"Lucona" und andere Skandale

Das Leben Udo Prokschs war lange vor dem Skandal um den Versicherungsbetrug und die "Mordsache Lucona" filmreif. Im kommenden Jahr wird es eine große Ausstellung des Werks des Designers geben, ein Buch, und - eine Filmdokumentation.

Am 29. Mai 2009 hätte eine der schillerndsten Figuren der jüngsten österreichischen Geschichte ihren 75. Geburtstag gefeiert: Udo Proksch, auch bekannt als Designer Serge Kirchhofer. Verurteilt wegen sechsfachen Mordes und versuchten Mordes, Versicherungsbetrugs und diverser anderer Delikte.

Im "schwarzen Schloss"

2007 wird bereits als voraussichtlicher Entlassungstermin in Aussicht genommen, als Proksch 2001 nach einer missglückten Herztransplantation stirbt. Er hat zehn Jahre im Gefängnis verbracht, in der Karlau, die er "das schwarze Schloss" nennt. Das Bild des prominenten, oft interviewten Gefangenen, seine spektakuläre Flucht auf die Philippinen vor der Festnahme und der aufwendige Prozess samt Wracksuche im Indischen Ozean prägen bis heute das Bild des Udo Proksch.

Wenn man mit seiner Familie, mit Freunden von früher, mit Mitarbeitern und Protagonisten der Wiener Gesellschaft spricht, erhält man ein ganz anderes Bild der Person, die er vor dem Fall Lucona für sie gewesen sein muss. Niki Lauda sagt, dass er derjenigen Seite Prokschs, die er gekannt habe, die Verbrechen nicht zutrauen würde, aber es gäbe eben auch Menschen, die eine andere Seite hätten.

Kreativer Designer

Der Aufstieg des Udo Proksch beginnt, als er in den 1950er Jahren von dem Industriellen Wilhelm Anger nach einem Hochschul- Wettbewerb als Brillendesigner engagiert wird. Legendäre Marken wie Viennaline, Serge Kirchhofer und Carrera werden entwickelt und weltweit verkauft.

Tausende Entwürfe belegen die Kreativität des jungen Designers, die er bald auf andere Gebiete der Kunststoffherstellung ausdehnt. Er unterhält nicht nur ein hochdotiertes Werbestudio in Wien, sondern gründet mehrere Firmen mit unterschiedlichen Partnern und Geldgebern.

Netzwerk Club 45

Kirchhofer/Proksch ist bald der Liebling der Wiener Gesellschaft, ein großzügiger Gastgeber, unterhaltsamer Bürgerschreck, ein kleiner Mann mit großem Charisma, so wird er beschrieben. Seine Ehefrauen: die Schauspielerin Erika Pluhar, dann Daphne Wagner, in den folgenden Jahren ist er mit Gräfinnen liiert.

Die Krönung seiner Laufbahn dürfte gewesen sein, dass er durch geschickte Transaktionen sein Lieblingslokal, die k. und k. Hofzuckerbäckerei Demel, übernehmen kann. Im Demel residiert bald auch der Club 45, eine Vereinigung von Sozialdemokraten nach dem Vorbild englischer Gentlemen-Clubs. Dieser Club 45 wird ein Machtzentrum, von dem aus - glaubt man den Kritikern - viele Fehlentwicklungen ihren Anfang nehmen.

"Lucona" gesunken

Am 23. Jänner 1977 sinkt das Schiff "Lucona" nach einer Explosion im Indischen Ozean, die Fracht, laut Proksch eine wertvolle Uranaufbereitungsanlage, ist auf 212 Millionen Schilling versichert. Die Klage auf Auszahlung der Summe bringt den Fall ins Rollen. Aber Proksch führt sein Leben in Wien scheinbar unbehelligt weiter, die Freunde halten ihm die Treue.

Einer der teuersten Prozesse Österreichs

Erst acht Jahre nach dem Untergang der "Lucona" wird er erstmals verhaftet, nach Entlastung durch höchste politische Kreise nach elf Tagen freigelassen. Nach Veröffentlichung des Buches "Der Fall Lucona" von Hans Pretterebner, das Proksch als Versicherungsbetrüger und Urheber der Sprengung, damit als Mörder von sechs Matrosen beschreibt, sowie nach einer spektakulären, eineinhalb Jahre dauernden Flucht, wird er in Wien verhaftet.

Es folgen ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss, Rücktritte von Politikerfreunden und schließlich der Prozess, der zu den aufwendigsten und, dank der Wracksuche, zu den teuersten in Österreich zählt und schlussendlich zur Verurteilung führt. 2010 soll Udo Prokschs Leben in einem Film erzählt werden, den Hollywoodregisseur Robert Dornhelm dreht und der beweisen wird, dass die interessantesten Geschichten wieder einmal das Leben geschrieben hat.

Hör-Tipp
Hörbilder, Samstag, 23. Mai 2009, 9:05 Uhr

Link
Wikipedia - Udo Proksch