"Atmen" begeistert Cannes

Markovics ist für seinen Debütfilm "Atmen" in der renommierten Cannes-Nebenreihe "Quinzaine des Realisateurs" am Freitagabend mit dem Preis "Label Europa Cinema" ausgezeichnet worden. “Atmen” ist neben "Michael", dem Debütfilm des Österreichers Markus Schleinzer, der es sogar bis in den offiziellen Wettbewerb um die Goldene Palme geschafft hat der zweite österreichische Streifen beim Filmfestival von Cannes.

Der bei den Festivals Cannes, Venedig, Berlin und Karlsbad vergebene Preis unterstützt Kinobetreiber, die den Film über längere Zeit im Programm führen. "Atmen" gilt auch als einer der Favoriten für die "Camera d'Or" für den besten Erstlingsfilm.

Mit dem "Label Europa Cinema" ist üblicherweise ein weite Verbreitung des Films in Europa verbunden. Das Label erleichtert die Vertriebsmöglichkeiten für die Verleiher und unterstützt 2.055 europäische Kinoleinwände in 31 Ländern. Vor zwei Jahren war in Cannes auch "La Pivellina" von Tizza Covi und Rainer Frimmel mit diesem Preis ausgezeichnet worden, ein Jahr zuvor hatte Götz Spielmanns "Revanche" in Berlin diesen Preis erhalten.

Der vom ORF mitproduzierte Film "Atmen" ist am Donnerstag in Cannes mit Begeisterung aufgenommen worden.

Kultur aktuell, 20.05.2011

Allgemein verständliches Thema

Die Quinzaines des Realiteurs wurde einst als Gegenfestival des Autorenkinos gegründet und hat einen fixen Stellenwert in Cannes, wenn ihr Sitz auch nicht im Festivalpalais, sondern in einem Nobelhotel einige hundert Meter weiter auf der Croisette liegt. Dort wurde der österreichische Schauspieler Karl Markovics für sein Regiedebüt "Atmen" bei beiden Vorstellungen am Donnerstag frenetisch gefeiert, vor allem bei der zweiten Vorstellung am frühen Abend.

Die positive Aufnahme dieses sehr wortkargen und vom lokalen Wiener Dialekt geprägten Films, der einen achtzehnjährigen Straftäter und seine ersten Bewährungsversuche in einem Bestattungsunternehmen zeigen, erklärt sich Markovics mit der Allgemeingültigkeit der Strukturen, innerhalb derer sich seine Figuren entwickeln.

Optimistischer Blick nach vorne

Markovics verfolgt den jungen Laienschauspieler mit großer Präzision und Zurückgenommenheit, sein sozialer Realismus erlaubt sich keine Sentimentalität, nur einmal beim Schwimmunterreicht, bei Atemübungen, überkommt den Protagonisten ein Schluchzen über sein Schicksal.

Die außergewöhnlich guten Reaktionen haben Karl Markovics erfreut und verblüfft, der nun auf weitere Festivaleinladungen und gute Verkäufe des Films hofft.

And now to something completely different...

Ein Regiestar wie der Spanier Pedro Almodovar hat da weniger zu befürchten. Sein Film wird bereits verkauft, bevor ihn die Käufer gesehen haben. Noch dazu, da nach über zwanzig Jahren Antonio Banderas wieder mit dabei ist, der inzwischen ein Hollywoodstar geworden ist aber immer noch genau so sympathisch und sei, wie bei ihren gemeinsamen Anfängen in Madrid.

"Die Haut, in der ich lebe" ist ein merkwürdig verschlungener Film um einen Schönheitschirurgen - ein Thriller, der zwischen Frankenstein, Fritz Lang und die Schöne und das Biest angesiedelt ist, ein Thriller, der überspitzt, unfreiwillig komisch und melodramatisch ist und doch in Cannes gut aufgenommen wurde, schließlich ist Pedro everybodys darling ,während Lars von Trier wieder einmal den Bad Boy gespielt hat und nach seinen abstrusen Nazisagern vom Festival zur persona non grata erklärt wurde.

Textfassung: Joseph Schimmer

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Quinzaine des realisateurs - Atmen