Stöger für betriebliche Burn-out-Vorsorge

Krankenstände und Pensionierungen wegen psychischer Probleme steigen stark an. Die Politik scheint gefordert. Doch Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) versichert, dass bereits einiges geschehe. Und er sieht die Arbeitgeber am Zug: Sie müssten in den Betrieben entsprechende Vorsorge treffen, sagt Stöger im Ö1 Interview.

"Betriebe müssen vorsorgen"

Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ)im Mittagsjournal-Interview mit

Betriebliche Gesundheitsförderung

Man bemühe sich, betriebliche Gesundheitsvorsorge zu stärken, so Stöger. In den Betrieben müssten die Prozesse so gestaltet werden, dass Menschen nicht krank werden. Über den Fonds "Gesundes Österreich" werde betriebliche Gesundheitsförderung gestützt. Eine Notwendigkeit, bei der Finanzierung der psychologischen Behandlungskosten etwas zu ändern, sieht Stöger nicht. Psychologische Diagnostik werde von der Sozialversicherung bezahlt, ebenso Psychotherapie. Psychologische Behandlung setze in den Unternehmen an und finde auch im Krankenhaus statt, so Stöger.

Behandlung auf Krankenschein

Angesichts der starken Zunahme seelischer Krankheiten fordern Psychologen eine Behandlung auf Krankenschein. Das würde weit weniger kosten, als derzeit für Medikamente und Krankenstände ausgegeben werden muss, so das Argument. Grund zum Handeln, findet Ulla Konrad vom Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen.

Mittagsjournal, 20.07.2010

Ungleiche Kosten

16 bis 20 Millionen Euro würde es laut Schätzung des Berufsverbandes kosten, österreichweit seelische Erkrankungen wie Depressionen oder Burn-out hintanzuhalten, sagt Ulla Konrad. Dieses Geld müsste ihrer Meinung nach auch angesichts der leeren Kassen im Gesundheitswesen da sein. Denn im Vergleich zu Medikamentenkosten, die sich weit über 200 Millionen Euro bewegen, oder Arbeitsausfällen durch Krankenstand oder Frühpensionierungen sei das ein sehr geringer Beitrag.

Punktuelle Behandlungen

Konrad fordert daher, dass Betroffene eine psychologische Behandlung auf Krankenschein erhalten. Eine psychologische Behandlung ist nicht das selbe wie Psychotherapie. Diese Behandlung zielt ganz spezifisch auf das jeweilige Symptom ab, im Gegensatz zur Psychotherapie, bei der mitunter die ganze Lebensgeschichte aufgearbeitet wird. Psychotherapie sei aber nicht immer notwendig. Laut Ulla Konrad kostet eine Stunde psychologische Behandlung zwischen 65 und 120 Euro, eine Behandlung dauert bis zu 30 Stunden. Derzeit, sagt Konrad, gebe es dafür kein Geld von der Krankenkasse. Lediglich für Psychotherapie werde ein Zuschuss bezahlt, wobei der eher gering ausfällt, in Wien beispielsweise sind es um die 20 Euro.

Nicht im eigenen Interesse

Vorwürfe, wonach die Psychologen mit ihrer Forderung nach Behandlung auf Krankenschein auch ihr eigenes Geschäft ankurbeln wollen, weist Konrad zurück. Konrad verweist auf die Statistiken: Seelische Probleme sind mittlerweile bei Frauen die häufigste Ursache für eine Invaliditätspension, bei Männern die zweithäufigste.