"Hilfe kommt zum Teil zu spät"

Zwölf Millionen Menschen hungern im Osten Afrikas, in Äthiopien, Somalia, im Sudan und in Kenia. Eine humanitäre Katastrophe riesigen Ausmaßes droht. Wo die Probleme liegen, und was jetzt dringend getan werden muss, das erklärt Lutz Hahn von der Hilfsorganisation World Vision.

Morgenjournal, 18.7.2011

Lutz Hahn von der Hilfsorganisation World Vision im Gespräch mit Agathe Zupan

"Regierung weiß Bescheid"

Regierungen wie die in Äthiopien begännen langsam, die bürokratischen Wege auszuräumen und Hilfsmaßnahmen zuzulassen, sagt Hahn: "Ich denke, dass vor allem hier in Äthiopien die Regierung sehr wohl um die Situation der Menschen Bescheid weiß. Bisher war es sehr schwierig, überhaupt Hilfslieferungen in die betroffenen Gebiete hineinzubekommen, aber die Regierung hat jetzt in Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen begonnen, Hilfsmaßnahmen einzuleiten und den Menschen Hilfe zukommen zu lassen."

"Nach Märschen völlig entkräftet"

Im größten Flüchtlingslagerlager der Welt im kenianischen Dadaab sind 400.000 Menschen zusammengepfercht. Von den Zuständen in solchen Lagern berichtet Hahn: "World Vision operiert in den Flüchtlingslagern von kenianischer Seite aus, aber ich habe mir von meinen Kollegen berichten lassen, dass die Menschen völlig entkräftet in den Lagern ankommen. Die Nahrungshilfe kommt zum Teil einfach zu spät, weil die Menschen, auch die Kinder, so geschwächt sind, nach den tagelangen und auch wochenlangen Märschen, die sie hinter sich haben, dass die Hilfe einfach zu spät kommt."

Dringender Appell

"Die Menschen brauchen Wasser, und sie brauchen Nahrung. Natürlich sind Geldspenden sehr willkommen, denn es nützt ja nichts, wenn man von Österreich aus irgendwelche Nahrungsmittel hier runterschickt. Es braucht wirklich finanzielle Unterstützung, damit die Hilfsorganisationen das möglichst rasch mit ihrer eigenen guten Logistik organisieren können, dass die Hilfe möglichst rasch zu den betroffenen Menschen hinkommt", appelliert Hahn an den Westen.

Morgenjournal, 18.7.2011

Meinhard Mühlmann

"Das ist erschreckend"

Es ist der nackte Überlebenskampf, dem die Menschen am Horn von Afrika derzeit ausgesetzt sind. Katastrophenhelferin Anita Sackl von "Ärzte ohne Grenzen" ist gerade vom Flüchtlingslager Dadaab mit fast 400.000 Menschen im Osten Kenias zurückgekommen. Seit elf Jahren arbeitet die Ernährungsexpertin in Krisengebieten - und dennoch lässt sie ein Bild nicht mehr los:

"Als ich das erste Mal unser Spital betreten habe, wo ich Sechs-, Siebenjährige schwerst unterernährt erlebt habe. Kinder, die nicht mehr zu Fähigkeit haben, den Arm zu heben: Das ist erschreckend."

Lebensunterhalt verloren

Hunderttausende, auch Kleinkinder, schwangere Frauen und alte Menschen, haben ihre Heimat verlassen und versuchen als Binnenflüchtlinge oder auch über den Grenzen Hilfe zu finden. "Der Großteil der Bevölkerung in Somalia lebt von Vieh und Kamelherden. Das heißt, sie haben ihren Lebensunterhalt verloren", berichtet Sackl.

Krise seit langem abzusehen

Dabei war die Krise seit Monaten abzusehen. Sabine Wartha von der Caritas-Katastrophenhilfe: "Wir wussten schon seit einem Dreivierteljahr, dass der letzte Regen ausgeblieben ist, der Frühjahrsregen ist ebenso ausgeblieben. Es gab viele Aufrufe und Appelle, hier wird immer viel zu spät reagiert."

Vor November ist kein Regen mehr zu erwarten, und auch dann würde es noch Monate dauern, bis die Betroffenen aus eigener Kraft wieder weitermachen könnten.

Spendenkonten

Wenn Sie spenden möchten:

Caritas: PSK 7.700 004, BLZ 60.000, Kennwort: Hungerhilfe

CARE: PSK 1.236.000, BLZ 60.000

Diakonie Katastrophenhilfe: PSK 2.313.300, BLZ 60.000, Kennwort: Somalia

Ärzte ohne Grenzen: PSK 93.040.950, BLZ 60.000, Kennwort: Notfallfonds Ostafrika

World Vision Österreich: PSK 90.890.000, BLZ 60.000, Kennwort: Hunger Afrika

UNICEF: PSK 1.516.500, BLZ 60.000, Kennwort: Kinder Horn von Afrika

Kindernothilfe: PSK 92.144.077, BLZ 60.000, Kennwort: Dürre Afrika

Österreichisches Rotes Kreuz, PSK: 2.345.000, BLZ 60.000, Kennwort: Dürre in Afrika