Die Sache Makropulos

Regisseur Christoph Marthaler inszeniert die Oper "Die Sache Makropulos" von Leos Janácek für die Salzburger Festspiele. Bereits 1998 hat Marthaler mit "Katja Kabanowa" von Janácek eine viel gelobte Inszenierung dieses Komponisten vorgelegt. Wie damals ist Angela Denoke in der Hauptrolle. Premiere ist am Mittwoch, 10. August 2011.

Mittagsjournal, 08.08.2011

Stummer Beginn

Diese Oper beginnt stumm: Zwei Sängerinnen sind in einem gläsernen, vollgequalmten Raucherzimmer eingeschlossen, aus dem kein Ton nach außen dringt. Dass sie dabei singend über den Tod und die Möglichkeiten einer Verlängerung des Lebens philosophieren, kann man nur an den Übertiteln mitverfolgen. Ein köstlicher Einstieg in eine nicht leicht verständliche Oper, die von einer Frau handelt, die über 300 Jahre gelebt hat.

"Die Raucherkabinen auf Flughäfen sind ja inzwischen so eine Art öffentliche Diskussionsorte", so Bühnenbildnerin Anna Viebrock, die Christoph Marthaler seit seiner ersten Inszenierung begleitet und mit ihren Einbauten das Regiekonzept oft maßgeblich beeinflusst. "Da wird philosophiert. In dem Fall sind es zwei Damen, von der eine die üble These des Übermenschen vertritt."

Werk mit politischer Komponente

Mit der Frage, wer länger leben darf und wer nicht, hat diese Oper für Christoph Marthaler auch eine stark politische Komponente - neben allen anderen Aspekten, die er an dieser Oper so faszinierend findet: "Das ist die Zeit, wo Kafka geschrieben hat - den kannte man damals noch nicht, weil man das noch nicht lesen konnte, da ist aber auch der Surrealismus, der Dadaismus und der Symbolismus entstanden - das ist großes Futter."

Angela Denoke gibt die schöne Sängerin, die über 300 Jahre gelebt hat und der die Männer in ihrer reifen Alterslosigkeit reihenweise erliegen. Durch ihr langes Leben kann sie in einem Gerichtsprozess zwischen zwei Familien, der sich auch schon über 100 Jahre hinzieht, entscheidende Auskünfte geben. Für diese Geschichte hat Bühnenbildnerin Viebrock, bekannt für ihre leicht angespeckten Wartesaalsituationen, einen Gerichtssaal aus dem Pariser Justizpalast aus dem 19. Jahrhundert kopiert, mit liebevoll gestalteten Kassetten und einem altmodischen Zeugenstand, der auf fein gedrechselten Beinen steht. All das ist mit sehr echter Patina überzogen.

Großer Wurf zu erwarten

"In dem Fall ist es ja ein Prozess, der schon 100 Jahre geht. Da ist es im Grunde schön, wenn man etwas hat, wo die Zeit eine Rolle spielt. Es sind die Zeiten ja auch gemischt - dieser Wartesaal ist viel moderner, der Hotelgang ist ungefähr 30er-Jahre und es gibt ein paar Kostüme, die von heute sind. Dr. Kolenaty ist inspiriert von Herrn Kachelmanns Anwalt."

Mit diesem ebenso atmosphärischen wie witzigen Bühnenbild, mit Angela Denoke in der Hauptrolle und Esa-Pekka Salonen als musikalischem Leiter, scheint diese Inszenierung wieder zu einem großen Wurf von Christoph Marthaler zu werden.

Textfassung: Rainer Elstner