Rückholaktion für Hüftprothesen

Es ist wohl der Albtraum jedes Patienten. Man bekommt ein künstliches Hüftgelenk und erfährt dann, dass die Prothese möglicherweise mangelhaft ist und wieder ausgetauscht werden muss. In Österreich ist das für 99 Patientinnen und Patienten Realität.

Morgenjournal, 02.05.2011

Schadenersatzklagen?

Die Betroffenen hatten künstliche Hüftgelenke der Firma DePuy bekommen. Diese Tochter-Unternehmen von Johnson&Johnson hat die Prothese mittlerweile weltweit wieder vom Markt genommen hat. In Österreich wurden die Hüftgelenke, soweit bisher bekannt ist, in Vorarlberg eingesetzt. Die Vorarlberger Krankenhausbetriebsgesellschaft hat 99 Patienten informiert, dass ihre Hüftprothesen möglicherweise Mängel haben. Zehn besorgte Patienten haben sich daraufhin bei Patientenanwaltschaft Vorarlberg gemeldet. Jetzt werde geprüft, ob sie Anspruch auf Schadenersatz gegen den Hersteller haben, sagt Christoph Grager von der Patientenanwaltschaft.

Firma versucht zu beruhigen

Das Unternehmen hat das Hüftgelenk zwar freiwillig zurückgerufen, weil sich herausgestellt hat, dass diese Gelenke öfter ausgetauscht werden mussten als andere. In einer Stellungnahme für das Ö1-Morgenjournal schreibt DePuy: "Wir verstehen, dass dieser Rückruf die Patienten besorgt, aber die Firma unterstützt die Betroffenen und lässt auch prüfen, ob sie Anspruch auf Schadenersatz haben. Und wir haben auch eine Hotline eingerichtet." Für die Patienten kann eine neuerliche Operation jedenfalls gefährlich sein, sagt Christoph Grager von der Patientenanwaltschaft. "Außerdem sind natürlich Schmerzen damit verbunden, es kann Verdienstentgang entstehen, Heilungskosten, psychische Belastung."

Nicht nur in Vorarlberg?

Derzeit sind der Patientenanwaltschaft nur Fälle aus Vorarlberg bekannt, sagt Christoph Grager, ob die Gelenke auch in anderen Bundesländern eingesetzt wurden, sei noch nicht klar. Immerhin scheine es nicht so zu sein, dass diese Gelenke in Österreich in großem Stil eingesetzt worden seien.

Vergleich möglich?

In Deutschland, wo 5.500 dieser Prothesen implantiert wurden, gibt es bereits eine Strafanzeige gegen DePuy. In Österreich bemüht man sich um einen Vergleich - noch, wie es seitens der Patientenanwaltschaft heißt.