Wissenschaftliches Risikofoschungszentrum

ETH Zürich: Die Krise geplant

Die Welt wird immer krisenanfälliger, lokale Ereignisse haben globale Auswirkungen. Wissenschaftliche Modelle, solche Krisen vorherzusagen, gibt es bisher nicht. Deshalb hat die renommierte Eidgenössische Technische Hochschule ETH in Zürich ein Risikoforschungszentrum ins Leben gerufen, um die Krisen in der vernetzten Welt besser verstehen und mildern zu können.

Mittagsjournal, 25.06.2011

Vernetzung mehrerer Disziplinen

Die Finanzkrise, die als Immobilienblase in den USA begonnen hatte, hatte letztendlich weltweite Folgen, die in der Schuldenkrise vieler Länder gipfeln, allen voran Griechenland. Ob es sich um die Katastrophe auf der Ölplattform im Golf von Mexiko, die Ereignisse in Fukushima oder die Finanzkrise handelt: die Wissenschaft verfügt über keine Rechenmodelle, um solche Risiken vorauszusagen oder gar, sie zu bekämpfen.

Zwar gibt es Risikoforscher, doch sie sind in einzelnen, voneinander unabhängigen Disziplinen tätig, was der vernetzten Welt längst nicht mehr entspricht. Die ETH in Zürich will deshalb in ihrem neuen Risikoforschungszentrum unter anderem Soziologen, Ökonomen, Mathematiker und Physiker vereinen. Sie sollen gemeinsam nach neuen Modellen suchen, um die Risiken der Zukunft besser zu verstehen, sagt Hans Rudolf Heinimann, der Vorsitzende des ETH-Ausschusses für das Risikoforschungszentrum.

Alte Modelle haben ausgedient

Wie überholt die althergebrachten Analysemodelle sind, zeigt die Finanzkrise. Das globale Finanzsystem sei so komplex und unkontrollierbar, dass es neue Forschungsansätze brauche, meint der Physiker und Soziologe an der ETH Zürich, Dirk Helbing. Wissenschaftliche Disziplinen außerhalb der Wirtschaft, wie die Mathematik oder die Physik dabei helfen, so Soziologe Dirk Helbing.

Die Daten, um solche Modelle zu testen, soll die Privatwirtschaft, unter anderem Versicherungskonzerne oder Banken liefern. Man darf gespannt sein, ob künftige Krisen besser abgefedert werden können. Kommen werden sie wohl ohnehin.