Wolfgang R. Kubizeks letzte Komposition

Die letzte Komposition von Wolfgang R. Kubizek wurde im Rahmen des Projektes "Zone 38" uraufgeführt. In diesem Werk widmete er sich einer traditionsreichen österreichischen Mentalität: dem Mix aus Autoritätshörigkeit, Opportunismus und Heuchelei.

Ausschnitt aus "Atme Österreich"

Das "Offene Haus Oberwart" (Burgenland) hat im vergangenen Jahr 2008 eine siebenteilige Veranstaltungsreihe organisiert, die sich inhaltlich mit den Ereignissen des Jahres 1938 auseinandergesetzt hat. Im Rahmen von "Projekt 38" haben wissenschaftliche Symposien und unterschiedliche Kunstprojekte versucht, unterschiedliche konkrete Positionen zu diesem Kapitel der jüngeren österreichischen Zeitgeschichte herauszuarbeiten.

Am 8. November 2008 fand zur Erinnerung an die 70. Wiederkehr der Reichspogromnacht ein Orchesterkonzert mit dem erweiterten Janus Ensemble unter der Leitung von Christoph Cech statt. Neben Kompositionen von Tzvi Avni (Israel), Christoph Cech (Österreich) und Kamil Polak (Slowakei) stand im Zentrum des Abends die Uraufführung "Atme Österreich" des im Sommer 2008 im Alter von 49 Jahren verstorbenen österreichischen Komponisten Wolfgang R. Kubizek.

Österreichische Mentalität

In dieser seiner letzten fertig gestellten Komposition widmete sich Kubizek einer seiner Ansicht nach traditionsreichen österreichischen Mentalität: dem Mix aus Autoritätshörigkeit, Opportunismus und Heuchelei. Und Kubizek wurde Zeit seines Lebens nicht müde, immer wieder auf diese Wesenzüge hinzuweisen. Die Komposition von "Atme Österreich" konnte er noch vor seinem Tod vollenden, das Notenmaterial musste aber erst rekonstruiert werden.

Christoph Cech, Dirigent der Uraufführung, darüber hinaus aber langjähriger musikalischer Freund und Wegbegleiter Kubizeks, fiel diese Aufgabe zu. "Es war diese traurige Situation nach dem Tod von Wolfgang (Kubizek, Anm.). Wir wussten, er hat sein Werk fertig gestellt, nur war es in einer Dateiform vorhanden, die erst aufgeschlüsselt werden musste. Ich habe Nächte damit verbracht und versucht, die Noten aus dieser Datei herauszuziehen, das ist mir letztlich auch gelungen: Also auf der einen Seite ein für mich neues Programm rasch lernen, andererseits meinem toten Freund sehr nahe sein in diesen Nächten. Diese Arbeit hat durchaus einen sehr schaurigen Charakter gehabt", erinnert sich Christoph Cech.

Sperrige Kompositionsweise

Kubizek hat "Atme Österreich" für Bariton, Fagott und Orchester komponiert und auch die Texte dazu selbst verfasst. Er fand darin wieder zu einer "sehr griffigen, sperrigen Kompositionsweise zurück", so Cech. "Ich kenne seine Musik sehr genau. Und ich weiß, sie ist streng, spröd, zynisch, aber sie hat dazwischen unglaublich berührende Momente. Das herauszuarbeiten war mein Anliegen."

Der Livemitschnitt der Uraufführung von "Atme Österreich" soll heuer mit weiteren Werken von Wolfgang R. Kubizek auf CD veröffentlich werden. Am 13. Jänner 2009 wäre der gebürtige Oberösterreicher 50 Jahre alt geworden.

Hör-Tipp
Zeit-Ton, 12. Februar 2009, 23:03 Uhr

Link
Zone 38