Krisenmanagement bleibt chaotisch

Ratlosigkeit und Überforderung kennzeichnen weiter die Lage in Fukushima. Nun wird ernsthaft erwogen, die AKW-Ruinen mit Planen abzudecken, um die Strahlung einzudämmen. Und der Betreiber des havarierten AKW hat offenbar noch immer nicht die Hoffnung aufgegeben, dass einige seiner Reaktoren zu retten sind.

Martin Fritz aus Tokio

Mittagsjournal-Gespräch am 30.03.2011 mit Helene Seelmann

Regierung stoppt Tepco

Tepco hat in einer Pressekonferenz allen Ernstes erklärt, es wolle nur die Reaktoren 1 bis 4 dauerhaft stilllegen. Die zwei anderen Reaktoren seien noch operationsfähig. Der Plan wird aber von staatlicher Seite zurückgewiesen wird . Keiner der sechs Reaktoren werde jemals wieder ans Netz gehen, betont die Regierung in Tokio.

Bock als Gärtner?

Die Ankündigung kam vom Verwaltungsrats-Vorsitzenden der Firma, der die Vertretung des erkrankten Vorstandschefs übernommen hat. Der ist seit 13 März nicht aufgetaucht und nun mit Bluthochdruck und Schwindelgefühl ins Krankenhaus eingeliefert worden. Vom neuen Chef ist aber auch kein neuer Kurs und kein besseres Krisenmanagement zu erwarten: Der war 2008 vom Vorstands- zum Aufsichtschef "befördert" worden, nachdem das größte AKW von Tepco mit zehn Reaktoren auf der anderen Seite von Japan bei einem Erdbeben beschädigt worden war. Auch damals wurde aufgedeckt, dass Tepco wissentlich ignoriert hat, dass unter dem Standort eine Erdbebenlinie verläuft und die Kraftwerke nicht dafür ausgelegt hat.

Hilft das Ausland?

Eine Hoffnung liegt nun auf dem Ausland: Unter anderem werden französische Spezialisten eingeschaltet, unter ihnen Experten für die Beseitigung von radioaktivem Wasser. Mit involviert sind rund 200 Ingenieure der Herstellerfirmen Hitachi und Toshiba, was aber im Hintergrund bleibt, weil diese Firmen kein Interesse haben, im Zusammenhang mit der Katastrophe genannt zu werden.

Wind dreht

Kopfzerbrechen bereitet den japanischen Behörden derzeit auch das Wetter: Der Wind dreht sich. Radioaktive Wolken könnten jetzt auch in größerem Ausmaß nach Tokio kommen.

Sperrzone soll ausgeweitet werden

In Japan gibt es kaum noch Hoffnung auf ein baldiges Ende der Atomkatastrophe. Offiziell ist jetzt die Situation in den Unglücksreaktoren von Fukushima außer Kontrolle. Auch im Meerwasser hat die radioaktive Belastung noch einmal zugenommen. Die Regierung schließt die Ausweitung der Sperrzone um Fukushima nicht mehr aus. Ab Donnerstag soll Kunstharz auf die Reaktoren gesprüht werden um die Radioaktivität einzudämmen.

Abendjournal, 30.03.2011