Zweite Gruft wird Dauereinrichtung

Kirchliche Hilfsorganisationen in Wien verstärken ihre Bemühungen um hunderte Obdachlose aus den neuen EU-Ländern. Diese haben in den staatlichen Einrichtungen keinen Anspruch auf einen Schlafplatz. Diese Woche hat die Vinzenzgemeinschaft eine neue Einrichtung für EU-BürgerInnen vorgestellt. Auch die Caritas bietet jetz ganzjährig Schlafplätze für obdachlose EU-Bürger an.

Mittagsjournal, 30.04.2011

50 Schlafplätze für Männer, 12 für Frauen

50 Schlafplätze für Männer bietet die "neue", zweite Gruft und in Kürze sollen auch 12 Plätze für Frauen dazukommen. Die meisten die hier einen Schlafplatz finden, stammen aus Rumänien, der Slowakei und aus Polen. Caritas-Bereichsleiter Michael Zikeli führt durchs neue Haus im siebenten Bezirk.

Abendessen und Frühstück

Die Menschen hier schlafen zu zehnt in einem Raum auf einer Isomatte. Sie bekommen ein bescheidenes Abendessen und ein kaltes Frühstück. Jeden Abend bis spätestens 23 Uhr muss man sich wieder für einen Schlafplatz anmelden. Weggeschickt wird hier niemand, solange es Platz gibt. Einzige Bedingung: das Beratungsangebot in Anspruch zu nehmen. Keine Waffen, keine Gewalt, kein Alkohol.

Beratung für Obdachlose

Caritas-Sprecher Klaus Schwertner: "Zum Teil haben die Menschen hier legal gearbeitet und haben Ansprüche, wissen aber nichts davon. Auf der anderen Seite müssen wir auch Hoffnungen enttäuschen und manchen klarmachen, dass es keine Perspektive hier in Österreich gibt."

"Es gibt Menschen, die seit 10, 15 Jahren hier in Wien sind und jahrelang am Praterstern in der Unterführung geschlafen haben. Einige sind sehr abgebaut.", sagt Michael Zikeli.

Staatlich finanzierte Obdachlosenunterkünfte sind für Menschen vorgesehen, die einen Rechtsanspruch auf die Mindestsicherung haben - also im Prinzip die österreichische Staatsbürgerschaft oder Gleichgestellte.

Kein Anspruch auf Hilfe durch Stadt Wien

Menschen aus den neuen EU-Ländern ohne freien Zugang zum Arbeitsmarkt, fallen oft aus allen sozialen Netzen und haben auch keinen Anspruch auf einen von der Stadt Wien geförderten Schlafplatz.

Vinzi Rast: Keine Förderung, um alle aufnehmen zu können

Eine andere Einrichtung, die diesen Menschen immer schon einen Schlafplatz zur Verfügung gestellt hat, ist die Notsschlafstelle Vinzi Rast im 12. Bezirk in Wien.

Die Freiheit jeden aufnehmen zu können, war Cecily Corti, der Obfrau der Vinzi Rast im 12. Bezirk, ein großes Anliegen. Sie hat deshalb eine Finanzierung vom Fonds Soziales Wien abgelehnt und finanziert sich weiterhin ausschließlich aus Spendengeldern. "Wir nehmen jeden auf. Das ist unsere Freiheit."

Jeder Mensch hätte einen Schlafplatz verdient und ein Recht darauf, dass seine Würde gewahrt wird, sind sich die kirchlichen Hilfsorganisatinen einig.

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