Antanina Kalechyts, Orgel

Durch einen Bewerb kam sie nach Österreich: Antanina Kalechyts, gebürtige Weißrussin, Jahrgang 1984, die an der Kunst-Uni Graz Orgel studierte, und nun mit dem Gregorianik-Studium fortsetzt. Am 11. August spielt sie ein Mittagskonzert im Salzburger Dom.

A. Kalechyts spielt Bach, Messiaen und Guillou

"Meine Eltern sind zwar keine Musiker - mein Vater ist Architekt, meine Mutter Ingenieurin - aber sie sind sehr an Kunst interessiert. Und so kam ich schon früh in die Musikschule, wo ich bereits mit fünf Klavierunterricht bekam. Ich war von der ersten Stunde an begeistert und sagte: Ich werde Musikerin. Wir sind katholisch und meine Eltern nahmen mich immer in die Kirche mit, wo ich die Orgel bewunderte - und ich mich für dieses Instrument zu interessieren begann.

Es war damals eine schwierige Zeit für die Kirche, denn die meisten waren geschlossen. Erst als ich etwa zehn war, wurden sie wieder geöffnet und ich erlebte, wie aus unserem Dom, den man als Sporthalle benutzt hatte, wieder eine Kirche wurde.

In der Folge widmete man sich auch der Kirchenmusik. Da es keine anderen Musiker gab, bekam ich damals die Möglichkeit Messen zu spielen. Und zwar zunächst auf einer kleinen elektronischen Orgel, denn eine andere gab es nicht.

Als ich 18 war, begann Uladzimir Neudach, ein Weißrusse, der in Österreich studiert hatte, am Dom als Organist zu arbeiten. Und er bot an, mich zu unterrichten. Darüber war ich natürlich sehr froh und nahm sein Angebot gerne an", erzählt Antanina Kalechyts, gebürtige Weißrussin aus Minsk, Jahrgang 1984, über ihre Anfänge.

Seit 2003 studierte die Nachwuchs-Organistin Kirchenmusik mit Konzertfach Orgel bei Karin Tafeit und Gunther Rost sowie IGP Orgel an der Kunst-Universität Graz. Den Bachelor machte sie bereits 2007.

Nun setzt sie mit dem Magister-Studium in Gregorianik bei Franz Karl Praßl fort. Abschließen wird sie Ende dieses Jahres.

Ihre Ausbildung hatte Kalechyts zunächst an der Michail-Glinka-Musikfachschule in Minsk erhalten, wo sie als Hauptfach Klavier bei Natalia Gromova studierte.

Der erfolgreichen Organistin widmete das Magazin "Intrada" am 17. April 2009 ein Radio-Porträt.

Durch Wettbewerb nach Graz

"Herr Neudach riet mir, bei einem Wettbewerb für junge Organisten in St. Petersburg teilzunehmen. Diesen Rat habe ich befolgt - und gewann den ersten Preis. Der Jury-Vorsitzende kam damals aus Graz. Und nach Gesprächen ergab es sich, dass ich schließlich nach Graz kommen konnte", berichtet Antanina Kalechyts, für die die Steiermark inzwischen zur Wahlheimat wurde.

Vom Klang der "Königin der Instrumente" fasziniert

"Vor allem die Klangvielfalt der Orgel fasziniert mich. Und da sind es vor allem die großen Instrumente. Wenn man eine Orgel wie im Grazer Dom spielt, hat man das Gefühl: ich bin so klein und das Instrument ist so groß. Aber zusammen schaffen wir beide etwas Wunderbares", schildert Kalechyts ihren Zugang.

Mittagskonzert im Salzburger Dom

Am 11. August 2009 war Antanina Kalechyts in einem Mittagskonzert im Salzburger Dom mit Werken von Bach, Vivaldi, Liszt und Durufle zu hören.

Davor konzertierte die junge Organistin am 9. August mit ihren Schwestern im Grazer Dom.

Publikums-Siegerin des Orgelwettbewerbs in Zürich 2009

Die junge Musikerin wurde bereits mehrfach ausgezeichnet: so erhielt die Nachwuchs-Organistin 2008 den zweiten Preis beim Internationalen Orgel-Wettbewerb "Bach und die Moderne". Und dieses Jahr brachte ihr gleich zu Beginn Erfolg:

"Man wählte mich für den Internationalen Orgelwettbewerb in Zürich aus, der im vergangenen Jänner in der Bühlkirche stattfand. Ich war natürlich sehr glücklich, dass das Publikum für mich stimmte und ich den ersten Preis erhielt. Damit sind Konzerte in Zürich und in Berlin verbunden, die für 2010 geplant sind", freut sich die ambitionierte Organistin. Dies umso mehr, als die Vorbereitungszeit keineswegs einfach für sie war: denn seit Herbst 2007 ist Kalechyts junge Mutter.

Seit Herbst 2008 Vertreterin des Grazer Dom-Organisten

Im Oktober 2008 wurde Kalechyts in eine wichtige Funktion berufen – sie wurde Vertreterin des Grazer Dom-Organisten Emanuel Atmann:

"Herr Professor Atmann kannte mich vom Unterricht an der Kunst-Uni. Die Berufung kam für mich sehr überraschend - und ich war sehr glücklich darüber. Es war eine ganz wichtige Erfahrung, und ich hoffe, dass ich meine Aufgabe gut gemacht habe", schildert die junge Organistin, die diese Funktion bis Ende März inne hatte. Sie wird auch den neuen Dom-Organisten bei Bedarf vertreten.

Konzert-Erfahrungen als Solistin und als Dirigentin

Mittlerweile konnte die vielseitige Musikerin zahlreiche Erfahrungen als Orgel-Solistin und als Dirigentin mit Choral-Scholen in Österreich, Ungarn, Polen, Litauen und Belgien sammeln:

"Vor drei Jahren habe ich mit meinen Schwestern, die Hackbrett und Geige spielen, ein Konzert im Grazer Dom gegeben. Und im kommenden August werde ich wieder mit Marina und Aliona im Dom zu Graz konzertieren", berichtet Kalechyts, die bereits rund 30 Konzerte im Jahr spielt.

Internationale Konzert-Organistin

Derzeit bereitet sich die vielseitige Musikerin auf ihren Studien-Abschluss sowie auf Wettbewerbe in der Schweiz und in Deutschland vor.

Wie lauten die Zukunftswünsche der Nachwuchs-Organistin, die gerne auch eine Schola leiten würde? "Mein größter Wunsch wäre, dass ich international als Konzert-Organistin tätig sein und mich international präsentieren kann. Denn ohne Konzerte kann ich mir mein Leben gar nicht mehr vorstellen", so Antanina Kalechyts.

Die Ö1 Talentebörse ist ein Kunstförderprojekt mit Unterstützung der Bank Austria

Mehr zu Konzerten und Preisen von Antanina Kalechyts in oe1.ORF.at

Kontakt
Antanina Kalechyts

Tipp
Die Porträts der Ö1 Talentebörse können seit 1. September 2008 im Rahmen der Ö1 Podcast nachgehört werden. Alle Sendungen des kostenfreien Radio-Abos finden Sie hier.

Hör-Tipp
Ö1 Talentebörse, Donnerstag, 27. August 2009, 7:55 Uhr

Links
Universität für Musik und darstellende Kunst Graz
Universität für Musik und darstellende Kunst Graz - Gewinner des Orgelwettbewerbs "Bach und die Moderne"
kirchen.net - Domkonzerte Salzburg
3. Internationaler Orgelwettbewerb Zürich
Graz-Dom