Handke-Uraufführung in Salzburg

Bei den Salzburger Festspielen wird am Freitag, 12. August 2011 Peter Handkes "Immer noch Sturm" uraufgeführt - ein Stück oder doch kein Stück? Vielleicht eher eine große dramatische Erzählung, in der die Erinnerung an seine Heimat Kärnten und an den Widerstand der Slowenen gegen die Nazis eine große Rolle spielt.

Mittagsjournal, 10.08.2011

Rezensenten euphorisch

Der schon seit längerer Zeit im Suhrkamp erhältliche Text "Immer noch Sturm" wurde von den Rezensenten großteils euphorisch begrüßt. Vom "schönsten Stück, das Handke je geschrieben hat" war da sogar die Rede. Aber es liest sich nicht wie ein Theaterstück, viel eher ist es eine Textfläche im Stil Elfriede Jelineks, die allerdings von einem Ich-Erzähler zusammengehalten wird, der natürlich kein geringerer als Handke selbst ist.

"Eine Heide, eine Steppe, eine Heidesteppe, oder wo. Jetzt, im Mittelalter, oder wann", sind die ersten Sätze. Bald wird klar, es ist das Jaunfeld, auf dem Handke seine Großeltern, seine Mutter sowie die drei Brüder und die Schwester der Mutter versammelt.

Koproduktion mit Hamburg

Thomas Oberender, Schauspielchef der Salzburger Festspiele, glaubt an "Immer noch Sturm" als Theaterstück und bringt es jetzt auf der Perner-Insel in Koproduktion mit dem Hamburger Thalia-Theater heraus, nachdem sich schon sehr konkrete Pläne mit Claus Peymann und seinem Berliner Ensemble zerschlagen haben.

"Ich glaube dieses Stück ist sehr wesentlich davon geprägt, dass die Geschichte durch dieses Ich hindurchgeht, das uns die Erzählung seines Lebensweges, seiner Vorfahren mitteilt und dass Ich und Politik und Gesellschaft sich nicht ausschließen", sagt Oberender über Handke und sein poetisches Ich in "Immer noch Sturm". "Das ist eine Art von Summe - ich will nicht sagen Schlusspunkt -, die dieses Stück formuliert."

Umstrittene Beziehung zu Jugoslawien

Vielleicht auch ein Schlusspunkt mit Handkes umstrittener Beziehung zum ehemaligen Jugoslawien, mit seiner Sehnsucht nach dem Tito-Staat, der ihn noch zum Verteidiger von Slobodan Milosevic machte. Auf diesen Weg konnten und wollten auch eingeschworene Handke-Leser ihm oft nicht mehr folgen.

Nun also noch einmal eine Elegie, ein Traumspiel, in dem vor allem auch vom Widerstand der Slowenen und der Partisanen die Rede ist. Ein Bulgare, der in die DDR gegangen ist, wurde als Regisseur für die Handke-Uraufführung ausgewählt: Dimiter Gotscheff. Er leugnet nicht, dass ihn der slowenisch-kärntnerische Hintergrund des Textes zunächst nicht wirklich ein Begriff war und meint: "Das ist kein lokaler Text. Durch die Poesie von Handke kriegt dieser Text eine andere Dimension."

Regisseur nutzt Spielraum

Besonders erfreut ist Dimiter Gotscheff über den Spielraum, die Halleiner Perner-Insel, "weil dieser Raum einfach die Sprache von Handke öffnet".

Katrin Brack hat das Bühnenbild gemacht, der aus Bosnien stammende Österreicher Sandy Lopicic steuert die Musik bei und Darsteller wie Jens Harzer und Tilo Werner, Bibiana Beglau und Oda Thormeyer werden ihr Bestes versuchen, einen Weg durch das vieldeutige Wortdickicht zu finden.