Giftschlamm: Dammbruch unausweichlich

Keine Entwarnung im Katastrophengebiet in Westungarn: Weiterhin droht eine zweite Giftschlammwelle aus den beschädigten Auffangbecken der Aluminiumfabrik. Nur vorübergehend entstünden keine neuen Risse in dem aufgeweichten Damm, heißt es nun. Außerdem droht nun ein weiterer Damm zu brechen.

Nachrichten, 10.10.2010

Risse wachsen weiter

Das ungarische Umweltministerium ist sich mittlerweile sicher, dass der Damm eines Abfallbeckens unausweichlich brechen und eine weitere giftige Schlammwelle den Ort Kolontar treffen wird. Umweltstaatssekretär Zoltan Illes sagte am Sonntag, kürzlich festgestellte Risse in der Nordwand des Reservoirs der Aluminiumfabrik hätten nur vorübergehend aufgehört, sich zu vergrößern. Dies sei bloß eine Folge von günstigen Wetterbedingungen. Die Risse würden sich aber unaufhaltsam erweitern, besonders nachts.

Weiterer Damm gefährdet

Illes sagte nun, dass die neuerliche Welle das Dorf Kolontar, rund einen Kilometer nördlich des Beckens, erneut überfluten werde. Die Schlammwelle solle dann aber kurz vor der nächsten Ortschaft haltmachen. Doch wie ein Sprecher von Greenpeace berichtete, droht nun auch der Damm eines weiteren Beckens zu brechen. Die Behörden hätten deswegen einen Teil des von der Umweltkatastrophe zerstörten Areals gesperrt.

Gefahr für Österreich?

Der Giftschlamm könnte in den nächsten Tagen auch Österreich bedrohen. Das zur Zeit sonnige Wetter lässt den Schlamm schnell trocknen, giftiger Staub ist die Folge, der bei entsprechender Wetterlage auch nach Österreich geblasen werden könnte.

Österreicher unter Experten

Die EU-Staaten schicken fünf Experten - darunter einen Österreicher - für die Bekämpfung der Giftschlamm-Katastrophe nach Ungarn. Nach Angaben der EU-Kommission vom Sonntag in Brüssel sollen sie von Montag an die ungarischen Stellen unterstützen. Die Experten kommen neben Österreich aus Belgien, Deutschland, Frankreich und Schweden. Die Fachleute waren von den ungarischen Behörden aus mehr als 40 Spezialisten ausgewählt worden, die von zehn EU-Staaten angeboten worden waren.

Größte Umweltkatastrophe Ungarns

Am Montag hatte eine Giftschlammlawine binnen einer Stunde drei Dörfer überschwemmt und mindestens sieben Menschen getötet. Der natronlaugenhaltige Rotschlamm ist ein Abfallprodukt bei der Gewinnung von Reinbauxit, aus dem wiederum Aluminium gewonnen wird. Das Unglück gilt als schlimmste Umweltkatastrophe in der Geschichte Ungarns.