Bluatschwitz Black Box

In Bad Aussee gibt es ein anspruchsvolles Theater-Projekt, das sich vorwiegend philosophischen Themen verschrieben hat. Ihre erste Spielserie im Jahr 2009 hatte die von Jürgen Kaizik gegründete Bluatschwitz Black Box mit dem Stück "Wittgensteins Tod" eröffnet.

In Bad Aussee kennt die Bluatschwitz jeder. Die Bluatschwitz ist ein altes Straßenstück, das aus der Ortsmitte steil nach oben führt, zum Tressenkogel hin. Dort oben steht die Black Box. Die ist natürlich nicht wirklich eine Schachtel, sondern ein Haus. Eine Ausseer Jahrhundertwende-Villa, auf deren stimmungsvollem Dachboden der Autor und Regisseur Jürgen Kaizik Unsichtbares mit einfachsten Mitteln sichtbar macht.

Philosophische Themen im Vordergrund

Jürgen Kaiziks Theater ist in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes: Philosophische Themen stehen im Vordergrund, und so ist es nur konsequent, dass die Spielserie im Vorjahr mit dem Stück "Wittgensteins Tod" eröffnet wurde.

Bemerkenswert ist auch, dass in dem sehr, sehr kleinen Theater wirklich namhafte Künstler auftreten: Am Premierenabend verkörperte Remi Brandner den Philosophen Ludwig Wittgenstein und Kammerschauspieler Franz Robert Wagner dessen alten Freund, den trinkfreudigen Dorfpfarrer Alois Neururer. Heuer wird bei der Wiederaufnahme am 12. August Hagnot Elischka, der im April 2010 die höchst erfolgreiche Theaterperformance "Psychiatrie" im Wiener Kabelwerk veranstaltet, diese Rolle verkörpern.

In weiteren Produktionen werden heuer unter anderem Dagmar Schwarz, Susanne Altschul, Ines Kratzmüller und Hannes Gastinger zu sehen sein. Für ein Gastspiel mit seiner Interpretation der Krauss-Fassung der "Großherzogin von Gerolstein" konnte Wolfram Berger gewonnen werden.

Die größeren Zimmer der Villa im Erdgeschoß waren für die adeligen Jäger gedacht, die kleineren im ersten Stock für die Dienstboten. In den Ecken stehen noch die schönen alten Kachelöfen, die hölzerne Veranda ist in der typischen Ausseer Art gearbeitet und die Holztreppe zum Dachboden knarrt ganz wie es sich gehört.

Intimes Theatererlebnis
Es sei schön gewesen, während der Proben nur ein paar Schritte vom Zimmer hinauf zum Dachbodentheater gehen zu müssen, schwärmte Remy Brandner. Wenn Rremy Brandner als Ludwig Wittgenstein auf der Dachboden-Bühne vor sich hin räsoniert, dann steht er kaum einen Meter vor seinem Publikum. Näher kann man sich als Schauspieler und Zuschauer nicht kommen.

Die Black Box ist vor allem ein ästhetisches Prinzip. Aber sie ist auch im ganz wörtlichen Sinn eine schwarze Schachtel, ein schwarzer Raum im Dachboden. Wenn die Vorhänge zugezogen sind, kann man aus der Black Box nicht hinausschauen. Und trotzdem ist die Landschaft, die sie draußen umgibt, so mächtig und intensiv, dass sie während der Aufführungen sogar im abgedunkelten Dachboden zu spüren ist. Remy Brandner sieht es als ein Privileg, unter solchen Bedingungen Theater zu spielen.

Im Vorjahr war der Zuspruch des Publikums, bestehend aus Einheimischen und Sommergästen überwältigend! Dieser positive Umstand tröstet darüber hinweg, dass die Gemeinde Bad Aussee dieses ambitionierte Projekt - trotz der guten Bilanz des Vorjahres - auch heuer nur mit einem höchst bescheidenen Betrag von 350 Euro für die gesamte Spielzeit zu unterstützen gewillt ist. Wenn da nicht einige private Förderer und Theaterpartner eingesprungen wären, wäre die Black Box heuer beinahe geschlossen geblieben.

Ernsthaftigkeit statt Dauerbespaßung
Im drastischen Namen "Bluatschwitz" ist für den Autor und Regisseur Jürgen Kaizik über die konkrete Bezeichnung hinaus auch eine symbolische Botschaft enthalten. "Die Bluatschwitz ist eine sehr steile Straße. Über die kommt man nach oben. Dort öffnet sich die Sicht, und auch die Luft ist noch besser", sagt Kaizik. "Früher haben die Tiere an dieser Stelle, wenn sie schwere Lasten hinaufgezogen haben, 'Bluat geschwitzt'. Das muss heute natürlich niemand mehr. Aber der Name soll durchaus ein Hinweis darauf sein, dass letzten Endes nur anstrengende Dinge wirklich schön und erfüllend sind.

Die ansonsten allgegenwärtige Dauer-Bespaßung könne schließlich nicht alles sein. Deshalb betont Jürgen Kaizik nachdrücklich: "Es ist ja schön, dass man Freude am Leben hat. Aber das Leben besteht auch aus sehr ernsthaften Aspekten. Mit denen sollte man sich auseinandersetzen. Auf die wollen wir mit unserem Namen und unserer Ästhetik hinweisen."

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