Jugendliche driften nach rechts

Österreichs Jugend wählt zu einem hohen Prozentsatz rechts. Unter den Lehrlingen hat etwa die FPÖ bei der letzten Nationalratswahl laut einer Befragung über 50 Prozent erreicht. Aber auch rechtsextremes Gedankengut gilt als cool, sagt der Vorsitzende des Mauthausen-Komitees und Buchautor Willi Mernyi.

In seinem neu aufgelegten Buch über Rechtsextremismus entschlüsselt Mernyi die neuen, moderneren Codes, die Kleidung der Rechtsextremen und ihre Musik. Der neue Ratgeber soll Erwachsenen helfen, zu erkennen, wenn Jugendliche in die rechtsextreme Szene abgleiten und damit meist auch in die Kriminalität.

Morgenjournal, 21.4.2010

Rasches Handeln erforderlich

Wenn ein Jugendlicher in die rechtsextreme Szene abzugleiten droht, muss rasch gehandelt werden, sagt der Vorsitzende des Mauthausen-Komitees Willi Menryi. Denn Chancen, das noch zu verhindern, gebe es meist nur in einem Zeitfenster von vier bis fünf Wochen. Wenn das Zeitfenster nicht genutzt wird und der Jugendliche schon in der Szene ist, dann ist der Weg zur Kriminalität, Gerichten, Arbeitsplatzverlust nicht mehr weit.

Daher Mernyis Aufruf an Lehrerinnen, Ausbildner, Betriebsräte und Eltern, rechtzeitig aktiv zu werden. Wie Anzeichen erkannt werden können, darüber gibt die Neuauflage des Buches von Mernyi und Mitautorin Christa Bauer Auskunft. Der Titel: "Rechtsextrem - Symbole, Codes, Musik, Gesetze, Organisationen".

Musik als Einstiegsdroge

Ein großer Schwerpunkt ist rechtsradikaler Musik gewidmet, so Mernyi: „Das Rekrutieren der Szene funktioniert in über 80 Prozent ausschließlich über rechtsradikale Musik, die hier weitergegeben wird, über das Internet vertrieben wird. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass hier Broschüren weitergegeben werden oder Flugblätter. Auch der Verfassungsschutzbericht sagt, die Einstiegsdroge ist rechtsradikale Musik.“

Wobei der Verfassungsschutz in seinem letzten Bericht zwar schreibt, die rechtsextreme Szene habe keinen Entfaltungsspielraum mehr in Österreich. Aber auch, dass die Szene härter und aggressiver auftritt, sagt der Mauthausen-Komitee-Vorsitzende Mernyi. Es gelte leider als cool rechts oder extrem rechts zu sein.

Szene-Codes heute schwerer zu erkennen

Die politische Situation in Österreich wirke dem Rechtsextremismus keineswegs entgegen und Rechtsextreme seien immer schwerer zu erkennen, sagt Mernyi: „Früher war es sehr einfach: schwarze Springerstiefel, eine Glatze, Bomberjacke. Heute ist es viel differenzierter. Es gibt total modische Szeneware, die Rechtsextremisten tragen. Die haben
interne Szenecodes auf ihrer Kleidung, die nur in der Szene erkannt werden.“

Aus links wird rechts

Auch frühere Symbole der Linken würden heute von Rechtsextremen verwendet: Beispiel Palästinensertuch: „Die Idee der Rechtsradikalen, zu sagen: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Und darum wird beispielsweise das Palästinensertuch sehr oft verwendet, jetzt eben von Rechtsextremisten.“

Telefon-Hotlines für Betroffene

Neben dem neuen Buch über die Codes der Rechtsextremen bietet das Mauthausen-Komitee auch eine Telefon-Hotline zu Fragen des Rechtsextremismus.

Hotline für Fragen zu Rechtsextremismus 0810 / 500 199

Ein zweiter möglicher Ansprechpartner ist „Rat auf Draht“, die ORF-Telefonhilfe für Kinder und Jugendliche mit der Telefonnummer 147.

Rat auf Draht: Tel 147

Link

Das Buch über die Codes der Rechtsextremen ist im ÖGB-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich.

ÖGB-Verlag