Wenn ich mich recht erinnere...

Kurt Sobotka ist vielen seit Jahrzehnten ein vertrauter Wegbegleiter, der das Publikum zum Lachen gebracht hat, zum Schmunzeln, zum Nachdenken - als Schauspieler, als Regisseur, als Autor. Am 9. März 2010 feiert er seinen 80. Geburtstag.

Die erste Liebe

Der Weg zum Theater war keineswegs geplant.

"Ich bin kein Kabarettist", sagt Kurt Sobotka. "Ich bin ein Schauspieler, der gern auch fürs Kabarett gearbeitet hat und der es liebt und schätzt, wenn es gut gemacht ist." Am 9. März feiert Kurt Sobotka seinen 80. Geburtstag, und immer noch steht er regelmäßig auf der Bühne des Theaters in der Josefstadt, dem er seit vielen Jahren als Ensemblemitglied angehört.

Mit Karl Farkas, Helmuth Qualtinger und Gerhard Bronner war Sobotka ab 1950 mit Kabarettprogrammen am Kärntnertortheater, am Theater am Parkring und an zahlreichen anderen Wiener Bühnen zu sehen. Er trat bei vielen legendären Programmen im Simpl auf.

"Bitte anschreiben!"

"Der Tummelplatz meiner Kindheit war die Jadengasse im 15. Wiener Gemeindebezirk. Keine zehn Gehminuten vom Schloss Schönbrunn entfernt, aber Tausende Kilometer weit weg von Luxus und Reichtum. (...) Die Jadengasse war meine kleine Welt", sagt Kurt Sobotka. "Die Kinder spielten auf der Straße, Autos waren selten. Das Verkehrsaufkommen bestand aus Milch- und Bierwagen, die von Pferden gezogen wurden."

Kurt Sobotka erzählt von der alten Greißlerei in der Jadengasse, in dem das Fass mit dem Sauerkraut neben dem Kübel mit der Schmierseife stand, da gab es alles, vom Petroleum bis zum Zucker. Und es gab ein dickes blaues Heft mit Linien, das wöchentlich aufgelegt wurde. Da durfte man dann "anschreiben" lassen: "Bitte alles aufschreiben! Die Mama zahlt morgen."

Die Kunst des Überlebens

1930 wurde Kurt Sobotka geboren, die politische Lage in Europa war angespannt. Als der kleine Bub neun Jahre alt ist beginnt der Zweite Weltkrieg. Fünfzehn Jahre war er alt, als der Krieg zu Ende ging.

Dort, wo ich aufwuchs, hatte man für Kunst keine Zeit. Da ging es hauptsächlich ums Überleben. Überleben, das war die Kunst, die in meiner Kindheit gefragt war. Ich war also nicht vorbelastet. Das künstlerische Talent meiner Ahnen lastete nicht schwer auf meinen Schultern. (Kurt Sobotka in seinem Buch "Wenn ich mich recht erinnere...")

Der jungen Erni ist es zu verdanken, dass er als 16-Jähriger zum Theater wollte. Kurt Sobotka schreibt sich am Wiener Konservatorium Prayner ein, er macht eine Aufnahmeprüfung und belegt die Fächer Spracherziehung, dramatischen Unterricht und Gesang, später kommen noch Tanz und Musik- und Harmonielehre hinzu.

Der erste Kellner des "Seniorenclubs"

Kurt Sobotka stand mit Schauspielgrößen wie Maxi und Alfred Böhm, Ossy Kollmann, Kurt Sowinetz, Luise Martini, Karl Farkas und vielen anderen auf der Bühne. Später war er lange Jahre künstlerischer Leiter des Simpl. Im Fernsehen wurden Shows wie "Das Zeitventil" oder "Die große Glockn" von Gerhard Bronner und Kurt Sobotka gezeigt. Hans Salomon schrieb die Kennmelodie zur "Großen Glockn", die später - mit einem Text von Gerhard Bronner und gesungen von Marianne Mendt - unter dem Titel "Wie a Glockn" zum großen Hit wurde.

In den Jahren nach 1960 wurde er auch für den Film entdeckt, fürs Fernsehen, und er war regelmäßig im Radio zu hören. Nur wenige erinnern sich vielleicht noch daran, dass Kurt Sobotka der erste Kellner im "Seniorenclub" im Fernsehen war, er musste die Rolle aus Zeitgründen an Ossy Kollmann weitergeben, später hatte sie über viele Jahre Alfred Böhm inne, einer der großen Komödianten Österreichs, mit dem Kurt Sobotka gut befreundet war.

Eine Ära des Radio-Kabaretts

Im Jahr 1978 starteten Gerhard Bronner und Peter Wehle eine Kabarettsendung im Österreichischen Rundfunk, im Hörfunk, im Programm von Österreich 1. Von 1978 bis 2009 wurde sie jeden Sonntag ausgestrahlt. Lore Krainer war ab der ersten Sendung dabei - und Kurt Sobotka, der die Sendung ab 1990 in seinem eigenen kleinen Ton-Studio im Keller seines Hauses in Mödling aufnahm und produzierte.

Ein "Kunstwerk aus Teig und Rosinen", das auch ein kleines bisschen Salz braucht, gab der Sendung ihren Namen: "Guglhupf". Wobei der "Guglhupf" auch die volkstümliche Bezeichnung für den Wiener "Narrenturm" ist, eine unter Joseph II. erbaute Irrenanstalt. Mehr als 1.200 "Guglhupf"-Sendungen hat Kurt Sobotka sorgsam archiviert, Tausende von Liedern und Dialogen sind hier gespeichert. Im Radio wurde mit dem "Guglhupf" österreichische Kabarettgeschichte geschrieben. Am 28. Juni 2009 ging der "Guglhupf" zum letzten Mal auf Sendung.

Ehrenmitglied der Josefstadt

Seit vielen Jahren gehört Kurt Sobotka zum Ensemble des Theaters an der Josefstadt. Zurzeit ist er in mehreren Aufführungen auf der Bühne zu sehen. Er ist Ehrenmitglied der Josefstadt, er wurde zum Kammerschauspieler ernannt. Kurt Sobotka ist freilich nicht nur als Schauspieler erfolgreich, er hat auch einen guten Ruf als Regisseur, mehr als 35 Inszenierungen tragen seine Handschrift.

"Wenn mich etwas traurig stimmt, in Bezug auf meine Karriere, dann vielleicht die Tatsache, dass ich den meisten als Kasperl, als Komiker, als Kabarettist bekannt bin. Da bin ich in einer Schublade, und das finde ich schade", sagt Kurt Sobotka. "Ich war und bin ein Schauspieler, der seinen Beruf liebt und der vieles ausprobiert hat."

Service

CD "Der Guglhupf - 1978 - 2009", erhältlich im ORF-Shop,
Ö1 Club-Mitglieder bekommen zehn Prozent Ermäßigung.

Theater in der Josefstadt - Salut für Kurt Sobotka