Schlechte Chancen für Eurobonds

Der Abwärtstrend an den Börsen ist vorerst gestoppt, doch an den Finanzmärkten geht weiterhin die Angst vor einem Rückfall in die Rezession um. In Europa wird daher der Ruf nach Eurobonds wieder lauter. Finanzschwache Länder würden so leichter an Kredite kommen. Viele Experten lehnen gemeinsame Anleihen aber ab.

Morgenjournal, 10.8.2011

Manuel Marold

Gemeinsame Haftung aller EU-Länder

Das Schlagwort Eurobonds steht für gemeinsame Anleihen aller Eurostaaten. Die Idee dahinter: Alle Staaten der Eurozone würden für diese Anleihen gemeinsam haften. Weil es einen einheitlichen Zinssatz gibt, könnten sich hoch verschuldete Länder wie Griechenland oder Portugal deutlich billiger Geld am Kapitalmarkt leihen als derzeit, wo jedes Land für sich allein Kredite aufnimmt.

Experte: Motivation zum Sparen sinkt

Eurobonds wären also eigentlich ein wirksames Mittel gegen die Schuldenkrise in Europa, sagt Robert Senz, Anleihechef von Raiffeisen Capital Management. Die Kehrseite: Weil die Krisenstaaten de facto neue Schulden zu niedrigen Zinsen aufnehmen würden, könnten die Länder die Motivation verlieren, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen. "Meiner Erfahrung nach würden die Politiker dieser Verlockung erliegen", so Senz.

Das könnte man nur vermeiden, indem die Eurobonds mit der Einrichtung einer europäischen Wirtschaftsregierung einhergehen würden, die auf Budget- und Steuerpolitik der einzelnen Länder Einfluss nehmen könnte, glaubt Senz.

Deutschland und Frankeich dagegen

Zweiter Kritikpunkt an den Eurobonds: Während durch den einheitlichen Zinssatz für hochverschuldete Länder am Finanzmarkt geborgtes Geld billiger wird, würden für wirtschaftlich gesunde Staaten die Zinsen steigen. Deshalb lehnen die großen europäischen Volkswirtschaften wie Deutschland und Frankreich die Eurobonds ab.

Skepsis auch in Österreich

Auch die österreichische Regierung steht den Gemeinschaftsanleihen skeptisch gegenüber, da sich dadurch Kredite verteuern könnten. Ewald Nowotny, Nationalbankgouverneur und Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank, meint, Europa solle lieber das beim letzten Sondergipfel im Juli beschlossene Paket vollständig umsetzen, als an die Einführung von Eurobonds zu denken.

"Eurobonds schwer zu erklären"

Eurobonds wären in Europa zudem politisch schwer zu argumentieren, betont Anleihenexperte Senz. Man könne Bürgern auf der Straße schon jetzt nicht erklären, warum man anderen Ländern helfen soll. "Bei Eurobonds wird das noch viel schwieriger."

Zu den Eurobonds-Fürsprechern in der EU zählen etwa Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker, Währungskommissar Olli Rehn oder auch Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso.