Pakistan: Leichtes Spiel für Al Kaida und Taliban

Die Taliban haben sich zu einem Doppel-Selbstmordanschlag im Nordwesten Pakistan bekannt, bei dem mindestens 80 Menschen getötet worden sind. Der Anschlag gilt als erster Racheakt islamistischer Gruppierungen nach dem Tod von Osama Bin Laden, die Taliban haben Pakistan und die USA zu ihren größten Feinden erklärt. In Pakistan selbst ist die Lage prekär.

Die USA werfen Pakistan vor, terroristische Gruppierungen zu unterstützen, gleichzeitig hat der unangekündigte US-Einsatz die Schwäche des Landes aufgezeigt, sich selbst verteidigen zu können.

Mittagsjournal, 13.05.2011

Der Krieg ist schon da

Schon kurz Nach der Ermordung von Osama bin Ladens in Pakistan war die Angst der pakistanischen Regierung vor Racheakten der Al Kaida groß. Jetzt scheint ein solcher Racheakt Realität geworden sein. Zwei Selbstmordattentäter der Taliban haben im Nordwesten Pakistans mindestens 80 Menschen mit in den Tod gerissen, mehr als 100 verletzt. Der Anfang einer Welle an wütenden Vergeltungsanschlägen, melden internationale Nachrichtenagenturen. Der pakistanische Zeitungskolumnist Zaair Husaain ist da anderer Meinung. Die Extremisten würden längst einen Krieg gegen Pakistan führen, der das Land im Griff habe:

"Sie haben mit Anschlägen auf Regierungs- und Armeeziele angefangen, amerikanische Soldaten wurden zur Zielscheibe, wo immer es möglich war, daraus ist längst ein offener Krieg geworden. Sie haben Spitäler ins Visier genommen, Moscheen jeder religiösen Gruppe, Schulen. Ich glaube nicht, dass wir uns den Kopf darüber zerbrechen müssen, ob sie jetzt einen Krieg beginnen, den gibt es, sie versuchen uns so hart zu treffen, wie sie können".

Volk wird belogen

Auch der Druck der Bevölkerung ist groß. Denn sie kann nicht verstehen, wie es dazu kommen konnten, dass amerikanische Kampfhubschrauber unbehelligt auf pakistanischem Boden einen Einsatz durchführe konnte. Die Radargeräte im Nordwesten Pakistans seien abgeschälten gewesen, hat der pakistanische Sicherheitschef wenige Tage nach dem Angriff zerknirscht bekannt gegeben.

Wie konnte das passieren, fragt sich auch die pakistanische Journalistin und Autorin Jugnu Mohsin. Das pakistanische Volk werde einfach von allen Seiten belogen und für dumm verkauft, meint Mohsin: "Wir fragen uns, warum haben wir eine solche zwiespältige Außenpolitik, warum sprechen wir nicht mit einer Stimme, warum reden wir mit gespaltener Zunge, warum gibt es eine Meinung für die pakistanische Öffentlichkeit und eine für das Volk? Endlich fragen sich die Leute das und sie wollen glaubhafte Antworten von den Führungseliten. Und ja, es gibt die Ansicht, dass unsere Souveränität verletzt worden ist. Und zwar von den internationalen Terroristen, die bei uns Zuflucht gefunden haben und von den USA".

USA und Pakistan brauchen einander

Dass die USA unbehelligt Pakistan betreten konnten um Osama bin Laden zu töten, stößt großen Teilen der Bevölkerung auf. Für den Journalisten Zaair Hussain ist dies keine große Überraschung: "Wir reden darüber, dass niemand unsere Souveränität verletzt, aber das ein bisschen Theorie. Wir haben immer Kompromisse gemacht. Wissen Sie, es gibt Leute, die es alarmierend finden, wenn US-Soldaten auf pakistanischem Boden stehen. Aber das ist immer so gewesen, nicht in Form regulärer Truppen, aber es waren Amerikaner da und aktiv in Pakistan. Die Tatsache, dass US-Soldaten jetzt zugeschlagen haben, macht die pakistanische Regierung nicht schwächer, als sie ohnehin gewesen ist. Es ist ein Problem, eines, wie es immer wieder auftritt, aber letztlich brauchen die USA und Pakistan einander".

Macht alteingesessener Militärfamilien

Den Grund für die schlechte Führung Pakistans ist für die Journalistin Jugnu Moshin hauptsächlich die Macht der alteingesessenen Militärfamilien: "Wie in den Sultanaten des Mittleren Ostens, wo ganze Familien ganze Länder entführt haben, wie die Gaddafis in Libyen und die Mubaraks in Ägypten, hier in Pakistan haben wir eine Führung aus einer ungewählten Elite von Sicherheitsbeamten, die sich hier fast in der selben Position befinden. Und die gewählte Führung kann nur als eine geringfügig kosmetische Aufbesserung verstanden werden, die den wahren Führern dieses Landes nur recht sein kann. Es gibt kein Geld, weil die Hälfte der gesamten Steuereinnahmen in die Verteidigungsausgaben fließt, mit dem Rest müssen wir unser Defizit ausgleichen, da bleibt nicht viel für die Leute".

Leichtes Spiel für Al Kaida und Taliban

Und ein solch unsicherer Nährboden in Pakistan sei der Grund dafür, sagen die beiden Kommentatoren, dass die pakistanische Regierung eine schwache sei und es auch einfach machen würde, dass Terroristengruppen wie die Al Kaida und die Taliban ein leichtes Spiel haben würden.