Österreichisches Modedesign und Modefotografie

for fashion&photography

Am Mittwoch hat das Festival for fashion&photography, das seit zehn Tagen die österreichische Modewelt in Atem hält, seinen Höhepunkt erreicht: im Wiener Semperdepot fanden die Preisverleihungen statt.

Kulturjournal, 17.06.2010

Die vielversprechendsten Jungdesinger nahmen die Modepreise des Bundeministeriums, der Stadt Wien, der Erste Bank oder der Wirtschaftskammer entgegen - sie bestehen vor allem in praktischer Unterstützung, wie in einem einjährigen Praktikumsaufenthalt bei einem internationalen Modedesigner, der Teilnahme an einer renommierten Modemesse oder in der Betreuung durch eine internationale Presseagentur.

In fünf Jahren hat sich das Festival als wichtigste Förder- und Präsentationsplattform für österreichisches Modedesign und Modefotografie etabliert. Außerdem bietet es mit über 30 Einzelveranstaltungen, wie Symposien, Touren durch Designer Shops, Ausstellungen und Performances an verschiedenen Orten in Wien ein breites Programmspektrum an.

In dem Halbrund der beeindruckenden Architektur des Semperdepots drängten sich gestern die schönen jungen Menschen der Fashionszene auf Stehplätzen bis in die Galerien hinauf. Die Preisverleihung gab sich ein bisschen das Flair einer Oscarverleihung. Top secret waren die Namen der Preisträger in Kuverts verschlossen, die von den Stiftern aufgerissen wurden, wie etwa von Bundesministerin Claudia Schmied

Durch das Festival for fashion&fotografy hat sich in Wien eine Plattform für die Szene etwickelt, was ein Statement des Gewinners des Photografiepreises, Clemens Horwath zeigte: "Die Message an alle Redakteure: ich bin zu haben."

Wendy&Jim

Dass diese Plattform funktioniert, zeigen österreichische Labels wie Wendy&Jim, die ihre neueste Kollektion im Anschluss an die Preisverleihung über den Laufsteg schickten. Zu sehen sind da etwa aufregende Outfits, die aus extrem breiten Gummibändern komponiert sind. Streng und sexy zugleich.

Als ehemalige Preisträger des Fashion Festivals wagen Wendy&Jim jetzt schon den Sprung von der Avantgarde zur Garde. Mit der Creation eines Parfums. Denn richtig verdienen könne man in der Mode nur mit den Acessoires, wie Hermann Frankhauser alias Jim erklärt: "Ein Parfüm soll etwas sein, was vielen Leuten paßt und nicht nur einem. Das gibt eben die Möglichkeit der größeren Streuung. Denn ein Parfüm ist etwas, dass man nicht anzieht, sondern man nascht da am Image des Label mit, ohne dass man sich gleich verkleidet fühlt."

Über den eigenen Erfolg überrascht

Das Duo steht kurz davor, sich mit einem Investor zusammenzutun um den Sprung ins große Geschäft zu wagen. Nach Helmut Lang waren Wendy&Jim die ersten Österreicher, die in der Pariser Modeszene auftraten. Das Geschäftliche hätte sie damals nicht die Bohne interessiert, sagt Helga Schania alias Wendy.

"Weil wir gewusst haben, als wir damals mit 20.000 Schilling begonnen haben, das unser einziges Potential sein kann nur über unsere Arbeit, über die wir kommunizieren, die muss so aufsehend erregend sein, dass bei der nächsten Show mehr Leute kommen. Die ersten Kollektionen haben wir selber genäht und sind da mit einer Naivität dran gegangen, die rückblickend unglaublich ist. Also keiner würde glauben, dass man so naiv eine Show in Paris aufstellt."

Heute erstaunt es sie selbst, wie sie in Paris mit einfachen Ideen für Aufsehen sorgen konnten. Weil man ihnen gesagt hatte, die Journalisten hätten keine Zeit, zu den Shows zu kommen, drehten sie den Spieß einfach um: die Models standen still und die Journalisten konnten sich dazwischen bewegen.

"Dann haben wir uns gedacht okay, dann geben wir ihnen genau so viel Zeit, wie sie selber haben möchten. Und haben die Modells platziert in einer Galerie, und haben uns gedacht, wenn sie nach zwei Minuten gehen und sie haben es gesehen, ist es okay. Sie haben es gesehen und sind viel länger geblieben. Wir haben es geplant für 20 Minuten und nach 40 Minuten sind schon die Modells umgefallen, weil wir nicht damit gerechnet haben, dass die Leute so lange bleiben."

Der Ruf von Wien als Modemetropole

Wendy&Jim sind vielleicht die renommiertesten aber nicht die einzigen österreichischen Jungdesigner, die den Ruf von Wien als Modemetropole in die Welt hinaustragen. Das Label Diptych etwa konnte bereits ein Jahr nach dem Bestehen bei einer Show in Japan punkten.

Es zeigte gestern eine sehr feminine, elegante Kollektion aus seidigen Stoffen. Skurriles Detail: der Blumenschmuck am Kopf und auf den flachen Schuhen, der der Trägerin eine Art Narrenfreiheit geben soll. Valerie Lange von Diptych erklärt.

Auch wenn Österreich viel Potential im Modenachwuchs hat - der Weg Wiens zur Modemetropole ist noch weit. Und vielleicht auch gar nicht notwendig, wie Helga Schania meint. Sie sieht Wien nicht in Konkurrenz mit traditionellen Modemetropolen wie Paris, London, Mailand oder Berlin. Stattdessen könnte Wien zum Geheimtipp werden - wie das Moedemkka Antwerpen.

"Dort hat sich seit Jahren eine Mode-Clique gebildet und es ist eine gute Ausbildungsstätte", sagt Schania.