Zuwanderer-Potenzial besser nutzen

Zur besseren Integration von Zuwanderern in Österreich fordern Experten mehr Initiativen bei Bildung und Beschäftigung. Das Potenzial der Zuwanderer müsse viel besser genutzt werden, heißt es beim Dialogforum der Donau-Universität Krems.

Integration verbessern

Wie kann Integration in Österreich besser gelingen, und nach welchen Regeln soll Zuwanderung künftig stattfinden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich derzeit das Dialogforum der Donau-Universität Krems, das diese Woche in Gmunden stattfindet. Zentrale Themen dabei sind der Arbeitsmarkt und Bildung sowie Weiterbildung. Und hier gibt es nach Ansicht der Expertinnen und Experten noch sehr viel zu tun.

Ausbildung wird nicht anerkannt

Nur wenige Länder nutzen das Potenzial ihrer Zuwanderer so schlecht wie Österreich – das ist die einhellige Expertenmeinung beim diesjährigen Dialogforum. Schon wenn sie ins Land kommen, werden viele benachteiligt, weil ihre Ausbildung nicht anerkannt wird. Und das nachzuholen ist schwierig und teuer, sagt Annette Sprung von der Universität Graz.

Keine sozialen Netzwerke

Dass Zuwanderer oft unter ihrer eigentlichen Qualifikation arbeiten, wird paradoxerweise manchmal sogar durch Weiterbildung verstärkt. Wenn etwa eine ausgebildete Ärztin eine Weiterbildung als Pflegehelferin absolviert und dadurch diskriminiert wird. Oder wenn ausgebildete Lehrerinnen zu Tagesmüttern werden. Generell haben es Zuwanderer schwerer, sich weiterzubilden, sagt Annette Sprung. Sie haben keine sozialen Netzwerke, um sich auszutauschen, und manche Weiterbildungseinrichtungen fürchten sogar einen Imageschaden, wenn sie offensiv um Migranten werben. Weiterbildung bleibt aber wichtig, ist sie überzeugt. Auch, wenn jetzt diskutiert wird, dass Österreich sich nur mehr um gut qualifizierte Zuwanderer bemühen soll.

Auch Studenten benachteiligt

Auch Studenten an den Universitäten sind aus Nicht-EU-Staaten benachteiligt. Jemand aus einem Drittstaat, der hier studieren will etwa muss nachweisen, dass er auch im Land seiner Staatsbürgerschaft einen Studienplatz gehabt hätte. Wenn Integration funktionieren soll, muss vor allem die Politik darüber nachdenken, wie sie Barrieren für jene Zuwanderer, die schon hier sind, beseitigen kann, so der Tenor.

Morgenjournal, 03.08.2010

Dialogforum Krems zum Thema Integration und Bildung für Migranten, Barbara Gansfuß

Biffl: Potentiale nicht genutzt

Es gebe kaum ein europäisches Land, das die Potentiale seiner Zuwanderer so wenig nutzt wie Österreich. Das sagt die Migrationsforscherin Gudrun Biffl. Sie appelliert an die Gewerkschaften, ihre Skepsis zur Öffnung des Arbeitsmarktes abzulegen - und Migration auf den Arbeitsmarkt auch als Chance zu sehen. Viele gut ausgebildete Migranten können in Österreich nicht in ihrer Branche arbeiten, weil ihre Ausbildung hier nicht anerkannt wird.

Morgenjournal, 03.08.2010

Interview Gudrun Biffl, Migrationsforscherin