in der Regel auf einzelnen Services und/oder Medientypen. Dabei ist das genuin Neue von FlickR, Youtube und Co. eben gerade nicht in einzelnen Anwendungsvarianten zu suchen, sondern in der Bereitstellung von Exchange-Formaten (Stichwort RSS). Die Rekombination verschiedener Datenströme mit Tools, die sich rasant in Richtung Massenkompatibilität entwickeln, erlaubt - auf der pessimistischen Seite - Datamining ungeahnten Ausmaßes, macht aber andererseits das Umrühren in der Datensuppe auch für nicht-professionelle Data-Miner möglich.

Die Valorisierung sozialer Kontakte ist nach wie vor ein hochgradig experimentelles Feld - das wird sich in den nächsten zwei Jahren auch nicht ändern. Georg Frank hat in seinen Büchern über Aufmerksamkeitsökonomie sehr hellsichtig und vorausschauend beschrieben, wie die Aggregation von Aufmerksamkeit funktioniert; wie sich der pragmatische Wechselkurs zwischen letzterer und Real-Money gestaltet, entscheidet derzeit das freie Spiel von Angebot und Nachfrage - und die Lust am Experimentieren.

Früher oder später werden allerdings Facebook-Investoren harte Zahlen und eine realistische Gewinnzone sehen wollen. Dass in fünf Jahren noch immer zahllose große Social Networks um die Gunst der User buhlen, scheint aber ausgesprochen unwahrscheinlich. Die nächsten Jahre werden zeigen, wer am erfolgreichsten in der schwierigen Disziplin bleibt, User nicht nur anzulocken, sondern ihnen Anreize zu bieten, auf längere Zeit aktive Nutzer zu bleiben.

Ritchie Pettauer ist selbstständiger Medienberater und Autor in Wien.

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Facebook
Xing
Digitalks
Skispace.com - Social Network von Bode Miller

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