Ilisu-Projekt hat Österreich-Tangente

Das Ilisu-Staudamm-Projekt in der Türkei ist äußerst umstritten. Erst im Vorjahr hat sich die österreichische Kontrollbank aus der Finanzierung zurückgezogen. Jetzt wird bekannt, dass ein Geschäftspartner des österreichischen Stromkonzerns Verbund bei der Finanzierung des Staudamm-Projekts mitmacht.

Wasserkraftwerke als gutes Geschäft

Mit Wasserkraftwerken lässt sich in der Türkei derzeit viel Geld verdienen. Der Verbund ist dort gut im Geschäft, gemeinsam mit der mächtigen türkischen Sabanci-Familie ist man auf Expansionskurs. Fünf Wasserkraftwerke sind bereits errichtet, drei weitere sind im Bau. Bis zum Jahr 2015 will man 10 Prozent Marktanteil am türkischen Strommarkt.

Verbund-Partner am Ilisu-Projekt beteiligt

Am umstrittenen Ilisu-Projekt in Ostanatolien ist der Verbund selbst nicht beteiligt. Wohl aber sein Geschäftspartner, die türkische Sabanci-Familie. Die Sabanci-Tochter Akbank wird sich an der Finanzierung beteiligen, bestätigt bei einem Wien-Besuch der Chef der Sabanci-Holding, Ahmet Dördüncü. "It is true that we will eventually take part in the financing."

Wissenschafter protestieren

Und das, obwohl die Kritik an dem Staudammprojekt nicht verstummen will. Erst vor wenigen Tagen haben mehr als 100 türkische Wissenschafter gegen den Staudamm protestiert. In einem Brief haben sie die türkische Regierung aufgefordert, das Projekt zu stoppen. Die Natur im Tigris-Tal und historische Stätten von Weltrang dürften nicht überflutet werden. Der 300 Quadratkilometer große Stausee wird unter anderem die antike Stadtfestung Hasankeyf überschwemmen, zehntausende Menschen müssen umgesiedelt werden. Ein Umsiedlungsplan fehlt aber, sagen Umweltschützer.

"Projekt ist kontroversielles Thema"

Der Chef der Sabanci-Holding, Ahmet Dördüncü, spielt die Kritik herunter: "Es gibt sicher einhundert andere Wissenschafter, die genau das Gegenteil sagen, das ist einfach ein sehr kontroversielles Thema." Auch die Tatsache, dass sich Deutschland, Österreich und die Schweiz aus der Finanzierung zurückgezogen haben, ist für ihn kein ausreichendes Argument: "Nun, all diese Regierungen haben noch vor einem Jahr das Projekt unterstützt, dann plötzlich, ziehen sie die Unterstützung zurück. Aber ich kann das Staudammprojekt nicht wirklich beurteilen, ich kenne nicht alle Details."