Studie: Cybermobbing nimmt zu

Jeder vierte Jugendliche in Österreich wird gemobbt, jeder zehnte im auch Internet. Das ist das Ergebnis einer Studie, für die in 25 europäischen Ländern Jugendliche zwischen neun und 16 Jahren befragt worden sind. Österreich liegt dabei über dem gesamteuropäischen Durchschnitt. Beunruhigend für Experten ist, dass Täter und Opfer immer jünger werden.

Morgenjournal, 24.01.2011

Unwiderruflich gespeichert

In Internetforen werden Lügen verbreitet oder peinliche Fotos der Klassenkameraden ins Netz gestellt - immer mehr Jugendliche und Kinder tragen ihre persönlichen Diskrepanzen im Internet aus, sagt die Schulpsychologin Mathilde Zeman vom Wiener Stadtschulrat. In Internetforen oder über soziale Netzwerke wie Facebook Beleidigungen und Drohungen auszusprechen, ist aber langfristig gefährlicher, als viele Jugendliche glauben. Denn im Internet verbreiten sie sich rasch an ein unüberschaubares Publikum und bleiben meist unwiderruflich im Netz gespeichert.

Der Feind ist immer dabei

Die Wirkungen sind viel weitreichender, sagt die Social-Web-Expertin Margarita Köhl. Das sei nämlich das Tragische am Cybermobbing: "Man kann sich nirgends verstecken. Und durch das Handy, das ja immer dabei ist, ist sozusagen der Gewalttäter potenziell immer da."

Folgen fürs echte Leben

Den Eltern sind die Probleme ihrer Kinder in vielen Fällen nicht bewusst. Denn die soziale Kommunikation über das Internet ist längst nicht mehr eine nebensächliche Freizeitbeschäftigung, sondern für die meisten Kinder und Jugendlichen ein wichtiger Teil ihrer sozialen Realität, so Köhl. "Social Networks wie Facebook sind Reputationssysteme, wo ich mir meinen Ruf und meine virtuelle Identität aufbaue, die sich sehr stark auf meine reale Identität auswirkt."

Ungeahnte Konsequenzen

Den wenigsten Jugendlichen, die andere im Netz mobben, ist bewusst, dass ihr Verhalten Konsequenzen für sie haben kann, sagt die Schulpsychologin Mathilde Zeman - von der Vorladung der Eltern über eine Ermahnung bis hin zum Ausschluss von der Schule. Aber auch strafrechtliche Konsequenzen seien möglich. Denn juristisch gesehen kann man auch im Alter von 14 Jahren zur Verantwortung gezogen werden. Experten raten nun, dass Schüler, Eltern und Lehrer in Zukunft verstärkt für dieses Thema sensibilisiert werden sollten.