Where were you on January 8th?

Die zum Teil blutig niedergeschlagenen Demonstrationen im Iran, die der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Ahmadinedschad folgten, hat der iranische Schriftsteller und Regisseur Amir Reza Koohestani zu einem Theaterstück verarbeitet.

"Where were you on January 8th?" lautet der Titel der Produktion, die erstmals beiden Wiener Festwochen gezeigt wurden. Gespielt wird in persischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Kultur Aktuell, 04.06.2010

Wer eine temporeiche, hochdramatische Aufarbeitung des Aufstandes der Opposition im Iran und dessen Repression erwartet hatte, der wird enttäuscht sein. Amir Reza Koohestani , der schon zum dritten Mal bei den Festwochen gastiert, war während der Demonstrationen in England und hat sich erst im Nachhinein, in zahlreichen Gesprächen über das Geschehen informiert. Herausgekommen ist ein sehr ruhiges Stück, wie immer bei Koohestani.

Indirekte Annäherung ans Thema

Die sechs Akteure, vier Frauen und zwei Männer der Mehr Theatre Group aus Schiraz bewegen sich auf einer Spielfläche zwischen zwei Zuschauerreihen, sie kommunizieren fast durchwegs über das Handy. Sie sprechen collagenhaft von unterschiedlichen Themen, und umkreisen gewissermaßen das, was man vielleicht aus den Nachrichten und Zeitungsberichten kennt, ohne es zu benennen.

Ausgangspunkt ist eine Nacht, in der eine Gruppe junger Leute wegen des starken Schneefalls in einem leerstehenden Haus nach einer Theaterprobe übernachten muss. Dabei wird einem der jungen Männer, der gerade seinen Militärdienst macht, im Schlaf die Pistole gestohlen.

Eigentümliche Poesie ohne konkrete Handlung

Die Gespräche kreisen um Themen wie Gerechtigkeit, Gewalt, versäumte Treffen und nicht eingehaltene Abmachungen, und immer wieder versucht der junge Mann herauszufinden, wo seine Waffe ist, und wie er sie wiederbekommen kann.

Dadurch entwickelt sich eine eigenartige Poesie, es gibt keine Handlung, auch wenn der Titel des Stückes wie die Frage aus einem Verhör klingt. Koohestani zeigt nur minimalistische Gesten, etwa wenn die eine Frau einen blutigen Verband am Arm abnimmt und auf den weiß gekachelten Boden legt, eine andere unbelichtete Filme und schließlich eine der Frauen erzählt, sie sei Malerin, und male mit ihrem eigenen Blut, wobei sie eine rote Flüssigkeit am Boden verschüttet.

Immer wieder werden auf den beiden, die Spielflächen begrenzenden Leinwänden, sehr gelungene Bilder gezeigt.

Insgesamt bleibt dem Publikum allerdings diese puzzlehafte Realität des heutigen Iran, die der Autor - laut Programmheft - zeigen wollte, doch verschlossen.

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Wiener Festwochen - Where were you on January 8th?