Immer Drama um Tamara

Unter dem Titel "Tamara Drewe" erschienen von 2005 bis 2007 in der britischen Tageszeigung "The Guardian" insgesamt 110 Folgen eines Comic-Strips, in dem die titelgebende Frauenfigur allerlei Verwirrung in der Männerwelt stiftet. Nun hat der britische Regisseur Stephen Frears mit dem Film "Immer Drama um Tamara" die Comic-Vorlage für das Kino adaptiert.

Kultur aktuell, 28.12.2010

Illustres Ensemble

Ein bekannter Krimiautor auf dem Lande und bekannt notorischer Casanova, seine Frau die genau das argwöhnisch beobachtet, ein amerikanischer Schriftsteller mit akademischem Anspruch und Dauerschreibhemmung, zwei gelangweilte Dorfmädchen mit überbordenden Pubertätsfantasien, vor allem wenn es um ihre Groupie-Träume geht, ein Rockstar, der auch erst erwachsen werden muss, ein Gärtner mit Modelfigur und die titelgebende Tamara Drewe, die einst aus dem kleinen Dorf auszog um in der großen Stadt Karriere zu machen und nun zurückkehrt - es ist ein illustres Ensemble, das Stephen Frears in seiner neuen Komödie "Immer Drama um Tamara" zusammenführt und freilich bringt Tamara Schwung ins beschauliche Landleben und in den Hormonhaushalt der Männer.

Verlogenheiten der Literaturszene

Regisseur Frears entwirft dabei ein Biotop nur allzu menschlicher Verhaltensauffälligkeiten und findet auch zahlreiche äußere Entsprechungen für das Spiel zwischen Schein und Sein, verbirgt sich hinter der malerischen Gegend der südenglischen Grafschaft Dorset jede Menge Boshaftigkeit. Auch Markenwahnsinn, Celebritiy-Kultur und öffentliche Gerüchteküchen machen vor der Idylle nicht halt und besonders erheitert hat Frears wohl der die Schrulligkeiten und Verlogenheiten der Literaturszene, etwa im bissigen Konkurrenzkampf unter Schriftstellern.

Schwarzer Humor

Freilich hat das lustvolle Stöbern in den recht simplen Begehrensmustern von Männern im so genannten besten Alter etwas Komisches aber auch Tragisches, für Stephen Frears ohnehin "die Grundstimmung dieses Stoffs". Schwarzer Humor, jede Menge Indiskretion und kunstvoll aufgeblätterte Eitelkeiten: Stephen Frears zieht seinen vorzugsweise männlichen Helden mit Sarkasmus die Hosen aus, aber derart elegant, dass sie es überhaupt nicht merken.