Das Duo Station Rose

Station Rose, das sind Gary Danner und Elise Rose. Ihre künstlerischen Projekte gelten international als Pionierleistungen der Medienkunst: Mit ihren audiovisuellen Performances etwa definierten sie die frühe Techno-Szene mit, und ihre Webcasts nahmen aktuelle Tendenzen des Web 2.0 vorweg.

Kulturjournal, 13.10.2010

Station im Freihausviertel

Alles begann Ende der 1980er in einem Gassenlokal in Wien-Wieden: Dort richteten Gary Danner und Elisa Rose ihren "Station" genannten Projektraum ein. Danner hatte seine Karriere als Punkmusiker beendet, und beide hatten ihre Studien an der Angewandten abgeschlossen. Dort wurde ein offener, medienübergreifender Kunstbegriff vermittelt, den Danner und Rose mit Begeisterung weiterdenken wollten - im professionellen Kunstbetrieb, bei Galeristen und Kuratoren, stieß er jedoch auf wenig Interesse.

Online seit 1988

Die multimediale Kunststation im damals noch kunstfreien Freihausviertel um die Schleifmühlgasse war nur kurz offen, hatte aber sowohl auf die Wiener Kunstszene, als auch auf die persönliche Entwicklung des Station-Rose-Paares eine einschlagende Wirkung.

Mit einem Amiga-Computer ausgerüstet, gingen Station Rose erstmals im November 1988 online. "Wir haben über Studenten der Technischen Universität, die ja nicht weit weg war, einen Internet-Zugang gelegt und erste Tests gemacht. Über die Telekom hatten wir BTX, eine Frühform von E-Mails. Als wir die ersten Nachrichten gesendet und erhalten haben, wussten wir schon: In diese Richtung wird es sich entwickeln", berichtet Elisa Rose.

Digitale Bohème

1991 zogen Station Rose nach Frankfurt am Main, wo sie regelmäßig in Techno-Clubs auftraten und audiovisuelle Performances unter Einbeziehung von Internet machten. Mitte der 1990er Jahre beendeten Station Rose das Techno-Tourleben, und zogen sich ins Studio zurück, um audiovisuelle Kunst zu produzieren, und um den Cyberspace urbar zu machen. "Digital Bohemian Lifestyle" nannten sie das.

Station Rose (Gary Danner und Elisa Rose) über das Leben in der Finanzmetropole Frankfurt heute.

Von daheim verbreiteten sie ihre Arbeiten, Videokunst, Performances und Musik über das Internet, ohne jedoch die Präsenz in Kunstinstitutionen, also Ausstellungsorte ebenso wie Hochschulen, aufzugeben. Auf der Website stationrose.com sendeten Gary Danner und Elisa Rose Streams und Webcasts, in den letzten Jahren auch über myspace, youtube und diverse andere Web-2.0-Plattformen.

New media arte povera

Dass das künstlerische Arbeiten im virtuellen Raum nicht mit materieller Entsagung einhergehen kann, haben Station Rose in den letzten 20 digitalen Jahren gelernt, erzählen Gary Danner und Elisa Rose: "Am Anfang gab es ein fundamentales Missverständnis: Nur weil wir im Netz sind, wollen wir nichts mit Besitz zu tun haben – von uns ging das nie aus, diese Haltung! Jetzt wird es uns viel bewusster, was man mit Material machen kann."

Anschaulich wurde das letztes Jahr: Auf dem Betonplateau hinter dem Museum für Angewandte Kunst wurde die "Login Cabin" installiert, eine begehbare Medienskulptur in Form eines Holzhauses.

"New media arte povera" ist ein Slogan, den Station Rose zuletzt erfunden haben. Und den Spruch "Cyberspace is our land" haben sie erweitert: "Cyberspace and real life" ist nun ihr Land, ein Ort irgendwo zwischen den Weiten des virtuellen Raumes und den Konventionen des realen Lebens.

Service

Publikation Station Rose, "20 digital years plus", Verlag für Moderne Kunst Nürnberg

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