Das Vinyl-Revival

Vinyl erlebt ein kleines Revival. Das Schwarze Gold boomt, nicht nur bei älteren Musikliebhabern und Sammlern. Auch junge Käuferschichten begeistern sich für die Schallplatte - sie taucht wieder in großen Elektrofachmärkten auf und verzeichnet steigende Verkaufszahlen.

MP3 und YouTube lassen die CD-Verkäufe in den Keller rasseln. Bei Vinyl ist das Gegenteil der Fall. Einige Musikmagazine legen ihren Heften bereits keine CD-Sampler mehr bei, sondern Vinyl-Singles.

20 Prozent mehr Vinyl verkauft

Franz Medwenitsch, Geschäftsführer des Verbandes der Österreichischen Musikwirtschaft, hat die Zahlen: "Das ist ein kleiner, aber interessanter Nischenmarkt. Wir haben im Jahr 2010 eine Million Euro mit Vinyl umgesetzt. Das sind rund 60.000 Stück." Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das ein Plus von 20 Prozent.

Endlich ein Trend, der der Plattenindustrie nicht weh tut. Schließlich kann man Vinyl nicht illegal aus dem Netz herunterladen.

Backkatalog und Neuveröffentlichungen auf Vinyl

Die großen Plattenfirmen setzen Vinyl-Schwerpunkte. "Einerseits wird der Backkatalog auf Vinyl wiederveröffentlicht", erläutert Hannes Eder, Chef von Universal Music Austria. "Und in diese Vinyl-Alben bekommt man gratis einen Download-Voucher dazu." Zudem würden alle qualitätsvollen Neuerscheinungen auch auf Vinyl gepresst, so Eder.

Einige kleinere Labels beschränken sich komplett auf Vinyl-Veröffentlichungen. Dazu gehört auch Fettkakao von Andreas Dvorak: "Es wird von vielen Vertrieben und Mailorder-Firmen lieber gesehen, wenn man auf Vinyl veröffentlicht. Gerade die Klientel in der Indie-Szene ist sehr neugierig auf Vinyl. Mit CDs hab ich da keine Chance."

Sexy Schallplatte

Auch Christina Nemec veröffentlicht mit ihrem Label comfortzone fast ausschließlich Vinyl-Platten - in kleinen Auflagen, hochqualitativ, künstlerisch: "Ich finde Schallplatten einfach viel sexyer als CDs." Seit dem Siegeszug der digitalen Formate sind viele Plattenpresswerke geschlossen worden. Das scheint sich jetzt umzukehren. "Es gibt wieder mehr Presswerke als vor einigen Jahren", so Nemec.

Vinyl-Installation in Krems

Das Donaufestival Krems setzt sich mit dem Thema künstlerisch auseinander: Lucas Abela wird Ende April eine gigantische Autorennbahn aus tausenden Vinyl-Scheiben bauen. Das Donaufestival sammelt dafür Vinyl und bittet um Sachspenden. In Wien sind bereits mehr als tausend Platten abgegeben worden.

Bei manchen Vinyl-Freunden sorgt das für Kopfschütteln. Rudolf Hopfner von der Sammlung alter Musikinstrumente, selbst ein passionierter Vinyl-Sammler, ist entsetzt: "Ich finde diese Aktion sehr bedenklich, weil man davon ausgehen muss, dass historische Datenträger technisches Kulturgut sind. Und Kulturgut soll nicht leichtfertig zerstört werden."

Die Installation "The Vinyl Arcade" wird auf jeden Fall Spaß machen: Ein ferngesteuertes Auto flitzt über eine Rennbahn aus Vinylscheiben, Tonabnehmer übertragen die schnelle Fahrt in eine krachende Geräuschkulisse.

Siegeszug digitaler Formate

Vinyl bleibt vital, das scheint sicher. Sicher ist jedoch auch der Siegeszug digitaler Formate ohne physische Tonträger. Das betont Martin Pieper, FM4-Wortchef. Als Musiker veröffentlicht er auf Vinyl, als DJ legt er selbst am liebsten Platten auf - trotzdem: "Man muss schon sagen, dass durch die Digitalisierung von Musik die Richtung ganz eindeutig und unumkehrbar in Richtung Musik als File geht. Musik auf einem haptischen Medienträger hat eigentlich gar keine Zukunft, weil - wozu?"

Wer schon jemals seine LP-Sammlung übersiedelt habe, wisse Musik auf einer Festplatte zu schätzen.

Digitale Files manipulieren via Vinyl

Die Verbindung der beiden Welten Vinyl und Digital ist durch das System Serato möglich. Auf dem Plattenteller liegt zwar Vinyl, aus dem Lautsprecher dringt jedoch ein digitales File. Wie das funktioniert, erklärt Manfred Schnürer aka DJ Crum in unserem Audio.

DJ Crum erklärt das Scratchen

Virtuose Hip-Hop-DJs zu bestaunen gibt es demnächst in der Nähe von Wien. Beim Festival Am Strom in Greifenstein trifft sich am 27. und 28. Mai 2011 die heimische Hip-Hop-Elite.

Technics 1210 wird nicht mehr gebaut

Standard für alle DJs seit Jahrzehnten ist der sogenannte "Zwölfzehner" von Technics. Seine robuste Bauweise hat es erst ermöglicht, Platten direkt am Plattenteller zu manipulieren, zu scratchen, in variabler Geschwindigkeit abzumischen. Für den Technics SL-1200 MK2 kommt das Vinyl-Revival zu spät. Die Firma Panasonic hat sich entschlossen, die Produktion des Plattenspielers einzustellen.

"Bezug nehmend auf Ihre Anfrage teilen wir Ihnen mit, dass letzte Importe und Auslieferungen von den Technics Plattenspielern erfolgt sind. Aktuell werden diese Geräte von Panasonic nicht mehr angeboten", ließ uns Panasonic Deutschland wissen. Zumindest diese Ära geht also zu Ende.

Service

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Donaufestival - Donaufestival sucht Vinyl
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