Andritz hält an Ilisu fest

Der steirische Anlagenbauer Andritz hat im ersten Halbjahr mit 67 Millionen Euro doppelt so viel verdient wie im selben Zeitraum des Vorjahres. Die Zahl der neuen Aufträge hat sich um rund ein Drittel erhöht. Ausgeführt wird auch der Auftrag für das umstrittene Staudamm-Projekt Ilisu in der Türkei.

Mittagsjournal, 09.08.2010

Umstrittenes Projekt

Andritz liefert für das riesige Wasserkraftwerksprojekt Ilisu im Südosten der Türkei Teile wie Turbinen. Umstritten ist der Bau des Staudamms, weil er nach Ansicht von Wissenschaftlern die Umwelt und historische Stätten gefährdet und die Umsiedlung hunderttausender Menschen erfordert. Die Österreichische Kontrollbank sowie die Finanzierungsbanken aus Deutschland und der Schweiz hatten daher rund 150 Begleitmaßnahmen zum Schutz gefordert. Ihrer Ansicht nach hat die Türkei nicht alle Auflagen erfüllt, deshalb sind sie endgültig aus dem Projekt ausgestiegen.

Manager erwartet keine Probleme

Anders sieht das der Vorstandsvorsitzende von Andritz, Wolfgang Leitner: "Die türkische Regierung hat uns zugesichert, dass die Begleitmaßnahmen, die ursprünglich geplant waren, unabhängig vom Ausstieg der Exportkreditversicherungen eingehalten werden. Das war eine der Voraussetzungen für uns, dort weiter teilzunehmen." Auch ohne österreichische Kontrollbank sei die Finanzierung gesichert und das Risiko nicht höher, meint Leitner. Er glaubt auch nicht, dass es zu Problemen auf Grund der anhaltenden Proteste von Umweltschutz- und Nichtregierungsorganisationen (NGOs), kommen wird. Mit einem Volumen von 350 Millionen Euro sei das Projekt ein wichtiger Großauftrag.

"Tal durchtaucht"

Insgesamt hat Andritz im ersten Halbjahr um mehr als ein Drittel mehr neue Aufträge bekommen als im selben Zeitraum des Vorjahres. Der Umsatz ist in etwa gleich geblieben. Nach dem Rückgang während der Finanz- und Wirtschaftskrise sei sie Stimmung jetzt entsprechend positiv, sagt Leitner. Andritz habe "das Tal auf einem sehr akzeptablen hohen Niveau durchtaucht". Das zeige sich auch am Aktienkurs, der heuer bereits wieder um 12 Prozent gestiegen sei. Besonders erfreulich entwickle sich der Bereich Wasserkraft. Für das Gesamtjahr erwartet Leitner einen annähernd gleichen Umsatz wie im Vorjahr, der Gewinn sollte leicht höher sein.

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