Kräutler: Armut ist kein Schicksal

Kein überragend gutes Zeugnis stellt der aus Österreich stammende Bischof Erwin Kräutler in der Ö1 Reihe "Im Journal zu Gast" dem scheidenden brasilianischen Präsidenten Lula da Silva aus. Kräutler lebt seit 1965 in Brasilien und setzt sich dort für die Rechte der Indigenen Bevölkerung ein - wofür er heuer mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wird.

Mittagsjournal, 30.10.2010

Bischof Kräutler im Ö1 Mittagsjournal zu Gast bei Johannes Kaup

Lula hat Hunger nicht besiegt

Die Anstrengungen von Präsident Lula da Silva erkennt Bischof Erwin Kräutler nur zum Teil an. Die Strategie Lebensmittel an die armen Menschen in Brasilien zu verteilen, sei falsch gelaufen. Viel notwendiger wäre es gewesen, Arbeitsplätze zu schaffen und die Agrarreform durchzuführen.

Armut ist kein Schicksal, Armut ist gemacht. Es gebe immer jemanden, der Verantwortung dafür trage. Die indigene Bevölkerung in Brasilien sei von Grund und Boden vertrieben worden. Gegen diese Strukturen trete er an, so Kräutler

Geehrt mit Alternativem Nobelpreis

Erwin Kräutler hat in den Jahren seines Wirkens zahlreiche humanitäre Projekte initiiert: Dazu zählen der Hausbau für Arme Landarbeiterfamilien, die Gründung zahlreicher Schulen, ein Mutter-Kind-Haus für Schwangere und Alleinerziehende Mütter, Krankenstationen für Menschen ohne Sozialversicherung, sowie Rechtshilfe für Campesinos beim Streit um Landrechte.

In den letzten Jahren ist Bischof Erwin Kräutler als Gegner des größten Südamerikanischen Staudamm-Projekts, des Belo-Monte-Damms, aufgetreten. Das Projekt am Xingu-Fluss bedroht den Lebensraum von 30.000 Indigenen, die umgesiedelt werden müssten. Anfang Oktober wurde bekannt gegeben, dass Bischof Erwin Kräutler der Alternative Nobelpreis am 6.Dezember 2010 in schwedischen Reichstag verliehen werden soll.