Valie Export bespielt Kubus wieder

Unter einer Brücke der U-Bahntrasse am Lerchenfelder Gürtel steht schon seit gut zehn Jahren ein grünlich getönter Glaskubus. "Kubus Export" heißt die architektonische Installation, weil ihn die Medienkünstlerin Valie Export entworfen hat.

Kulturjournal 13.04.2010

Eine Zeitlang war der Würfel kaputt - jemand hatte eine der extra bruchfesten Scheiben eingeschlagen. Nach der Wiederherstellung hat Valie Export die Installation "temporär erweitert", wie es in der Presseaussendung heißt. Das heißt, sie hat an zwei Wänden je eine großformatige Fotoarbeit angebracht. Die Bilder stammen aus einem Zyklus von 2001.

Die in Linz aufgewachsene Valie Export war in den 1960er Jahren eine der wenigen Frauen in der österreichischen Aktions- und Medienkunst. Relativ spät ist sie in die oberste Liga des Weltkunstbetriebs aufgestiegen. Am 15. Mai 2010 wird Valie Export 70.

Körper-Objekt-Montagen

Unter dem Titel "Stadtbilder" hat Valie Export zwei Fotomontagen aus ihrem 2001 begonnenen Salzburger Zyklus für Wien aufbereitet. Die Künstlerin fotografierte zunächst Teile des Salzburger Allgemeinen Krankenhauses und dort arbeitende Krankenschwestern. Für die am Kubus angebrachte Folie wurden dann beide Elemente in der Tradition der dadaistischen Körper-Objekt-Montagen eines Man Ray miteinander kombiniert.

Zugleich setzt Export ihre seit Jahrzehnten andauernde, performative und filmische Beschäftigung mit dem weiblichen Körper im digitalen Medium fort. Zusätzlich sind auf den Schwarz-Weiß-Aufnahmen Texte von H.C. Artmann und Rosa Bock abgedruckt. "Es geht nicht alleine um eine feministische oder weibliche Darstellung", begründet Export die Auswahl der Autoren.

Noch kein fixes Konzept

Neben den beiden "Stadtbildern" sollen bis Juni noch ein Werkgespräch mit der Künstlerin, die Performance "Unternehmen Mutterschiff" von Vanja Fuchs und AIKO/Kazuko Kurosaki sowie eine Diskussion über Frauen in Politik und Kunst folgen. Auch danach solle der wertvolle Raum weiterhin bespielt werden, wobei das Konzept noch nicht feststünde, unterstrich Ricky Renier von Kunst im öffentlichen Raum (KÖR). Die Initiative zur Belebung ging vom KÖR und dem Projekt VIEW (Vision Entwicklung Westgürtel) aus.

Transparenz als Kontrast

Errichtet wurde "Kubus Export - Der Transparente Raum" unter dem Gürtelbogen 48 im Jahr 1999 auf Initiative der damaligen Frauenabteilung an der Schnittstelle zwischen innerem und äußeren Gürtel. Selbst die Verbindungselemente bestehen aus Glas, da der Kubus als transparenter Raum einen Kontrast zur Geschlossenheit gesellschaftlicher Systeme bilden sollte und dem Klischee der Ghettoexistenz feministischer Kunst entgegengesetzt konzipiert wurde.

Eigentlich sollte die Lichtschiene unterhalb des Baukörpers diesem in der Nacht einen schwebenden Eindruck verleihen "Es funktioniert etwas, aber nicht so hundertprozentig, wie ich mir als Künstlerin das vorstelle", bedauerte Valie Export. Auch sei das einst geplante Wasserbecken um den Kubus aufgrund notwendiger Genehmigungen nicht realisiert worden. Überhaupt sei es immer ein Problem gewesen, die Stadt dazu zu bewegen, Geld in die Bespielung zu investieren. "Das ist ganz träge und ganz schwierig", so Export. Umso mehr freue sie sich nun über die Wiederbelebung.

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