Harry Potter und die Heiligtümer des Todes

Nach fast zehn Jahren Leinwandzauberei läuft nun die Verfilmung des letzten Bands von J. K. Rowlings epochaler Harry-Potter-Saga in den österreichischen Kinos an. So wirklich Schluss ist damit allerdings noch nicht: die Produzenten haben sich gemeinsam mit der Autorin dazu entschlossen, "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" in zwei Teilen zu verfilmen.

Von offizieller Seite wird der schiere Umfang der Roman-Vorlage als Hauptgrund dafür genannt, aber natürlich stecken auch ökonomische Beweggründe dahinter. Mit insgesamt über fünf Milliarden US-Dollar an Einnahmen sind die ersten sechs Potter-Adaptionen die erfolgreichste Filmreihe überhaupt.

Mittagsjournal, 13.11.2010

Es geht um die Zukunft der gesamten Zauberwelt. Nachdem Lord Voldemort und seine Jünger den Hogwarts-Direktor Albus Dumbledore ermordet haben, installieren sie sich selbst im Zentrum der Macht und errichten eine Gewaltherrschaft. Systemgegner werden gnadenlos eliminiert, Andersdenkende gejagt und vor Gericht gestellt. Alle Hoffnung liegt jetzt auf Harry Potter, der sich allerdings mit einer unlösbar scheinenden Aufgabe konfrontiert sieht. Die einzige Möglichkeit, Lord Voldemort zu stürzen, besteht im Auffinden der sieben Horkruxe. Dabei handelt es sich um Objekte, fallweise sogar um Lebewesen, in denen der dunkle Magier Teilstücke seiner zerrissenen Seele eingeschlossen hat.

Die Atmosphäre wird düsterer

"Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1" ist ein Road-Movie. Potter und seine besten Freunde Ron und Hermine ziehen durch die Landschaften, immer auf der Hut vor Voldemorts Schergen, vollkommen entwurzelt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich auch die Zauberschule Hogwarts, von jeher ein Hort der Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit, mittlerweile unter der Kontrolle des dunklen Lords befindet. Regisseur David Yates ist sich bewusst, dass sich im siebten Film der Tonfall radikal verändert.

Im Jahr 2001, als mit "Harry Potter und der Stein der Weisen" die erste Rowling-Adaption die Kinocharts stürmte, konnte noch niemand wissen, in welche Richtung sich die Buchreihe entwickeln wird, aber die Autorin selbst sowie die Produzenten und Regisseure der Verfilmungen haben sich entschlossen, mit dem Publikum zu altern. Buch um Buch und Film um Film werden die Motive düsterer, werden die Geschichten angsteinflößender, wird die Atmosphäre hoffnungsloser. "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1" ist kein Kinderabenteuer mehr, sondern eine Horrorfantasie, angefüllt mit beunruhigenden Bildern, angeleitet von den existenziellen Konflikten der Protagonisten.

Potter-Themenpark in Florida

Im Jahr 2010 ist "Harry Potter" nicht mehr nur die erfolgreichste Buch-Reihe aller Zeiten, die Film-Adaptionen erfreuen sich anhaltender Popularität und sind längst zur eigenen Marke geworden. Findige Lizenznehmer überschwemmen den Spielwaren- und Videospielmarkt mit Potter-Produkten, im vergangenen Sommer hat das produzierende Warner-Studio sogar einen eigenen Themenpark in Florida eröffnet. In "The Wizarding World of Harry Potter" können Besucher durch die Zauberschule Hogwarts spazieren, bei Ollivander einen Zauberstaub kaufen oder in Hogsmeade das berühmte Butterbier verkosten.

Die Magie wird Wirklichkeit, wie die Werbung für den Themenpark verkündet. Harry Potter, das ist auch eine perfekt geölte Sehnsuchtsmaschinerie. Die auch dann noch weiter laufen wird, wenn im Sommer 2011 der achte und letzte Film in die Kinos kommt.