Die Sopranistin Alexandra Reinprecht

Obwohl Alexandra Reinprechts Eltern Sänger sind, war eine künstlerische Laufbahn vorerst für sie kein Thema. Durch Zufall entdeckte sie ihr stimmliches Potential. Heuer feierte sie als Einspringerin für Anna Netrebko einen persönlichen Triumph.

Alexandra Reinprecht hatte schon als Kind einen engen Bezug zum Theater und zur Bühne, sind doch beide Elternteile Sänger: "Für mich war das Geschehen um die Bühne schon als Kind fast eine Selbstverständlichkeit. Meine Eltern haben mich auch oft ins Theater mitgenommen, ich war wie ein Zirkuskind. Mit acht Jahren lernte ich Ballett und trat gemeinsam mit meiner Mutter einmal in München auf. Zu dieser Zeit war aber noch nicht sicher, ob ich einmal Sängerin werden wollte."

Erste Versuche

Da die Mutter von Alexandra Reinprecht auch Gesangsunterricht erteilte, lag es auf der Hand, dass sie auch die Tochter unterrichtete: "Da meine Mutter auch oft zu Hause Stunden gab, bekam ich das alles mit: Einmal war ein besonders hartnäckiger Fall bei ihr, der eine Phrase nie richtig singen konnte. Als er weg war, stürmte ich ins Zimmer und sang diese Stelle richtig nach. Und so wuchs ich langsam ins Sängerleben hinein."

Mit 19 Jahren nach Triest

"Ich erhielt meine ersten richtigen Gesangsstunden bei meiner Mutter, und später beschloss man, mich nach Italien, ins Mekka der italienischen Oper zu 'exportieren'. Da der Unterricht in Triest, wo ich landete, nicht sehr intensiv war, und nicht mit vielen theoretischen Fächern überfrachtet war, hatte ich genügend Zeit, privat zu üben, und konnte so meine eigene Gesangslinie finden", erinnert sich die Sängerin.

Stetiger Aufstieg
Nach ersten kleineren Engagements in Triest und mehreren erfolgreichen Wettbewerben kam Alexandra Reinprecht 1999 nach St. Gallen und 2001 nach Graz. Anschließend war sie einige Zeit in Stuttgart, ehe sie 2003 mit der Adele in der "Fledermaus" an der Wiener Volksoper debütierte und 2003 mit großem Erfolg die Martha sang. Im gleichen Jahr sang sie erstmals an der Wiener Staatsoper die Adele und ist nunmehr ein geschätztes Ensemblemitglied an diesem Haus.

"Meine Karriere hat Schritt für Schritt stattgefunden, manchmal ist mir alles fast ein wenig zu schnell gegangen", gibt sie zu. "Ich bin sehr gerne als Ensemblemitglied an einem Haus, obwohl ich auch Gastspiele absolviere. Fix an einem Haus zu sein, bedeutet, einer Familie anzugehören und Geborgenheit zu haben. Natürlich ist es dabei auch wichtig, immer wieder in die weite Welt hinaus zu gehen und zu erfahren, wie an anderen Häusern Musik gemacht wird."

Mit Manon ins kalte Wasser
Alexandra Reinprecht hat sich in den letzten Jahren stetig weiter entwickelt und hatte ihren großen Erfolg als sie im vergangenen April für die erkrankte Anna Netrebko in Manon von Massenet über Nacht einspringen musste und gefeiert wurde.

"Fragen Sie mich nicht, wie ich diesen Tag überlebt habe, aber alle, von den Kollegen bis zur Technik und nicht zuletzt das Publikum haben mich durch diesen Abend getragen, es war echt verrückt! Ich bin allen unendlich dankbar dafür."

An der Wiener Staatsoper ist Alexandra Reinprecht in dieser Saison unter anderem als Juliette, Susanna, Rosalinde und Pamina zu erleben.

Hör-Tipp
Die Opernwerkstatt, Sonntag, 12. Oktober 2008, 15:06 Uhr

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