KZ-Gedenkstätte Mauthausen: Neugestaltung

Im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen (OÖ)wird die Gedenkstätte neu gestaltet. Die bisherige Ausstellung gilt als nicht mehr zeitgemäß. Der Rundgang durch das Lager wird neu gestaltet, sensible Orte wie die Gaskammer werden für die Besucher nicht mehr zugänglich sein.

Morgenjournal, 07.08.2010

Von Forschung überholt

Im kommenden Herbst soll entschieden werden, wie die neue Ausstellung zur Gedenkstätte Mauthausen letztlich gestaltet wird. Denn es soll ein zentraler Ort sein, an dem die meist jugendlichen Besucher darüber aufgeklärt werden, was in der Zeit des Nationalsozialismus hier geschehen ist. Im Juli wurde die alte Ausstellung, die aus den 1960er-Jahren stammt, abgebaut, sagt Barbara Glück vom Innenministerium. In den vergangenen fünf Jahren habe es von Pädagogen und Wissenschaftlern Kritik gehagelt, dass die Ausstellung nicht mehr am Stand der Forschung sei.

Einblick ins System

Gerade in den 1980er-Jahren habe es zum Konzentrationslager Mauthausen sehr viele Forschungen gegeben, sagt Glück. So ist inzwischen wesentlich mehr über die Täter bekannt, die verantwortlich waren für den Tod von 100.000 Menschen in Mauthausen und seinen Außenlagern, etwa dem großen - aber jahrzehntelang fast vergessenen - Lager Gusen, mit zehntausenden Häftlingen und unterirdischen Rüstungsfabriken. Das alles - das gesamte System des "Häftlingsapparats", die Zwangsarbeit, die Bürokratie dahinter - soll den Besuchern künftig besser erklärt werden.

Kein Zutritt zur Gaskammer mehr

Der Großteil der Opfer in Mauthausen wurde erschlagen, erhängt oder erschossen, kranke Häftlinge ließ man erfrieren, verhungern oder tötete sie durch Herzinjektionen oder Giftgas. Mit den Orten des Todes wird künftig sensibler umgegangen, die Gaskammer können Besucher nicht mehr betreten, sagt Barbara Glück. Es soll keine "touristische Massenabfertigung" mehr geben.

Man werde ein "kognitives Scharnier" dazwischen schalten, kündigt die Expertin an. Es soll eine Ausstellung zum Thema Massentötungen im Konzentrationslager geben, "wo der Besucher konkret und gezielt auf das vorbereitet wird, was er nachher zu sehen bekommt."

Abschluss bis 2012

Der gesamte Bereich wurde auch bauhistorisch untersucht, um wissenschaftlich zu dokumentieren, welche Bauteile aus welcher Zeit stammen. Verändert wird hier allerdings nichts. Die anderen Arbeiten für die Neugestaltung der Gedenkstätte haben bereits im August begonnen und sollen bis 2012 abgeschlossen sein.