Dokus dominieren Diagonale

Die Diagonale, das Festival des österreichischen Films, findet von 22. bis 27. März in Graz statt. Das Programm umfasst 183 Filme, darunter 19 österreichische Erstaufführungen. Details zum Programm hat Diagonale-Intendantin Barbara Pichler am Freitag, 11. März 2011 bekannt gegeben.

Mittagsjournal, 11.03.2011

Ein Roma-Viertel in Istanbul, das zum Zielobjekt von Spekulanten wird, Eindrücke aus Grönland während einer wochenlangen Dunkelheit, oder die weltweite Suche nach Mikronationen und Do-it-yourself-Staaten, die sich zu Lande oder zu Wasser ihre eigenen kleinen Welten bauen: Dass österreichische Filmemacher über die Grenzen des Landes hinausblicken, dieser Trend der letzten Jahre setzt sich auch bei der Diagonale 2011 fort.

"Es gibt natürlich im Programm sehr viele Filme, die in die Welt hinausschauen, in die Welt hinausgehen", so Intendantin Barbara Pichler. "Allerdings sind das auch sehr viele Filme, die in diesen Themen Universelleres suchen."

Dokumentarische Arbeiten

Vor allem das Dokumentarfilmschaffen zeigt sich heuer wieder stark, stehen doch sechs Spielfilmen im Hauptprogramm der neuen Produktionen mehr als doppelt so viele dokumentarische Arbeiten gegenüber. Woran liegt das?

"Üblicherweise lässt sich ein Dokumentarfilm, zumindest wenn man bereit ist, bestimmte Produktionsbedingungen zu akzeptieren, natürlich deutlich billiger machen als ein Spielfilm. Gleichzeitig ist aber insgesamt das Interesse an der dokumentarischen Form in den letzten Jahren größer geworden", erläutert Pichler.

Eröffnungsfilm von Nikolaus Geyerhalter

Zur Eröffnung zeigt der Film "Abendland" von Nikolaus Geyerhalter Ausschnitte aus dem Leben Europas, von Produktionsprozessen in Fabriken über politische Demonstrationen bis zum geselligen Treiben auf dem Münchner Oktoberfest, ein Film, der vor allem Assoziationen beim Zuseher in Gang setzen soll.

"Es gibt einerseits die Schau auf Europa: Wie leben wir, wie ist der Standard unseres Lebens, was ist der Inhalt unseres Lebens", so Geyerhalter. Diese quasi überlegene Kulturform wollten wir uns einmal anschauen. Und wenn wir wissen, wie unser Leben ausschaut, was tun wir dann, um es zu beschützen? Warum glauben wir, niemanden daran teilhaben zu lassen?"

Lainz-Film von Peter Kern

"Die Mörderschwestern", unter diesem Titel geht Regisseur Peter Kern zurück in ein dunkles Kapitel der 1980er Jahre, als im Wiener Krankenhaus Lainz von Krankenschwestern systematisch Patienten getötet wurden. Kern lässt einen damaligen Todesengel Jahre nach der Haftentlassung Rache nehmen.

Weiters sind neue Spielfilme von Ludwig Wuest und Johannes Hammel zu sehen.

Arrivierte Regisseure pokern hoch

Ein Problem ist, dass arrivierte österreichische Regisseure mit ihren neuen Filmen längst auf Wettbewerbseinsätze in Berlin, Cannes oder Venedig hoffen, durch die Regularien dieser Festivals wird eine Uraufführung auf der Diagonale quasi unmöglich.

"Ich finde es oft sehr hinderlich für die Filme, weil Festivals dadurch versäumt werden, auf denen ein Publikum gut erreicht werden könnte. Natürlich ist es immer ein Risiko, man kann auf ein Festival hoffen und dann wird man nicht ausgewählt und dann hat man fünf andere, die eine gute Möglichkeit gewesen wären, auch schon versäumt. Das ist eine Dynamik, mit der man vor allem als kleine Festival auch zu kämpfen hat", so Pichler.

Zudem ist in Kooperation mit Ö1 dem Avantgarde-Filmer Peter Tscherkassky eine eigene Filmreihe gewidmet.

Textfassung: Rainer Elstner

Service

Diagonale - Festival des österreichischen Films, 22.-27. März 2011, Graz,
Ö1 Club-Mitglieder bekommen ermäßigten Eintritt (20 Prozent).

Diagonale