Der Schwarzschwanzgazelle auf der Spur

Von Westen nach Osten gemessen, bedeckt die Gobi stolze 2.000 Kilometer, von Norden nach Süden 800. Kamele, Rennmäuse und Schwarzschwanzgazellen tummeln sich bei stark schwankenden Temperaturen zwischen plus und minus vierzig Grad Celsius.

Wie eine in ihrer Bewegung eingefrorene Welle erhebt sich die Düne Khongoryn Els unvermittelt aus der sandig-steinigen Ebene der Wüste Gobi. Heftige Stürme formten die Düne. Wer einmal eine Sanddüne bestapft hat, der weiß: Ein Schritt vorwärts schwemmt einen umgehend zwei Schritte zurück.

Wandern an oder über die Düne wäre in der sengenden schattenlosen Hitze ohnehin sträflicher Leichtsinn. Und so treffen die internationalen touristischen Wüsten-Beobachter mit ihren Sonnenhüten, Spaghettiträgern und Sandalen bei einem "Photo Point" zusammen und bestaunen das Wüsteneinerlei.

70 Kilometer vor Peking

China und die Mongolei teilen sich die größte Wüstenlandschaft Asiens, die Gobi, deren Name aus dem Mongolischen kommt und "großes flaches Becken" bedeutet. Durch die periodisch wiederkehrenden Sandstürme breitet sich die Wüstenlandschaft der Gobi immer weiter aus. Im Süden rückt die Gobi schon bis auf 70 Kilometer der chinesischen Hauptstadt Peking zu Leibe. Chinas grüne Mauer soll Abhilfe bringen: Mit ausgedehnten Schutzpflanzungen versuchen die Chinesen, den unheilvollen Sandstürmen aus der Gobi Einhalt zu gebieten.

Stärkung im Jurten-Restaurant

Gobi-Reisen sind gut durchorganisiert. In mehreren Jurtencamps kann übernachtet werden. Besonders beliebt ist das Camp beim verlassenen Kloster Ongi. Im Schutz einer kleinen Felsenformation sind von den einfachen Kloster-Gebäuden nur mehr die Grundmauern auszumachen.

Im Jurten-Restaurant nebenan herrscht jedoch reges Treiben. Die Touristen werden im Stundentakt mit Reis und Fleischragout abgefertigt. Die mit Generator betriebene Warmwasseraufbereitung sorgt indessen für einen kontinuierlichen dünnen Strahl in den Duschen - vier Kabinen, die heiß begehrt sind.

Einmalige Bäume

Die Reduktion auf Weniges ist den meisten Motivation für den Wüstentrip. Essen, schlafen, schauen und sinnieren ist alles, was man in der Gobi machen kann. Rennmäuse, Steppeniltisse, Schneeleoparden und Schwarzschwanzgazellen, die die Gobi bevölkern, bleiben dem einfachen Wüsten-Touristen zumeist verborgen.

Zu bestaunen gibt es aber die Saxaul-Wälder, Agglomerate buschiger und widerstandsfähiger Gewächse, die nur in Zentralasien vorkommen. Die knapp eineinhalb Meter hohen Bäume sind ein wichtiger Schutz vor der Erosion des Bodens und bieten den Tieren der Wüste einen Lebensraum. Saxaul-Bäume schlagen ihre Wurzeln sehr tief, bis zum Grundwasser, und sie breiten sie auch horizontal aus.

Die Bäume können mehrere hundert Jahre alt werden. In der Gobi werden sie jedoch als Brennholz dringend benötigt. Der Brennwert des extrem harten Saxaul-Holzes ist bemerkenswert. Eine fünfköpfige Familie übersteht den harten Gobi-Winter mit nur zwei Festmetern Saxaul-Holz. Zusätzlich verwenden die Wüstennomaden Schaf-, Ziegen-, Kuh- und Kameldung zum Heizen und Kochen.

Eis in der Wüste

Der landschaftliche Höhepunkt jeder Gobi-Reise ist ein Besuch im Yolyn Am, der "Geierschlucht". Die Schlucht bietet ausreichend Schatten für einen Spaziergang. Ziel ist eine meterdicke Eisschicht, die auch im Sommer noch zu bestaunen ist und Zeugnis von den extremen Temperaturschwankungen in der Wüste Gobi ablegt.

Hör-Tipp
Ambiente, Sonntag, 19. April 2009, 10:06 Uhr

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